Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Enoch Heinrich Kisch
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Entfettung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 330–332
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[330]
Entfettung.
Von Professor Dr. E. Heinrich Kisch.

Seitdem vor 25 Jahren der dickleibige Engländer William Banting in einem Aufsehen erregenden, an das Publikum gerichteten öffentlichen Briefe (Letter on corpulence addressed to the public) eine einfache diätetische Behandlungsweise allen jenen empfahl, die sich ihres belästigenden Fettüberflusses entäußern wollen, sind mannigfache und zahlreiche Entfettungsmethoden aufgetaucht und verschwunden, angepriesen und verlassen worden. Der gesunde Gedanke aber, welcher in jenem drastisch schildernden Schriftchen des praktischen Engländers scharfen Ausdruck fand, ist lebendig geblieben und sowohl die Erforschung der als Fettleibigkeit bekannten Stoffwechselerkrankung als die Aufhellung der Ernährungsvorgänge des menschlichen Körpers haben dargethan, daß die Behandlung des in Rede stehenden Leidens vor allem eine diätetische, auf zweckentsprechende Aenderung der Ernährungs- und Lebensweise des Individuums gerichtete sein muß.

Um die Fettleibigkeit und ihre Folgezustände, welche wir in einem früheren Artikel („Gartenlaube“ Jahrgang 1885, Nr. 16) geschildert haben, zu bekämpfen, giebt es sehr viele Mittel und Methoden. Die Abnahme des übermäßigen Fettes kann in der mannigfachsten Weise sehr gründlich und sehr rasch zu Stande gebracht werden: durch Hungern oder einseitige Ernährung, durch Abführen oder Schwitzen, durch Dürsten oder Abhetzen – aber dies sind keineswegs schonende, für den Normalbestand des Organismus ungefährliche, sondern ins Gegentheile sehr angreifende, den ganzen Aufbau des Körpers leicht schädigende Mittel. Im großen Publikum herrscht in dieser Richtung sowie in den meisten die Gesundheit betreffenden Dingen oft ein ganz merkwürdiger Unverstand. Der hochgradig Fettleibige, welcher sich durch den Fettballast irgend unbehaglich fühlt, will durchaus in möglichst kurzer Zeit die denkbar größte Fettmenge verlieren, und so entsteht eine Jagd nach dem Arzte und der Methode, die am meisten Kilo Fett zum Schwinden bringen. Pillen, mittelst deren versprochen wird, das Fett nur so weg schwinden zu lassen, finden reißenden Absatz, und Aerzte, welche rasch abmagernde Mittel geben, haben riesigen Zulauf. Solche rasche und gewaltsame Verminderung des Körperfettes hat aber die wesentlichsten Nachtheile, indem hierdurch eine schwere mechanische Störung wichtiger Organe, besonders eine bedrohliche Erschütterung der Struktur des Herzmuskels herbeigeführt, andrerseits auch eine bedeutende Schädigung des Eiweißbestandes des Organismus, eine fühlbare Beeinträchtigung der Ernährung der Muskeln und Nerven sowie der Bildung der rothen Blutkörperchen veranlaßt wird.

Nur auf schonende Weise darf vielmehr eine allmähliche und stetige Förderung des Fettverbrauches erzielt, nur in einer [331] den Gesetzen des Stoffwechsels sorgfältig Rechnung tragenden Art darf der Fettansatz verhütet werden. Da wir wissen, daß nicht bloß das Fett der Nahrung den Fettansatz begünstigt, sondern daß sich auch aus dem Eiweiß Fett abspaltet und die in den Nahrungsmitteln enthaltenen Kohlenhydrate (Stärkemehl, Dextrin, Zucker und Gummiarten) vorzügliche Fettsparer sind, so vermögen wir den stärkeren Fettansatz im Körper dadurch in erster Linie zu verhüten, daß wir dem Fettleibigen überhaupt nicht zu viel Nahrungsstoffe zuführen, das heißt nicht wesentlich mehr, als zu seiner Erhaltung absolut nothwendig sind. Die Menge der zu gestattenden Nahrungsstoffe muß mit Rücksicht auf das Alter, die körperliche Größe, die Gewohnheit und die Blutbeschaffenheit des Individuums sorgfältig normirt werden. Die Kost soll eine gemischte sein, derart, daß die Nahrungsmittel vorwiegend Eiweiß, daneben geringe Mengen Kohlenhydrate und nur äußerst wenig Fett enthalten. Als Mittel für die Kostnorm des erwachsenen Fettleibigen möchte ich angeben, daß sie täglich 160 Gramm Eiweiß, 10 Gramm Fett und 80 Gramm Kohlenhydrate enthalten.

