Ein Jubiläum der „Natur“

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Titel: Ein Jubiläum der „Natur“
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aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 848
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[844]
Die Gartenlaube (1876) b 844.jpg

Beladung und Aufbruch einer afrikanischen Thier-Expedition. Originalzeichnung von H. Leutemann.
Illustrationsprobe aus dem nächsten Jahrgange der Zeitschrift „Die Natur“.

[848] Ein Jubiläum der „Natur“. (Mit Abbildung S. 844 und 845.) Die Gründung einer freisinnigen, der Bildung und dem Fortschritte auf neuen Bahnen dienenden Zeitschrift ist immer ein gewagtes Unternehmen, doppelt gewagt aber, wenn dieselbe in einer politisch-trübseligen Zeit geschehen muß. Um so freudiger wendet sich unsere Theilnahme einem Blatte zu, das alle Bitterkeiten und Hemmnisse einer Reactionsperiode glücklich überstanden und redlich mitgeholfen hat, durch Verbreitung bildenden Wissens und klarer Anschauungen im Volke eine bessere Zeit herbeizuführen. Ein solches Blatt ist „Die Natur“, eine populär-naturwissenschaftliche Zeitung, die sich in kurzer Zeit und sowohl in wie außer Deutschland zu einem vielgerühmten Muster ihrer Art aufgeschwungen hat. Unsere jüngere Generation hat kaum eine Ahnung davon, welcherlei Gegner vor vierundzwanzig Jahren, kurz nach der Niederwerfung der großen Bewegung von Achtundvierzig, sich dem Unterfangen jeder Popularisirung der Wissenschaft entgegenstemmten. In erster Reihe waren es die Fachgelehrten selbst, die in dem Bestreben, die Resultate der wissenschaftlichen Forschungen endlich dem Volke zu Gute kommen, seiner Bildung förderlich werden zu lassen, in ihrem Pferchhochmuthe eine Entweihung ihres Heiligthums bekämpften und abwehrten. Am erbittertsten wurde aber dieser Kampf von der schwarzen Flanke der Theologie her geführt, als gerade die Lehren und Aufklärungen der Naturwissenschaften gewählt wurden, um den Blick des Volks für den ungeheuren Unterschied zwischen den Gesetzes-Machwerken der Willkür und den unwandelbaren Gesetzen der Natur zu schärfen. Wie die gleichalterige „Gartenlaube“ erwarb auch „Die Natur“ sich sehr bald den Titel eines „Teufelsblattes“ im Pfaffenmunde, eine Anerkennung, welche das Volk durch immer wärmere Theilnahme für das Blatt zu ehren wußte.

Allerdings ging der Ruf der Gründer gleich mit auf ihre Zeitung über. Karl Müller, der mit dem Verleger (und bekannten geistreichen Dichter) Dr. G. Schwetschke in Halle den Anstoß zur Gründung einer populär-naturwissenschaftlichen Zeitschrift gab, fand in den damals ohne Zweifel bedeutendsten Kräften auf diesem Gebiete, Otto Ule und E. A. Roßmäßler, Mitbegründer, deren wissenschaftliche Tüchtigkeit auch von den Gegnern alles Populararisirens der hoch über allem Volke und doch auf dessen Kosten thronenden Gelahrtheit anerkannt werden mußte. Braucht man nicht zu verschweigen, daß die politische Vergangenheit der beiden Zuletztgenannten nicht wenig zur Belebung der Theilnahme für das neue Blatt beigetragen, so wurde diese doch erhalten und noch vermehrt durch die auf diesem wissenschaftlichen Gebiet neue, auch künstlerisch vollendete Form der Darstellung, die durch Klarheit und Anmuth Geist und Gemüth zugleich befriedigte, und durch die Mannigfaltigkeit der auch der Illustration nicht entbehrenden Artikel. Es ist also ein mit Ehren errungenes Glück, welches der „Natur“ seit ihrem Erscheinen treu blieb. Roßmäßler schied wohl nach einem Jahre aus der Redaction, aber Ule widmete ihr durch fast vierundzwanzig Jahre hindurch sein reiches Wissen und seine erstaunliche Thätigkeit, bis der Tod ihn, ein Opfer seines menschenfreundlichsten Berufes, in diesem Jahre uns entriß.

