Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Eine giftige Eidechse
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[71] Eine giftige Eidechse. Fast in allen Ländern und bei dem Volke Sagen über die Giftigkeit einzelner Eidechsenarten verbreitet, welche durch die zoologische und anatomische Untersuchung in keiner Weise bestätigt werden. Im Gegentheil sind die Eidechsen, wenn man die Krokodile ausnimmt, dem Menschen gegenüber die wehrlosesten und harmlosesten Geschöpfe, die sich denken lassen, wie sie denn auch bei Annäherung eines menschlichen fußes meist nichts Eiligeres zu thun haben, als zu entfliehen. Nur die Aehnlichkeit des gestreckten Leibes mit dem Schlangenleibe hat sie bei den Unkundigen in Verruf gebracht. Bei einem in Mexico und den Südstaaten Nordamerikas einheimischen Eidechsengeschlecht (Heloderma) liegt die Sache jedoch anders.

Der Biß der schon dem alten Hernandez bekannten mexikanischen Krusteneidechse (Heloderma horridum), welche die Azteken Tola Chini und die Creolen Escorpion nennen, wird von denselben nicht minder gefürchtet, als derjenige der Klapperschlange, und in diesem Falle darf man die Angaben der Leute nicht, wie es Brehm gethan hat, für bloßen Aberglauben erklären. Sowohl die Untersuchungen des deutschen Zoologen J. G. Fischer, wie diejenigen der französischen Naturforscher Dumeril und Bocourt haben gezeigt, daß diese über meterlang werdende hartschuppige Eidechse nicht nur in der Weise vieler Giftschlangen Furchenzähne besitzt, sondern auch stark entwickelte Speicheldrüsen, die sich an der Basis jener Zähne öffnen, mit dem offenbaren Zwecke, den giftigen Speichel durch die Zahnfurchen in die Wunde zu leiten.

Wir wissen ja aus vielfachen neueren Untersuchungen (vergl. „Gartenlaube“ 1882, S. 20), daß der Speichel der meisten Thiere in ähnlicher, wenn auch milderer Weise giftige Wirkungen in Wunden äußert, wie das Speichelgift der Schlangen. Durch neuere zuverlässige Beobachter ist denn auch festgestellt worden, daß der Biß der amerikanischen Krusteneidechse nicht nur Vögeln und kleineren Säugethieren tödtlich wird, sondern auch beim Menschen bedenkliche Zufälle hervorbringt, wenn auch nicht gerade der Tod darnach erfolgt. Sehr lehrreich ist in dieser Beziehung eine neue Beobachtung, welche in einem vor Kurzem erschienenen Hefte des „American Naturalist“ mitgetheilt wurde. Sie betrifft eine durch die unfruchtbaren Striche von Texas, Neu-Mexico und Arizona verbreitete Art dieses Geschlechtes mit glänzend schwarzer Zeichnung auf orange-gelbem Grunde, welche Professor Cope zu Philadelphia im Jahre 1869 zuerst beschrieben und nach den über sie umlaufenden Gerüchten die verdächtige Krusteneidechse (Heloderma suspectum) genannt hat. Dr. Schufeldt, der das Thier kürzlich in einem wissenschaftllchen Institute untersuchen wollte und dasselbe zu diesem Zwecke in die Hand genommen hatte, erhielt einen Biß in den rechten Daumen, der trotz sofortiger Aussaugung der Wunde und Anwendung anderer geeigneter Gegenmittel eine starke Anschwellung der Hand und heftige Schmerzen bis zur Schulter hinauf verursachte, sodaß der Gebissene die ganze darauf folgende Nacht kein Auge schließen konnte, obwohl er das verletzte Glied beständig in mit Opium versetztes Eiswasser hielt. Da er außerdem durch Aracgenuß in einen starken Schweiß versetzt wurde, so nahmen die Symptome am nächsten Tage ab und die Wunde heilte ohne weitere üble Folgen. Man muß aber hiernach annehmen, daß die Verwundung bei Vernachlässigung der erwähnten Vorsichtsmaßregeln wahrscheinlich schlimmere Folgen gehabt haben würde. Zum Schlusse mag noch erwähnt werden, daß der bekannte Wiener Kriechthierforscher Dr. Steindachner vor Kurzem eine neue verwandte Eidechsenart auf Borneo (Lanthanotis borneensis) beschrieben hat, welche ebenfalls Rinnenzähne besitzt, obwohl man über ihre Giftigkeit vortäufig keine Nachrichten hat.