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Ein gutes Mittel zum Ausmachen von Rothwein-Flecken

Textdaten
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Titel: Ein gutes Mittel zum Ausmachen von Rothwein-Flecken
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 29, S. 396
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[396] Ein gutes Mittel zum Ausmachen von Rothwein-Flecken. Ein einfaches, haltbares, bequemes, billiges Mittel zum Ausmachen von Rothweinflecken darzustellen, ist ein schon vielfach gegen mich ausgesprochener Wunsch gewesen, den ich hier vollständig befriedigen zu können hoffe.

Es ist allbekannt, daß die schwefelige Säure, dieser erstickend riechende Dampf, welcher sich beim Verbrennen des Schwefels bildet, die Weinflecke bleicht und somit vertreibt. Man befeuchtet das zu reinigende Tuch mit Wasser, verbrennt unter den fleckigen Stellen einige Schwefelhölzer oder etwas Schwefelfaden, so daß die Dämpfe des verbrennenden Schwefels zu dem Tuche emporsteigen, wobei sie von demselben angezogen werden und die Flecken zerstören. Allein dieses Verfahren ist unbequem, des erstickenden Schwefelgeruches wegen unangenehm und außerdem kann man die Tücher leicht versengen. Die schwefelige Säure besitzt die Eigenschaft, in Wasser etwas auflöslich zu sein und auch in dieser Lösung bleichend auf manche Farbestoffe zu wirken. Man kann sich daher eine solche Lösung darstellen lassen und diese zu solchen Zwecken benutzen, wobei man nur die fleckigen Stellen damit zu befeuchten hat; doch stellt sich hierbei der Uebelstand ein, daß sich die schwefelige Säure in ihrer wässerigen Lösung leicht verändert und unwirksam wird. Man kann daher ihre Lösung nur kurze Zeit aufbewahren und muß sie immer wieder frisch darstellen lassen. Ganz frei von den oben erwähnten Mängeln ist nun das nachstehende Mittel:

Man nimmt zwei gleich große, verschließbare Gläschen, füllt das eine mit gepulvertem sogenanntem Antichlor (unterschwefligsaurem Natron) und bezeichnet es mit Nr. 1; das andere füllt man mit gepulverter Weinsäure oder Weinsteinsäure und bezeichnet dieses mit Nr. 2. Von beiden Substanzen geht dem Gewichte nach dieselbe Menge in die Gläser. Will man einen Fleck ausmachen, so befeuchtet man die fleckige Stelle erst mit Wasser, bestreut sie hierauf mit einer Messerspitze voll von dem Pulver aus dem Glase Nr. 1, läßt einige Minuten liegen, damit sich die Substanz in das Gewebe einziehen kann, befeuchtet von Neuem mit Wasser und streut nun ebenfalls eine Messerspitze voll von der Weinsäure aus dem Glase Nr. 2 auf dieselbe Stelle. War der Weinfleck frisch, so verschwindet er fast augenblicklich; war er schon alt, so läßt man die Stoffe mehrere Stunden, indem man von Zeit zu Zeit wieder befeuchtet, darauf liegen, und spült die Tücher zuletzt mit reinem Wasser aus. Bei Anwendung dieses Mittels wird durch die Weinsäure aus dem Antichlor eine ganz allmälige Entwickelung von schwefliger Säure und somit die Bleichung des Fleckes bedingt. Man hat hierbei durchaus nicht zu befürchten (selbst wenn man das Mittel 24 Stunden lang einwirken läßt, bevor man es wieder ausspült), daß das Gewebe der Tücher dadurch etwa zerfressen oder auch nur etwas morscher werde, da sowohl das Antichlor wie die Weinsäure ganz ohne ätzende Wirkungen sind. Mit einer kleinen Menge dieses Mittels kann man sehr viele Flecke wegbringen und sobald jede der beiden Substanzen in ein besonderes Glas gebracht worden ist, können sie viele Jahre lang unverändert aufbewahrt werden. Dasselbe Mittel nimmt übrigens außer den Weinflecken auch die Kirsch-, Heidelbeer-, Preißelbeer-, Himbeer- etc. Flecke vollständig und leicht weg. Selbst die zuweilen in alter Wäsche entstehenden Stockflecke, sowie auch die Rostflecke können mit Hülfe desselben leicht entfernt werden.