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Ein paar Worte zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Rußland

Textdaten
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Autor: B.
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Titel: Ein paar Worte zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Rußland
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 448
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[448] Ein paar Worte zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Rußland. Als der Kaiser Alexander den hochherzigen Entschluß zur Aufhebung der Leibeigenschaft vor drei Jahren zur Ausführung brachte, da jubelte mit Ausnahme einer kleinen Partei des reich begüterten, seelenbesitzenden Adels ganz Rußland und die übrige Welt mit ihm. Auch erkannte jeder Einsichtsvolle die Nothwendigkeit einer für die Durchführung des Emancipations-Ukases anberaumten Frist an. Aber während die Einen eine Frist von zwei Jahren, wie sie der Ukas anordnet, für gar zu kurz hielten, waren andere erfahrene und im Dienste für ihr Vaterland ergraute Männer der Meinung, daß der hohe Zweck überhaupt nicht so bald, wenigstens nicht eher erreicht werden könne, als bis für die Bildung des Volkes mehr als bisher geschehen sei, und daß diese Befürchtung sehr wohl begründet ist, haben die Mißverständnisse und Unruhen, welche sich in einigen Gouvernements bei Verkündigung des Emancipations-Ukases unter den Leibeigenen zeigten, sehr bald hinlänglich bewiesen. In der That sieht es denn auch mit der Volksbildung im großen nordischen Reiche noch traurig genug aus. In den Ostseeprovinzen (Liv-, Esth- und Kurland) zwar ist mit echt deutschem Sinne für den ersten Unterricht durch gute Kreis-, Armen-, Waisenschulen und ähnliche Anstalten genügend gesorgt, und Jedermann läßt es sich angelegen sein, daß die lettische und esthnische Bevölkerung so gut wie die deutsche ihre Kinder zu einem möglichst regelmäßigen Schulbesuche anhält; aber im übrigen europäischen Rußland reichen weder in den Städten, noch auf dem Lande die Anstalten hin, um der ärmeren Volksclasse die zur Würdigung der ihr gebotenen Freiheit nöthige Bildung zu sichern. Wo ist in den größeren Städten eine ausreichende Anzahl solcher Schulen, in denen die Kinder der ärmeren Bevölkerung unentgeltlich Lesen, Schreiben und Rechnen lernen könnten? und wo ist man, namentlich auf dem Lande, bemüht, die Kinder der arbeitenden Classe an den Wohlthaten eines Elementarunterrichts theilnehmen zu lassen? Nirgendwo. Jeder mit russischen Verhältnissen Vertraute weiß freilich, wie schwer es besonders in großen Gutsdistrikten ist, bei der Ueberlastung mit ländlichen Arbeiten für eine tüchtige Elementarbildung der Kinder Sorge zu tragen, aber wir sind überzeugt, daß sich durch eifriges Zusammenwirken der Gutsherren und ihrer früheren Leibeigenen, wenn die Ersteren nur den Anstoß dazu geben, die Schwierigkeiten doch beseitigen lassen und der Segen, der solch einem Vorhaben nicht fehlen kann, sehr bald folgen wird. Die Zahl derjenigen, welche weder lesen noch schreiben können, ist in Rußland noch erstaunlich groß, doch erst dann, wenn sich diese Zahl durch Volksschulen allmählich gemindert haben wird, werden die vielen Millionen, denen der Emancipations-Ukas die Freiheit geschenkt hat, wirklich frei sein. Nur Bildung macht frei, das gilt für keinen Staat mehr, als gerade für Rußland.
B.