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Textdaten
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Autor: Temme
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Titel: Ein trauter Winkel im Alpenlande
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 416
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[416] Ein trauter Winkel im Alpenlande. Gar mancher der Leser unsers Blattes denkt jetzt wohl an einen hübschen gemüthlichen Ort, wo er seine Sommerfrische abhalten, seine Ferienwochen genießen könne, vermag aber in der Ueberfülle schöner Plätzchen, die ihm winken, nicht zur Entscheidung des Wohin? zu gelangen. Vielleicht ist ihm darum der Fingerzeig willkommen, welchen ihm der nachstehende Brief eines alten bewährten Mitarbeiters an den Herausgeber der Gartenlaube bietet.

„... Und wenn Sie nun nach den vielen Jahren einmal wiederkommen und ein so recht schönes und freundliches Stillleben von vierzehn Tagen oder drei Wochen oder auch länger in der Schweiz, und zwar nicht weit von dem lieben und herrlichen Zürich, verbringen wollen, dann, mein lieber Freund, wüßte ich einen gar wundervoll reizenden und heimlichen Platz für Sie. Sie kennen den freundlichen Marktflecken Lachen am Zürichersee; die Dampfschiffe halten dort dicht unter den weithin glänzenden Kuppeln der Doppelthürme seiner Kirche. Sie kennen aber noch nicht das Wäggithal, in das ein bequemer Weg von Lachen aus Sie führt. Das wilde, großartige Klönthal kennen Sie freilich wieder; aus dem Wäggithal kommt man hinein, und also auch kommt man aus dem Klönthal in das Wäggithal, und da war einmal ein richtiger Berliner, der bisher seine Reisen nur bei Gropius gemacht hatte, der war zuerst in dem Klönthal gewesen und die riesige und wilde Natur hatte ihn fast mit Schrecken erfüllt, und wie er nun in das Wäggithal trat, da rief er verwundert aus: „Ach, hier kommt man doch in ein natürliches Thal!“ Der Mann hatte Recht, und Sie haben da das Thal, das Stunden lang, bald eng, bald an einzelnen Stellen eine halbe Stunde breit, so still und heimlich zwischen den Bergen sich hinzieht, die bald sanft sich abdachen, bald steil in die Höhe steigen, die in dem vorderen Theile des Thales mit Obstbäumen bedeckt sind, auf denen in dem hinteren Thale die Buche und der Ahorn mit ihrem dunklen Laube sich erheben und zwischen den Felsen in seltener Menge und Pracht die Alpenrose blüht, während das schönste Grün unten die Wiesen bedeckt. Dahin sollen Sie, mein Freund; in der Stille, in dem Frieden, in der Frische dieses Thales sollen Sie sich ausruhen und wieder stärken zu den weiteren Mühseligkeiten des Lebens, denen auch der Herausgeber der Gartenlaube nicht entgehen kann. Es ist nur ein einfaches Hirtenthal, dieses Wäggithal: es hat aber seit einigen Jahren seinen Comfort, welchen auch ein Leipziger, selbst wenn er verwöhnt wäre, nicht verachten wird. Im Jahre 1862 hat ein Herr Hegener ein geräumiges, bequemes, reizend gelegenes Curhaus in dem Hinterthale aufbauen lassen. Denn damit diesem schönen Thale nichts fehlt, hat es auch ein Gesundheitsquellwaser, das nach chemischen Untersuchungen, namentlich des hiesigen Professors der Chemie, Johannes Wislicenus – des Sohnes unseres Freundes G. A. Wislicenus – ein Quellwasser von so ungewöhnlicher Reinheit, wie man es in natürlichem Zustande wohl nicht wieder finden mag; es soll daher auch die doppelte Wirksamkeit der berühmten Pfäfferser Quellen haben, und schon mancher Badegast hat in den drei letzten Jahren seine Gesundheit dort wieder erlangt. Der Wirth des Curhauses ist übrigens darum kein vornehmer und theurer Badehotelwirth geworden. Sie werden eine freundliche und billige Aufnahme in dem schönen Curhause im Wäggithale finden, und wenn Sie, bevor Sie selbst kommen, manchen Anderen, der von dem neuen Curhause noch nichts weiß, darauf aufmerksam machen wollen, so lassen Sie diese

Zeilen in der Gartenlaube abdrucken mit dem Namen ihres Schreibers und Ihres alten Freundes
Temme.“