Vorwiegend, aber keineswegs (wie nach Banting) ausschließlich, soll also die Kost der Fettleibigen aus Fleisch bestehen, welches das zweckmäßigste Nahrungsmittel ist, um den Eiweißbedarf zu decken. Da unleugbar der Satz Geltung hat. „Fett der Nahrung macht wieder Fett“, so lege ich Gewicht darauf, daß solche Fleischarten gewählt werden, welche großen Eiweißgehalt mit wenig Fettgehalt verbinden, und hiervon nur die mageren Fleischstücke. Am fettreichsten ist aber unter den Fleischarten das Schweinefleisch, dann Kalbfleisch, demnächst Hammelfleisch, dann kommt erst Rindfleisch. Ferner reihen sich daran betreffs des Fettgehaltes in absteigender Linie: das Fleisch der Ente, von Reh, Krammetsvogel, Haushuhn, Feldhuhn, Taube. Von Fleischkonserven ist geräucherte Ochsenzunge am fettreichsten, demnächst geräucherte Gänsebrust, minder fett Rauchfleisch vom Ochsen und am fettärmsten geräucherter Schinken. Würste sind im Allgemeinen nicht empfehlenswert, weil sie viel Fett neben verhältnißmäßig wenig Eiweiß enthalten. Das Fleisch der Fische kann, schon um Abwechselung in den Speisezettel zu bringen, genossen werden; doch darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, daß der Eiweißgehalt des Fischfleisches ein weit geringerer ist als derjenige des Fleisches von Säugetieren und Vögeln. Die bedeutend fettreichen Lachs, Bücklinge, Sprotten, Heringe und Kaviar sollen vom Speisezettel der Fettleibigen gestrichen werden. Am wenigsten Fett hat der Schellfisch, ihm zunächst der Hecht, fettreicher ist der Karpfen. Austern und Krebse sind nicht reich an Fett, können daher von Fettleibigen, wenn diese sonst gute Verdauungsorgane haben, genossen werden.

Mit dem Genusse von Fleisch ist der von Gemüsen zu verbinden, doch sollen die letzteren nie mit Butter, Schmalz oder Oel angemacht werden. Die Kartoffeln, als am reichsten an Kohlenhydraten, dürfen nur in geringer Menge genossen werden. Frisches Obst, besonders Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, ferner grüner Salat sind gestattet. Süßes Kompot, Krême, Gefrorenes sind wegen ihres Zuckerreichthums von der Tafel zu verbannen. Sämmtliche Käsearten sind wegen ihres sehr bedeutenden Fettgehaltes ungeeignete Nahrungsmittel.

Brot darf nur in solcher Menge genossen werden, daß die oben angedeutete Menge der Kohlenhydrate in der Nahrung nicht überschritten werde, also etwa 50 Gramm Weißgebäck des Morgens, 25 Gramm des Mittags und 20 Gramm des Abends. Dem frischen, brosamenreichen Brote ist geröstetes Brot, Zwieback ohne Zucker und Mandeln, Grahambrod vorzuziehen. Die an Fett und Kohlenhydraten so reichen Mehlspeisen, Backwerke, Konfituren, Lebkuchen sind gänzlich zu meiden.

Von Getränken sind fette Bouillon, nicht abgerahmte Milch, ferner Chokolade und Kakao, die letzteren wegen ihres bedeutenden Gehaltes an Kohlenhydraten und Fett, schädlich; ebenso müssen des Alkoholgehaltes wegen Bier, Branntwein und Likör vermieden werden, in gleicher Weise die an Kohlenhydraten reichen Champagner und süßen Ungarweine. Als Frühstücksgetränke ziehe ich bei Fettleibigen den Thee dem Kaffee vor, weil der erstere eine weit größere Vermehrung der Kohlensäureausscheidung durch die Lungen und eine intensivere Steigerung der Hautausdünstung verursacht. Zum Mittagsmahle sind 1 bis 2 Gläser leichten, guten Weißweines gestattet. Um den Verdauungsakt nicht zu beeinträchtigen, soll während der Mahlzeiten nicht viel Wasser getrunken werden.

