Ein rechnender und Whist spielender Automat

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Titel: Ein rechnender und Whist spielender Automat
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aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 698
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[698] Ein rechnender und Whist spielender Automat. Der Kempelen’sche Schachspieler, welcher gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ganz Europa in Erstaunen setzte und eine förmliche Literatur, sogar ein Drama hervorgerufen hat, scheint einen nicht unwürdigen Nachfolger in einem Automaten erhalten zu haben, den die amerikanischen Ingenieure Clarke und Maskeline verfertigt und bereits in den Hauptstädten Amerikas und Englands vorgeführt haben. Da Herr von Kempelen seiner Zeit zugab, daß bei seinem die meisten Partien gewinnenden hölzernen Türken von einer schachkundigen Person ein äußerer Einfluß auf das innere Getriebe geübt werde, so hat man angenommen, daß er damit nur den gegründeteren Verdacht ablenken wollte, nach welchem ein kleiner Gehülfe in der Maschine verborgen gewesen wäre, sodaß die Hauptkunst darin bestanden hätte, daß dieser kleine Kerl, während die Thüren und Schübe nacheinander geöffnet wurden, lautlos aus dem einen in das andere Fach zu schlüpfen wußte. Ein ähnlicher grober Betrug ist bei der neuen, „der Denker (Psycho)“ genannten Maschine nicht annehmbar, denn der rechnende und Whist spielende Türke sitzt mit übergeschlagenen Beinen auf einem nur kleinen, wie er selbst mit Räderwerk erfüllten würfelförmigen Kasten und hat nicht, wie der Schachspieler, eine geräumige Kommode, sondern nur ein unverdecktes Tischchen neben sich, auf dessen Platte vor seiner rechten Hand die dreizehn Whistkarten in einem Viertelskreise aufgesteckt werden, während sich im Bereiche der linken ein Zahlenkasten befindet. Der Türke ergreift die auszuspielende Karte zwischen den Fingern, hält sie den Mitspielern hin, worauf sie ihm aus der Hand genommen wird, und zeigt in ähnlicher Weise auf die auf Täfelchen gravirten Ziffern, welche die Auflösungen der ihm aufgegebenen Multiplications- und Divisionsexempel bilden. Man hat bekanntlich Rechenmaschinen verfertigt, die noch ganz andere Aufgaben lösen, als diese, die aber trotzalledem nicht im Stande sind, wie dieser Türke mündlich gestellte Aufgaben zu lösen. Ebenso wenig kann selbstverständlich einer Maschine die Ueberlegung beigebracht werden, die beim Whistspiele erforderlich ist.

Offenbar handelt es sich also auch hierbei um eine äußere Direction des Getriebes, wahrscheinlich ähnlich derjenigen der gelehrten, rechnenden, buchstabirenden und Karten spielenden Hunde. Wie letztere, wenn sie langsam mit der Schnauze über die Ziffern, Buchstaben oder Karten hinstreichen, von ihrem Director bei der zu wählenden ein Zeichen zum Anhalten empfangen, so auch die Maschine bei der regelmäßigen zur rechten Zeit ausgelösten Bewegung der Hände über die Karten und Zahlzeichen. Auf welchen Schleichwegen dieser nun das Zeichen mitgetheilt wird, das ist eben das Geheimniß der Erfinder, und sie haben die Spuren so schlau verborgen, daß sie in alten Zeiten unfehlbar als Zauberer verbrannt worden wären. Denn erstens stellen sie die Maschine in jedes beliebige Zimmer auf einen Teppich, und der Kasten, auf dem die Figur sitzt, wird zweitens noch auf einen durchsichtigen Glasuntersatz gestellt, um zu zeigen, daß keinerlei mechanische Einwirkung vom Fußboden her stattfinden kann. Herr von Kempelen suchte den Glauben zu erwecken, daß er durch starke Magnete von außen auf das Getriebe seiner Maschine einwirke, und dies wäre am Ende nicht unausführbar, wenn sich der Director stets in der Nähe der Figur aufhalten könnte. Allein seine Nachfolger scheinen der Maschine mehr freie Hand zu lassen und nähern sich ihr absichtlich nur selten. Professor Heeren in Hannover hat daran erinnert, daß wir darum immer noch nicht an eine Denkmaschine oder an Zauberei zu glauben brauchen und daß man beispielsweise trotz des gläsernen Untersatzes recht wohl elektrische Ströme in den Apparat senden könnte, wenn dieser Untersatz etwa zwei Canäle mit wasserklarer und darum unsichtbarer, Electricität leitender Flüssigkeit verberge. Und dann wäre weiter nichts mehr erforderlich, als daß auch der Teppich zwei eingewirkte Metallschnüre enthalte, deren Enden beiderseits nahe beieinander hervortreten, so daß die Leitung einerseits durch die beiden Canäle des Glasuntersatzes und andererseits durch eine metallbedeckte Stiefelsohle bewirkt werden könnte. Eine unmerkliche Bewegung des Fußes seitens des aus der Ferne das Spiel überschauenden Directors würde genügen, den elektrischen Strom auf kürzere oder längere Zeit zu schließen und dadurch den Automaten jede beliebige Karte ausspielen und jede Zahl bezeichnen zu lassen. Natürlich soll damit nicht gesagt sein, daß dies durchaus der Schlüssel zu dem Geheimnisse sein müsse, sondern nur angedeutet werden, welche Mittel den Professoren der sogenannten höheren Physik durch deren Fortschritte zur Verfügung stehen.