Doppelempfindung

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Doppelempfindung
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 356
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite



[356] Doppelempfindung. Nicht von der romanhaften Doppelempfindung, wo man den Verlust des Liebsten „doppelt schwer“ – oder „doppelt leicht“, je nach Umständen, empfindet, soll hier die Rede sein, sondern von durchaus wirklichen und rein sinnlichen Empfindungen, von jenen Fällen, wo ein Reiz zwei Empfindungen hervorruft.

Wir wissen schon seit geraumer Zeit, daß es solche Fälle giebt. Nußbaumer hat zum ersten Mal ausführlicher darüber berichtet. Er selbst war nicht musikalisch veranlagt und konnte, wenn a oder g angeschlagen wurde, den Ton nicht wiederfinden; aber der Ton erregte in ihn nicht allein Tonempfindung, sondern auch Farbenempfindung und vermöge der Farbe, die er dabei wahrnahm, konnte er den Ton wiedererkennen. Sein Bruder hatte ein feines Gehör, aber Toneindrücke riefen auch bei ihm Farbenempfindungen hervor; das Fahren eines Wagens war von Eindrücken grüner Farbe begleitet, beim Anschlagen eines musikalischen Accordes pflegte er ein lebendig wechselndes Farbengemisch und bei längeren Musikstücken eine Menge farbiger Blitze innerlich aufleuchten zu sehen. Doppelempfindsam in dieser Art war auch der Komponist Franz von Holstein. Seine Farbempfindung bezog sich auf Vokale: a - rief bei ihm die Empfindung einer weißen Farbe hervor; o war ihm grün, i gelb, o purpurroth, u braun. In allen diesen Fällen hat ein Sinnesreiz – der Ton – nicht nur Gehörsempfindung, sondern auch Farbenempfindung zugleich hervorgerufen, und diese Form der Doppelempfindung ist die am meisten verbreitete.

Es giebt auch andere Formen, wo Farben bei Geruchs- und Geschmacks-, bei Tast-, Schmerz- oder Temperatureindrücken empfunden werden. Diese kommen jedoch selten vor, noch seltener aber findet das Umgekehrte statt, daß z. B. Töne bei Reizen auf den Sehnerv wahrgenommen werden.

Der berühmte Psychologe Fechner beschäftigte sich besonders mit diesen seltsamen Erscheinungen, deren Wesen endgültig noch nicht erklärt ist, und hatte Fragebogen ausgesandt. Dr. Steinbrügge war nun in der Lage, das eingegangene Material zu prüfen und hat dasselbe vor kurzem veröffentlicht. Danach wurden die früheren Beobachtungen bestätigt und außerdem konnte festgestellt werden, daß die Doppelempfindung keineswegs selten ist, denn von Farbenassociationen allein konnten durch Steinbrügge 442 Fälle nachgewiesen werden.

*