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Titel: Fahrende Musikanten im Dorfwirthshaus
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aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 103
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1881) b 101.jpg

Fahrende Musikanten im Dorfwirtshaus.
Nach seinem Oelgemälde auf Holz gezeichnet von W. Großmann.


[104] Fahrende Musikanten im Dorfwirthshaus. (Mit Abbildung S. 101.) Von allem fahrenden Volke, das einst in großer Zahl bunten Wechsel in das öffentliche Leben brachte, sind die Jünger der Tonkunst die ersten gewesen, welche eine bevorzugte Stellung einnahmen, und sie scheinen auch am längsten sich der allgemeinen Gunst zu erfreuen. „Fahrende Sänger“ waren jene ersten Tonkünstler, die ihre Gesänge von Burg zu Burg, von Schloß zu Schloß trugen, und die Harfe war ihre stete Begleiterin. Ihnen gesellten sich, in Folge der Völkerwanderung, von Welschland her allerlei „fahrende Leute“ zu, u. A. römische Fechter und Tänzerinnen. Jeder neue Krieg förderte neue Schaaren Heimathloser mit den verschiedenartigsten Erwerbsweisen an’s Tageslicht, sodaß namentlich zur Zeit des blühendsten Wohlstandes der Deutschen, von der Reformation bis zum Dreißigjährigen Krieg, außer den fahrenden Sängern und Spielleuten, Possenreißer aller Art, Quacksalber, Taschenspieler, Raritätenkrämer, Schauspieler und nach den Kreuzzügen auch fahrende Priester und Flagellanten, aber auch fahrende Nonnen und Schüler von Ort zu Ort wanderten. Nach jedem Krieg gab es auch wieder arbeitslose Landsknechte. Endlich vermehrten die Zigeuner diese fahrenden Horden, bis nach dem Dreißigjährigen Krieg abermals Welschland uns das schlimmste Gesindel, Schatzgräber, Geisterbanner, Goldmacher und Wunderdoktoren, in’s Land brachte, deren Nachtrab, die Kameel-, Affen- und Bärenführer, noch die harmloseste Zugabe war. Wer sie alle recht genau kennen lernen will, muß Holtei’s „Vagabonden“ lesen.

Die neuere Zeit hat stark mit ihnen aufgeräumt; es ist fast nichts übrig geblieben, als was zum nothwendigen Ausputz unserer Messen, Jahrmärkte, Vogelschießen und dergleichen Volksfeste gehört: die wandernden Kunstreiter, Seiltänzer, Taschenspieler, Menagerien, Affentheater etc., die Tonkunst aber vertreten, unerschrocken der strengen Polizei gegenüber, noch immer Harfenmädchen und Musikanten.

Von letzteren stellt unsere Illustration uns ein Quartett im Dorfwirthshause vor. Glücklicher hätte der Künstler die geheimnißvolle Macht der Musik nicht zur Anschauung bringen können; es ist vom Orpheus bis zum Rattenfänger von Hameln und bis zur Gegenwart dieselbe Zaubergewalt, welche durch die Töne die Gemüther der Unschuldigen fesselt. Wie glücklich ist die Kinderschaar, welche den Musikanten von der Straße herein nachstürmte! Wie drängen die Hintersten noch herein, und wie lauschen sie und gucken scheu und neugierig die fremden Männer und ihre Instrumente an! Aber die Kinder sind es nicht allein, auch die Aelteren freuen sich; und wenn erst die tanzfähige Jugend herbeikonmt, dann können wir’s erleben, daß die Kinder in die Winkel geschoben werden und die Lustbarkeit in alle Beine fährt. Das ist das uralte Privilegium, das dem Musikanten unveräußerlich bleibt: Volkslust ist ohne Musik nicht denkbar, und wo der heimische Musikant fehlt, wird der fahrende immer ein willkommener Gast sein.