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Titel: Ein wanderndes Haus
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 276
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[276] Ein wanderndes Haus. (Zu dem Bilde S. 269.) Bei unsern amerikanischen Vettern hat das Haus den Charakter der Unveränderlichkeit längst abgestreift. Selbst ganze Backsteinhäuser entgehen dort dem Schicksal nicht, auf die Wanderschaft geschickt zu werden, wenn sie an ihrem alten Standorte dem wachsenden Verkehr hinderlich sind. Eine solche Wanderschaft hat vor einiger Zeit in New-York ein Backsteinhaus antreten müssen, das von einer Pferdebahngesellschaft zur Erweiterung des Bahnbetriebes erworben und auf den Abbruch verkauft war. Der Käufer, der das Haus bis dahin als Miether bewohnt hatte, faßte den Entschluß, dasselbe ganz so, wie es stand, zu verschieben, und er hat diesen Plan auch glücklich durchgeführt. Bezeichnend für die amerikanischen Verhältnisse ist es, daß der neue Platz, auf dem das Haus jetzt stehst auch nur gepachtet ist.

Um die Beförderung des Hauses zu bewerkstelligen, mußte dasselbe zunächst durch eine Anzahl schwerer Balken unterfangen werden. Diese wurden durch eine mehrfache Kreuzlage kräftiger Balken verbunden, so daß eine Art Schlitten entstand, der von 30 Hebewinden hoch gehoben und dann auf Balken, die als Gleitschienen dienten, niedergelassen wurde. Die Gleitschienen waren mehrfach vorhanden, so daß sie nach Zurücklegung eines Stück Weges hinten weggenommen und vorn wieder angeschoben werden konnten. Um die Reibung zu verringern, wurden die Gleitschienen gut eingefettet, und dann ging’s auf die Wanderschaft: zunächst etliche 90 Meter bis zum nächsten Kreuzungspunkt der Straßen, dann um die Ecke noch weitere 180 Meter.

Das Gewicht des ganzen Hauses schätzte man auf 4000 Centner. Die Verschiebung wurde durch zwei Pferde bewirkt, welche mit Hilfe einiger Erdwinden und vier dreifacher Flaschenzüge das Gebäude in 31 Tagen bis zum neuen Aufstellungsort brachten. Hierzu mag noch bemerkt werden, daß die Arbeit sowohl durch ungünstige Witterung als auch durch polizeiliche Anordnungen vielfach unterbrochen wurde.

Die Kosten der Ueberführung sollen insgesamt 2000 Mark betragen haben. Beschäftigt waren bei der Arbeit fünf Personen von denen eine die Leitung hatte.

Das Allerschönste aber ist: während der ganzen Dauer der Verschiebung diente das Haus mehreren Familien unausgesetzt als Wohnstätte.