Sonst bin ich aber bei Fettleibigen mit guter Blutbeschaffenheit und kräftiger Herztätigkeit gegen die in letzter Zeit so vielfach empfohlene und geübte Wasserentziehung. Ich gestatte solchen Fettleibigen den Tag über, so viel sie wollen, reines gutes Trinkwasser oder kohlensäurehaltiges Wasser, Sodawasser, Selterswasser, Säuerlinge zu trinken. Ein reichlicher Wassergenuß vermag direkt auf den Fettumsatz fördernd einzuwirken, die Verbrennung des Körpermateriales zu erhöhen, die Absonderungen und Ausscheidungen zu vermehren. Bei strenger Entziehung des Wassers, dessen Einführung als Getränk eine mächtige auslaugende Kraft auf den Körper übt, kann es leicht zu einer Stauung der Auswurfstoffe im Körper und zu einer Ueberladung der Gewebe mit denselben kommen; dadurch wird weiters die Entstehung von Gicht, die Bildung von Gallensteinen und Harnsteinen bei Fettleibigen begünstigt. Blutarme Fettleibige dürfen nicht so viel trinken wie blutreiche; sonst ist es nur bei gewissen Stauungserscheinungen im Gebiete des Venensystems gerechtfertigt, die Flüssigkeitseinnahme herabzusetzen.

Von großer Wichtigkeit bei der diätetischen Behandlung des Fettleibigen ist es, diesen, der als Wohlleber häufig in der unregelmäßigsten Weise ißt und trinkt, an eine bestimmte Regelmäßigkeit der Mahlzeiten zu gewöhnen. Mit eiserner Strenge muß daran festgehalten werden, daß zu festgesetzten Zeiten dreimal bis viermal des Tages gespeist, in der Zwischenzeit aber keinerlei Nahrung genossen werde; bei keinem Mahle jedoch darf das Gefühl der Uebersättigung auftreten. Darum ist auch in der Küche dafür zu sorgen, daß alle pikanten Zuthaten und reizenden Saucen zu den Speisen vermieden werden, um den Appetit nicht in einer Weise anzuregen, daß dessen Befriedigung über das erlaubte Maß der Nahrungsmenge hinausgreife.

Wenn die oben kurz angedeutete Regelung der Ernährung das erste Gebot einer rationellen Entfettungsmethode ist, so muß als zweites die geeignete körperliche Bewegung bezeichnet werden. Es ist bekannt, daß hochgradig fettleibige Personen zumeist sehr behäbig, zu größeren körperlichen Anstrengungen ebenso wenig wie zu geistigen Arbeiten aufgelegt sind, und in der stetigen Ruhe, welche die Dicken so sehr lieben, ist gerade ein Anlaß zu stärkerem Fettansatze gegeben.

Wenn der Körper arbeitet, ist der Verbrauch von Fett gesteigert. Durch die Aufnahme von Sauerstoff in erhöhter Menge und durch die vermehrte Kohlensäureausscheidung, welche mit starker Muskelthätigkeit verbunden ist, wird der Fettvorrath des Körpers am wirksamsten angegriffen. Das wissen die Jockeys, welche bei den Pferdewettrennen eine solche große Rolle spielen, ganz genau und bedienen sich darum auch zu dem Zwecke, um sich auf das geeignete Körpergewicht zu bringen, also um abzumagern, der Methode, täglich große Lauftouren mit möglichster Schnelligkeit durch zwei bis drei Stunden vorzunehmen. Der Altmeister der Heilkunde, Hippokrates, empfiehlt bereits fettleibigen Personen, sich nüchtern vor dem Frühstücke durch einen längeren Spaziergang zu ermüden. Es ist in der That von großer Wichtigkeit, daß Fettleibige geeignete Körperbewegungen vornehmen daß sie durch häufiges Spazierengehen, größere Fußtouren, Bergsteigen, Reiten, Turnen, Schwimmen etc. ihre Muskeln in Uebung halten. Aber auch hierbei ist vor Uebertreibungen eindringlich zu warnen. Das richtige Ausmaß der körperlichen Bewegung kann nur der Arzt noch sorgfältiger Untersuchung des Fettleibigen, besonders mit Rücksichtnahme auf die Leistungsfähigkeit seines Herzens, bestimmen, und immer muß das allmähliche Steigern der Körperbewegung überwacht werden. Im Beginne einer jeden Entfettungskur darf der Fettleibige nur so viel Körperbewegung vornehmen, als für ihn und für sein vom Fette bedrängtes Herz ohne Ermüdung möglich ist. Mit der Zeit, mit der Abnahme des Körpergewichtes und mit der Gewöhnung des Herzens an die Arbeit kann die Bewegung in der Ebene vermehrt werden; dann können sich die Spaziergänge auf kleinere Anhöhen ausdehnen und allmählich kann auch das Besteigen von Bergen unternommen werden.

