Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Felix Dahn
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Epistel an Emanuel Geibel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 329
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[329]

Epistel an Emanuel Geibel.[1]

Von Felix Dahn.

Mit Rückert und mit Platen
Hast Du mich treu berathen:
Und ist mein Reim gerathen, –
     Das dank’ ich Deiner Kunst.

5
Den Lehrer will ich preisen,

Jedoch in eignen Weisen:
     Das höre Du mit Gunst! –

Ja, schlürf’ ich hier im Norden,
An Thule’s Nebel-Borden,

10
     Viel edel-süße Labe

     Aus Deiner letzten Gabe,
Aus Deinen „Spätherbstblättern“,
Gereift in allen Wettern,
     In heißen und in kalten,

15
     Bei guter Sterne Walten, –

     So ruf’ ich: „Heil dem Alten,
Des deutschen Wohllauts weichem,
Romanisch formenreichem,
Herrn Gottfried’s Süße gleichem

20
Goldmelodien-Gestalter –

Heil ihm und seinem Psalter!“
Wer von uns Jüngern just nicht schlecht
Die Reime reimt und radebrecht,
     Der dankt es Dir, Du Weibel

25
     Des Versturnieres, Geibel! –


Wie schaltest Du in München
Auf handwerkmäßig Tünchen!
Dem Falschreim wurde höllenangst,
Dem Flickwort bange, banger, bangst.

30
„Was?“ – hörte man Dich dröhnen –

     „Hiatus? Elisionen?
Könnt Ihr’s nicht abgewöhnen?
     Schock Schwere Noth Schwadronen –
Poeten wollt Ihr heißen?

35
Mit Knüppeln sollt’ man schmeißen!“


Doch nicht allein dies A B C
Erlernten wir in Deiner Näh’:
Auch, daß die Weihe müsse schweben
Um echten Dichters Lied und Leben,

40
Daß sternenhoch das Ziel entfernt

Und daß Du selbst nie ausgelernt;
Wie rasch da Eitelkeit zerschmolz
Vor Deinem tief bescheid’nen Stolz!

Auch jetzt sprichst Du bescheiden

45
     Von Spätherbstblättern blos:

Und doch lauscht, sehr zu neiden,
     Aus dieser Blätter Schooß,
Aus dieser Reben-Laube
Die goldne Spätherbst-Traube.

50
     Die Traube, herrlich ausgereift,

     Die Roms und Hellas’ Strahl gestreift:
In Deutschland beut uns Keiner
Trank, edler, weicher, reiner,
     Fein-blumiger als Deiner.

Königsberg, 1. Mai 1878.


  1. Veranlassung zu obiger Huldigung bot die jüngste poetische Gabe Geibel’s, welche unter dem Titel „Spätherbstblätter“ erschienen ist und von dem Dichter selbst als seine „letzte“ bezeichnet wird.
    D. Red.