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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Ein Volksnahrungsmittel
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aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 51–52
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen
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[51] Ein Volksnahrungsmittel. Wenn im Frühjahre auf Wiesen und Rasenplätzen sich das erste Grün zeigt, dann erscheint auch jene allbekannte, lebhaft gelb gefärbte Blume, die wir unter den Namen Löwenzahn, Butterblume, Hundsblume, Pfaffenröhrlein, im sächsischen Mittelgebirge auch Maiblume genannt, kennen, während die botanische Bezeichnung Leontodon taraxacum lautet. Die Pflanze galt früher als ein ausgezeichnetes Heilmittel gegen Leberentzündung und Gelbsucht; auch jetzt ist sie noch officinell und wird mit Erfolg gegen Stopfungen im Unterleib als mild lösendes Mittel angewendet. Ihr Hauptwerth aber liegt darin, daß sie ein sehr wohlschmeckendes und gesundes Nahrungsmittel bildet, das als solches in Deutschland noch viel zu wenig gekannt ist, während die Pflanze in Frankreich und in Italien längst als eine höchst werthvolle Gabe der Natur geschätzt wird. Der dem Stiele entquellende Milchsaft hat einen bittersüßen Geschmack, wirkt blutreinigend und für den Magen mild anregend. Die jungen Sprossen geben einen vortrefflichen Salat, während ältere Pflanzen, nach Art des Spinats zubereitet, ein ausgezeichnetes, gesundes Gemüse liefern. Selbst die Wurzel ist ähnlich wie die beliebte Schwarzwurz (Scorzonera L.), wie jene ebenfalls zur Familie der Kompositen gehörig, genießbar; nur muß man [52] Wurzelgemüse wie Spinat so lange kochen lassen, bis die Bestandtheile völlig weich sind. Ein Zusatz von etwas Zucker mildert das Bittere, das bei älteren Pflanzen bisweilen etwas zu stark hervortritt. In Frankreich bildet der Löwenzahn bei Arm und Reich in jeder Form ein außerordentlich beliebtes Gericht, und es ist in der That unbegreiflich, weßhalb dies nicht auch in Deutschland der Fall ist. Bei dem überaus häufigen Vorkommen der Pflanze und ihrer bedeutenden Vermehrungsfähigkeit kostet dieselbe nichts weiter, als die Mühe des Einsammelns, was mit Leichtigkeit von Kindern besorgt werden kann; das Nahrungsmittel ist also billiger als jedes andere, selbst als die Kartoffel, besitzt aber zweifellos einen weit höheren Nährwerth als diese. Daß die gelbe Blume vom zeitigen Frühjahre bis in den Spätherbst hinein gefunden wird, ist bekannt.