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Titel: Ein berühmter Fußgänger
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aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 580
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Anlässlich des Umzugs Schweinfurths nach Berlin berichtet der Autor über die Messmethode, mit der Schweinfurth seine zurückgelegten Strecken bestimmte.
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[580] Ein berühmter Fußgänger hat vor kurzem in der deutschen Reichshauptstadt seinen Wohnsitz genommen. Es ist der Afrikaforscher Schweinfurth, der bisher ständig sich in Kairo aufhielt. Tüchtige Fußgänger sind alle Afrikaforscher überhaupt; denn dort muß man zu Fuß vordringen, und die wenigsten der Reisenden haben weitere Strecken auf Ochsen duchritten oder Stromfahrten unternommen. Schweinfurth war jedoch der erste, der in seine Fußtouren eine systematische Ordnung brachte. Er zählte die zurückgelegten Schritte. Die Noth brachte ihn auf diesen Gedanken, derart die Wege zu messen. Ein Brandunglück beraubte ihn fast sämmtlicher Vorräthe und dabei gingen auch seine Taschenuhren verloren. Da zählte er seine Schritte, studirte sie und fand, daß die gewohnheitsmäßige Schrittlänge des Wanderers immer so ziemlich dieselbe bleibt. Die Schweinfurthsche variirte je nach Beschaffenheit des Pfades zwischen 0,6 bis 0,7 Meter. Die Zählmethode war folgende: Es wurde immer nur bis 100 gezählt und die einzelnen Hunderte an den Fingern abgelesen. Wenn 500 voll war, so wurde auf dem Notizblatt ein Strich gemacht, das zweite 500 gab alsdann einen Strich in die Quere, so daß ein Kreuz entstand, welches 1000 bedeutete. In den sechs Monaten, welche die Rückreise dauerte, zählte Schweinfurth auf diese Weise 1¼ Million Schritte. Ein Kapitel seines Musterwerkes „Im Herzen von Afrika“ schließt mit den bezeichnenden Worten. „Am 19. Februar begrüßte ich nach neunundvierzigtägiger Abwesenheit und nach einer Wanderung von 876 000 Schritten meinen alten Freund Chalil.“

Dieses Schrittzählen, das zur Skizzirung der Landkarten dem Gelehrten beinahe als einziges Mittel übrig geblieben war, zeugt gewiß von einer seltenen Ausdauer; denn auf dem Marsche mußte nicht allein gezählt, sondern auch beobachtet werden.