Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Die verkannten Geologen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 604
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[604] Die verkannten Geologen. Der Geolog ist, wenn er draußen in der Natur seinem Berufe nachgeht, nach seinem Tagwerke in der Regel viel zu müde, als daß er sich weiter um die äußere oder innere Erscheinung des Gasthauses kümmern sollte, in welchem er von seinen Anstrengungen ausruht und überdies geräth auch bei dem Herumklettern über Berg und Thal sein äußerer Mensch in einen so unsaubern Zustand, daß ein großes Hotel Bedenken tragen würde, ihn aufzunehmen. Humboldt’s Freund, der geniale und mit Glücksgütern reich gesegnete Leopold von Buch, kehrte einmal auf einem seiner Ausflüge in den schlesischen Gebirgen, nachdem er sich den ganzen Morgen rechtschaffen abgemühet, in einer Dorfschenke ein und verlangte hier Brot, Käse und Bier. Als er fragte, was er zu bezahlen habe, verlangte die Wirthin so wenig, daß er nicht umhin konnte, ihr seine Verwunderung darüber zu erkennen zu geben. „Ja freilich,“ sagte sie, „ein Anderer müßte noch einmal so viel bezahlen, aber Euch sieht man’s an, daß Ihr nichts übrig habt und die Armuth muß man nicht drücken.“

Ein andermal, als er nicht weit von einem Spazierwege an einem Felsen herumhämmerte, blieb eine vorübergehende Dame, welche ihn für einen gewöhnlichen Steinbrecher hielt, bei ihm stehen, ließ sich mit ihm in ein Gespräch ein und wollte ihn, „weil er so hübsch auf Alles zu antworten wüßte,“ beim Fortgehen einen Silbergroschen schenken. Sie erstaunte natürlich nicht wenig, als sie ihn den nächstfolgenden Tag auf dem nahegelegenen Schlosse des Grafen von H. bei der Mittagstafel traf.

Professor Sedgwick, ein ebenfalls sehr wohl bekannter Geolog, ward einmal, während er seinem Berufe nachging, für einen entsprungenen Wahnsinnigen gehalten und mit Gewalt bis in die nächste Stadt geschleppt. Ein andermal benutzte er, nachdem er sich mit der Ausbeute einen besonders glücklichen Tages die Taschen gefüllt, zur Heimfahrt einen bereits mit vielen Passagieren besetzten Personenwagen und schlief ermüdet von vielen Strapatzen unterwegs ein. Als er am Ziele der Reise angelangt, aufwachte, fand er zu seinem Entsetzen seine Taschen vollständig ausgeleert. Eine alte Frau nämlich, die neben ihm gesessen und bemerkt, daß er alle Taschen voll Steine gepackt, hatte ihn abermals für einen Wahnsinnigen gehalten, der sich auf diese Weise beschwert, um sich desto sicherer zu ersäufen. Und deshalb hatte sie aus reiner Menschenliebe dem schlafenden Naturforscher einen Stein nach dem andern aus den Taschen stipitzt und hinaus auf die Straße geworfen!