Bei blutarmen Fettleibigen und wenn das Herz sehr geschwächt ist, erscheint angestrengtes Bewegen, forcirtes Bergsteigen oft als ein höchst gefährliches Unternehmen. Ich habe gerade in den letzten Jahren, wo das Wort „Terrainkur“ vielfach mißbraucht ward und wo Fettleibige ohne die nöthige Auswahl es als Entfettungspflicht betrachten, auf den Bergen herumzukeuchen, [332] durch solche forcirte Bewegung wiederholt heftigste Anfälle von Uebermüdungssymptomen des Herzens, Athemnoth, ja auch plötzliche Todesfälle eintreten sehen. Welche Art von Bewegung und Arbeit für den Fettleibigen die zweckentsprechende ist, dies vermag nur in jedem einzelnen Falle beurtheilt zu werden.

Der Mahnung, mäßig zu essen und angemessen sich zu bewegen, schließt sich als dritte diätetische Vorschrift die der Enthaltsamkeit bezüglich der Dauer des Schlafens an. Im Schlafe ist der Stoffumsatz herabgesetzt, besonders die Kohlensäureproduktion vermindert und dadurch der Umsatz des Fettes ein geringerer. Eine längere Dauer des Schlafes vermag bei gleichbleibender Nahrung den Ansatz von Fett im Körper wesentlich zu fördern, während umgekehrt Verkürzung der Schlafenszeit den Fettumsatz steigert. Es ist darum gerechtfertigt, den Fettleibigen die Zeit des Schlafes auf täglich sieben Stunden zu beschränken und namentlich das Schlafen am Tage, besonders nach der Mahlzeit strenge zu verbieten. Um diese Neigung zum Schlafe, welche bei manchen Fettleibigen nach dem Essen ganz unüberwindlich scheint, zu bekämpfen, ist es zuweilen räthlich, daß nach jeder Mahlzeit sogleich eine tüchtige Fußtour vorgenommen werde. Das Schlafzimmer soll sehr geräumig und tagsüber sorgfältig gelüftet sein, damit der Fettleibige auch des Nachts eine möglichst sauerstoffreiche Luft einathme.

Hier sei es gleich betont, wie überaus wichtig überhaupt für Fettleibige der Genuß einer reinen, frischen, sauerstoffreichen Luft, besonders also der Aufenthalt in waldiger hochgelegener Gegend ist. Die sauerstoffreiche Luft regt die Lungen zu stärkerer Gymnastik an und befördert dadurch den Stoffumsatz. Die kühle dünne Höhenluft veranlaßt häufigere und ausgiebigere Athemzüge als die dicke, erschlaffende warme Luft der Ebene. Zum Gebrauche einer Luftkur empfehlen sich daher für Fettleibige mittelhoch gelegene Gegenden, welche gegen heftige Winde geschützt sind und gut gepflegte, mannigfache Spazierwege vom ebenen Boden zu den Bergen bieten.

