Ein Bild der Frau Rath Goethe

Textdaten
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Titel: Ein Bild der Frau Rath Goethe
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[515] Ein Bild der Frau Rath Goethe. Goethes Mutter ist eine der liebenswürdigsten und volksthümlichsten Frauengestalten, deren in der Geschichte unserer klassischen Litteratur Erwähnung geschieht. Es ist nur ein einziges Bild von ihr vorhanden, dessen Nachahmung sich in Goethes Geburtshause befindet. Das Urbild gehört einer Ururenkelin der Frau Rath, einer Frau Bertha Hauser, geb. Nikolovius in Köln, und sie hatte es vor einiger Zeit für eine Versammlung der Goethegesellschaft in Weimar hergeliehen. Im Junosaal des Goethemuseums war das Pastellbrustbild der Frau Rath auf einer Staffelei ausgestellt. Das Bild ist mit großer künstlerischer Freiheit ausgeführt; es zeigt uns die Mutter des unsterblichen deutschen Dichters in einer großen weißen Haube; auf die halbentblößten Schultern fällt ein schwarzes Spitzentuch; aus den großen hellbraunen Augen spricht in lebendiger Weise jene Schelmerei, die alle Freunde der Frau Rath stets so unwiderstehlich anzogen. In der That, so denkt man sich die Frau, deren „Frohnatur“ und „Lust am Fabuliren“ ein so glückliches Erbtheil des Sohnes geworden ist. Das Andenken an sie hat auch dem unnahbaren Jupiter Weimars, als welcher Goethe in seinen späteren Lebensjahren erschien, Zuneigung in den weiten bürgerlichen Kreisen des deutschen Volkes gesichert.