Karl Müller führt die Redaction fort, und unter seiner Leitung beginnt nun „Die Natur“ (zugleich mit der „Gartenlaube“) ihren fünfundzwanzigsten Jahrgang und geht somit ihrem Vierteljahrhundert-Jubiläum entgegen. Blicken wir auf ihre vierundzwanzig vor uns liegenden Jahrgänge zurück, so müssen wir anerkennen, daß sie ihre Aufgabe: „allen Freunden der Naturkunde die fast täglich neuen Erscheinungen oder Veränderungen, Entdeckungen und Beobachtungen auf allen Gebieten des naturwissenschaftlichen Forschens (sei es Zoologie, Botanik, Mineralogie, Astronomie, Physik, Chemie, Ethnographie, Geographie etc.) in klar, faßlich, mannigfaltig und anregend geschriebenen Aufsätzen, Mittheilungen und Literaturberichten darzubieten“, in vollstem Maße erfüllt hat und daß wir hoffen dürfen, daß die Redaction auch für die Zukunft dieser ihrer Aufgabe treu bleiben wird.

Die erste Nummer des fünfundzwanzigsten Jahrganges bringt ihren Lesern eine von R. Hartmann mit einem trefflichen Text begleitete Illustration von unserm Leutemann; es gereicht uns zur Freude, dieselbe in unserem Blatte mittheilen und damit den neuen Jahrgang der „Natur“ empfehlen zu können.

Die Leutemann’sche Illustration stellt als Karavanenbild eine Scene aus dem alltäglichen afrikanischen Reiseleben der Hagenbeck’schen Expeditionen zum Ankauf fremdländischer Thiere dar, die unseren Lesern aus den Jahrgängen 1869 der „Gartenlaube“ (Artikel „Casanova und Hagenbeck“) und 1874 (Artikel „Ausladung fremdländischer Thiere“) bereits bekannt sind. Im Hintergrunde unseres Bildes ragen einige Hauptvertreter der afrikanischen Flora, die Schirmakazie, Tamarisken und der gigantische Affenbrodbaum mit seinen in der trockenen Jahreszeit kahlen Aesten, und im Vordergrunde sitzt der Agent des Thierhandelsherrn (Hagenbeck) in leichtem Reisekleide auf dem hageren, eckigen Reitkameele (oder Hedjîn). In nicht geringem Grade ziehen die wohlgebildeten Menschen aus jener Heimath der wilden Thiere unsere Aufmerksamkeit auf sich: die sogenannten Homrân, ein mächtiger Stamm im ägyptischen Sudan, der westlich von Basen und nördlich vom Setit wohnt und aus dessen Mitte jene kühnen und gewandten „Schwertjäger“ hervorgehen, welche das von ihnen verfolgte Wild dadurch überwältigen, daß sie ihm mit einem Hiebe ihres scharfen Schwertes die Hinterbeinsehnen zerhauen. Auf unserem Bilde mühen diese „Homrân“ im Dienste Hagenbeck’s sich ab, die oft sehr störrischen wilden Geschöpfe an ihren Zäumen und Stricken von der Stelle zu zerren, während der schwarze mit der buntseidenen Kufîeh geschmückte Kammerdiener, auf kleinem Eselein reitend, die Befehle seines weißen Herrn entgegennimmt. So gewährt das Leutemann’sche gestaltenreiche Bild uns den Anblick einer solchen Expeditions-Karavane kurz vor ihrem Aufbruch, der sie endlich zu uns führen soll zur Erweiterung unserer Kenntniß über die fremde Thierwelt, und so ist dieses Bild zugleich eine sinnige Einführung in den neuen Jahrgang der „Natur“.