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Textdaten
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Autor:
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Titel: Ein amerikanischer Stutzer
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aus: Die Gartenlaube, Heft 39, S. 522
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[522] Ein amerikanischer Stutzer. „In der ganzen Welt," bemerkt ein new-yorker Blatt („Daily Times“), „ist es die Aufgabe des Dandy, sich, so weit es durch ihn selbst und seinen Schneider möglich ist, von der Natur zu entfernen; von der ganzen Race der Dandy’s aber ist der seltsamste, spaßhafteste und unbeschreiblichste der, welcher halb drei Uhr auf dem Pflaster des Broadway (Newyork) sichtbar wird. Die jungen Sprößlinge unserer reichen Familien sehen, nach einem gewissen verweichlichten Typus gemessen, gut aus. Sie haben glatte hübsche Gesichter, aber ohne die Spur jener kräftigen Entwickelung, welche dem Manne gebührt. Sie sind dünn und knieschüssig, und man möchte sage, sie seien blasirt zur Welt gekommen. Wie kann dies auch anders sein? Sie kommen von der Amme zum Tanzmeister; kaum haben sie die Kinderklapper weggeworfen, so greifen sie zum Billardstock, und alle Stunden, die der europäische Knabe in Feldern und Heckenwegen vertummelt oder in denen er gesund schläft, weil er sich früh zu Bett legte, verbringt der Newyorker in heißen Zimmern voll verpesteter Luft, oder in öffentlichen Ballsälen, wo gefälschter Brandy seinen Geist schwächt und sein Wachsthum beeinträchtigt. Deshalb gedeith die newyorker Jugend nur selten zu wohlgewachsener muskulöser Männlichkeit. Nun sollte man meinen, daß bei solchen Formfehlern, wie Spindelbeinen, schmaler Brust und spitzen Schultern, das Beste wäre, sich in bequeme lose Kleider zu hüllen, welche diese Mängel etwas verbergen. Wir wollen sehen, ob dem so ist. So ein Mann-Knabe mit zartem Gesichtchen und einer Wange, auf der auch nicht der Verdacht eines Bartes haftet, nimmt sich sehr unbedeutend und mädchenhaft aus. Daher erachtet er es für nöthig, einen großmächtigen Hut zu tragen, der halb keck, halb unverschämt auf die eine Seite gesetzt wird, und unter dessen breitem Rande hervor er altklug aussehen möchte. Der Mann-Knabe hat sehr spitze Schultern, deshalb zieht er den Rockkragen hinten hinauf wie einen Zuckerhut, so daß vom Nacken und Kopf nichts zu gewahren ist, und er von hinten wie ein behangener Kleiderstock erscheint, über welchem ein Hut auf dem Kragen eines schlaffen weiten Rockes aufgesteckt ist, aus dem ein Paar beinlose Beinkleider hervorbaumeln. Ein solcher Mann-Knabe hat äußerst lange und dünne Beine, an den Knien eingebogen, das Zeichen der Schwäche, er trägt darum sehr enge kurze Hosen, die am Knie, dem schwächsten Punkte, noch besonders knapp anliegen. Aber die an sich unnatürlich langen Beine werden nicht blos durch die kurzen Hosen noch verlängert, nein, er trägt überdies auch sehr hohe Absätze an den Stiefeln. So, die Hände in den Aermeln verborgen, aus denen, anscheinend frei schwebend, ein niedliches Rohrstöckchen hervorblickt, trippelt er in einer unbeschreiblichen Gangart die Trottoirs entlang, vergleichbar einem Affen, der auf einer heißen Platte promenirt. Das ist das Bild der ganzen Klasse. Denn von allen Absonderlichkeiten der new-yorker Dandy’s ist gewiß keine auffälliger als die wunderbare Einheit des unter ihnen vorherrschenden Geschmacks. Es ist einer wie der andere, sie gleichen sich gerade wie Papiermännchen, die Kinder durch einen einzigen Scheerenschnitt aus künstlich gefaltetem Papier fabriziren. Die Menge dieser fremdartig aufgeputzten Jungen mit verlebten Zügen ruft peinliche Gedanken hervor, wenn das Lächeln über ihre innere Albernheit vorüber ist.“