Zu den diätetischen Entfettungsmitteln gehören auch die den Stoffwechsel anregenden Bäder, und zwar besonders die mächtig hautreizenden Bäderarten, mäßig warme (26° R.) Bäder mit Zusatz von Soda oder Kochsalz (2 Kilo auf das Bad), kalte Bäder und Douchen, sowie Dampfbäder und römisch-irische Bäder. Da es erwiesen ist, daß durch wärmeentziehende Maßnahmen eine vermehrte Wärmeproduktion im Körper auf Kosten stickstofffreier Körperbestandtheile, also vorwaltend des Fettes stattfindet, so lege ich ein großes Gewicht auf Durchführung kalter Abreibungen, am liebsten des Abends vor dem Schlafengehen. Am mächtigsten wirkt auf Steigerung der Fettverbrennung die intensive Schweißerregung durch Dampfbäder und heiße Luftbäder. Ich fand durchschnittlich nach solchen Bädern eine Abnahme des Körpergewichtes um 400 Gramm nach jedem Bade. Allein es ist sogleich hinzuzufügen, daß die Anwendung der Dampfbäder und heißen Luftbäder bei Fettleibigkeit die höchste Vorsicht erfordert und nur dort zu gestatten ist, wo die Herzthätigkeit normal von Statten geht und die Blutgefäße noch keine Verknöcherung nachweisen. Im Gegenfalle können schlimme Folgen, zuweilen auch plötzlicher Tod durch Hirnschlagfluß oder Herzlähmung eintreten. Ich muß es als sträflichen Leichtsinn bezeichnen, wenn Fettleibige ohne ärztliche Erlaubniß, wie dies nur allzu oft geschieht, Dampfbäder nehmen.

Die von mir empfohlene diätetische Entfettungsmethode gestaltet sich bei noch kräftigen Fettleibigen im allgemeinen (die Details richten sich, wie bereits erwähnt, nach der Individualität) etwa folgendermaßen.

Früh zeitlich, im Sommer um 5 Uhr, im Winter um 6 Uhr: Trinken von 1 Glas (¼ Liter) kaltem Wasser oder Selterswasser, dann 1 Stunde spazierengehen. Hernach Frühstück: eine Tasse Thee mit Milch ohne Zucker, 50 Gramm Zwieback und 25 Gramm kaltes mageres Fleisch, Schinken Roastbeef oder Kalbfleisch. Kein zweites Frühstück.

Vormittags 2 bis 3 Mal wöchentlich ein Bad von 25° R. mit Zusatz von 2 Kilo Soda, von 15 Minuten Dauer mit nachfolgender kalter Regendouche. Wenn Herz und Gefäße vollkommen gesund sind, 2 bis 3 Mal wöchentlich Dampfbad mit nachfolgender kalter Abreibung.

Mittagsmahlzeit: eine Tasse nicht fetter Fleischbrühe, ein magerer Rinder- oder Kalbsbraten oder Geflügel (200 Gramm) mit Gemüse: Spinat, Blumenkohl, etwas (25 Gramm) Weißbrot, im Sommer frisches Obst, etwas (1 bis 2 Weingläser) leichter Weißwein. Während der Mittagsmahlzeit kein Wasser trinken! Nach dem Essen nicht schlafen!

Nachmittags, um 4 oder 5 Uhr: eine Tasse Thee oder Kaffee mit etwas (20 Gramm) Zwieback.

Abends: Braten, kalt oder warm, 150 bis 200 Gramm, mit Weißgebäck (20 Gramm).

Tag über fleißige Bewegung, im Ganzen steigend bis zu 20 000 oder 25 000 Schritten täglich.

Vor dem Schlafengehen: ein Glas kaltes Wasser (oder Selterswasser) tanken; dann kalte Waschung und Abreibung des ganzen Körpers.

Bei der sachgemäßen Durchführung dieser diätetischen Maßregeln habe ich in außerordentlich zahlreichen Fällen eine allmähliche, aber stetige, langsame, aber dauernde Abnahme des überflüssigen Fettes gesehen, ohne daß der Kräftezustand der betreffenden Personen dabei wesentlich herabgesetzt wurde. Will man eine bedeutendere Abnahme des Körperfettes erzielen und handelt es sich um hochgradige Formen von Fettleibigkeit, so empfiehlt es sich, mit diesen diätetischen Maßnahmen eine mehrwöchentliche Brunnenkur vorzunehmen. Auf solche kombinirte Weise gelingt es oft, die gewünschte Entfettung in kurzer Zeit herbeizuführen und mancher durch die Fettleibigkeit vermochten Lebensbedrohung vorzubeugen.[1]

  1. Der Verfasser hat soeben (bei Enke in Stuttgart) ein vorzügliches Werk „Die Fettleibigkeit“ veröffentlicht, welches seine zahlreichen Erfahrungen über die Fettleibigkeit zusammenfaßt. D. Red.