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Titel: Ein Künstlerjubiläum
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aus: Die Gartenlaube, Heft 45, S. 772
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Über den Aquarellmaler Karl Werner
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[772] Ein Künstlerjubiläum. Am 4. Oktober feierte in Leipzig ein Künstler seinen achtzigsten Geburtstag, der auf seinem Gebiete bahnbrechend gewirkt hat, der ehrwürdige Senior der Aquarellmalerei, Karl Werner. In der Musenstadt Weimar am 4. Oktober 1808 geboren, studirte er auf der Akademie und Universität in Leipzig, dann in München, wo er hauptsächlich Landschaften mit Architektur malte. Zwanzig Jahre lang hielt er sich dann in Italien auf, wo seine Kunst sich in gleicher Richtung schöpferisch zeigte. Die Architektur und Geschichte der italienischen Städte wirkten in hohem Maße anregend auf dieselbe, namentlich Venedig, die Marmorstadt der Lagunen, bot ihm reiche Ausbeute; wir erwähnen hier nur seine großen Bilder „Venedig in seinem Glanze und seinem Verfall“, „Der Dogenpalast mit einer Scene aus Shakespeares ‚Kaufmann von Venedig‘“, "Der Triumphzug des Dogen Contarini“, und auch den benachbarten Lagunenstädten gewann er Vorlagen für seine Bilder ab, wie sein in Nr. 41 unseres Blattes aufgenommenes Bild „Der Markuslöwe von Torcello“ beweist. Von einer Reise nach Spanien 1857 brachte er sein schönes Bild „Der Löwenhof der Alhambra“ mit. Die Hauptstoffquelle für seine Aquarellmalerei bot ihm indeß der Orient, boten ihm die Reisen von 1862 und 1864 nach Aegypten, Syrien und Palästina. Wie viele Stätten des heiligen Landes hat er uns lebensvoll und stimmungsvoll vorgeführt! Eine Londoner Ausgabe dieses Albums umfaßt 30 Blatt mit Text. Obschon Werner seinen festen Wohnsitz in Leipzig genommen, so war er doch nach wie vor häufig auf längeren Reisen abwesend, 1875 in Griechenland, 1877 bis 1878 im Sudan, 1881 in Skandinavien. Seit 1882 bekleidet er ein Lehramt an der Leipziger Akademie.

Werner ist ein Meister der Aquarellmalerei und hat zuerst gezeigt, daß dieselbe an Kraft und Glanz der Farbe mit der Oelmalerei wetteifern kann. Auch in den äußern Maßen, in der Größe dieser Aquarellbilder hat er einen solchen Wettkampf nicht gescheut. „Wasser thut’s freilich nicht“ – sagte der eine Festredner bei der Jubiläumsfeier mit Bezug auf Luthers Ausspruch – „es muß auch Geist bei dem Wasser sein.“ Und diesen Geist hat Werner in allen seinen Schöpfungen bewährt. Der ausnehmend produktive, bei hohen Jahren noch unermüdlich schaffende Künstler hat die deutsche Aquarellmalerei der französischen und englischen ebenbürtig hingestellt und übertrifft beide noch mit Bezug auf die Präcision der Zeichnung.

Wünschen wir, daß der würdige Nestor der Kunst noch lange seine geistige Jugendfrische bewahren möge!
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