Die deutsche Tagespresse im französischen Krieg

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Titel: Die deutsche Tagespresse im französischen Krieg
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aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 235
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1872
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[235] Die deutsche Tagespresse im französischen Krieg. Niemand kann unserer Presse den Vorwurf machen, daß sie während unseres großen Krieges nicht ihre Schuldigkeit gethan habe. Von ihrer Rührigkeit in der Benutzung aller zugänglichen Quellen, und ihrer Sorge, durch eigene Berichterstatter die gerechten Ansprüche ihrer Leser möglichst rasch befriedigen zu lassen, zeugten damals alle Zeitungen von Bedeutung selbst und zeugen jetzt die zahlreichen Berichtsammlungen in selbstständiger Buchform. Auffällig war es allerdings gleich vom Beginn des Krieges an, daß die englischen Correspondenzen rascher und mit augenscheinlich reicherem Material in die Oeffentlichkeit gelangten, als die meisten deutschen, und man war von manchen Seiten geneigt, die Schuld dieser das erregte Nationalgefühl verletzenden Erscheinung irgend welchem Mangel an Beweglichkeit, Sachkenntniß und dergleichen der Deutschen zuzuschreiben. Jetzt, wo der ganze Krieg hinter uns liegt, braucht auch die wahre Ursache nicht mehr verschwiegen zu werden: es ist dies die Bevorzugung der englischen Berichterstatter vor den deutschen, und zwar mit sehr wenigen Ausnahmen letzterer. Während die meisten deutschen Journalisten sich hinsichtlich ihrer Ausgaben nach ihrem deutschen Deckchen strecken mußten, trat der englische mit Hülfe seiner Mittel als großer Herr auf und wurde als solcher behandelt. Ihm öffneten sich die Hauptquartiere und selbst die herrschaftlichen Tafeln, er konnte seine Berichte aus den ersten Quellen schöpfen und überall hoch zu Roß selbst dabei sein, während dem deutschen die schwere Aufgabe zufiel, die Gelegenheit zum Beobachten sich erst mühsam zu erringen, wenn nicht das Glück ihn in diesem oder jenem höheren Officier einen Protector finden ließ. Diejenigen, welchen dies gelang, stehen im Werthe ihrer Berichte ebenbürtig neben ihren englischen Collegen und hinsichtlich ihrer historischen Treue wohl auch über ihnen.

Zu diesen Bevorzugten gehört A. Zehlicke, der Kriegsberichterstatter der Schlesischen Zeitung, der seine Berichte jetzt ebenfalls zusammengestellt hat zu einem Werke: „Von Weißenburg bis Paris. Kriegs- und Siegeszug der deutschen Heere in Frankreich 1870–1871“. Wenn ihm auch von der höchsten Armeeleitung keinerlei Berücksichtigung zu Theil wurde, so kamen ihm doch nicht wenige höhere Officiere mit Freundlichkeit entgegen, und namentlich hatte er sich bei den Baiern der anerkennenswerthesten Förderung in seinem schweren Berufe zu erfreuen. Und es bewährte sich abermals, daß die Presse ihre Wohlthäter am würdigsten zu belohnen weiß. Die Kämpfe der Baiern haben in dem vorliegenden Werke eine an Vollständigkeit, Klarheit und Wärme so musterhafte Darstellung gefunden, wie sie ihnen von keiner andern Seite mit größerer Gewissenhaftigkeit zu Theil geworden ist. Uebrigens hat der Verfasser seine Berichte durch die vorliegende Verarbeitung zu einem Buch nicht nur zu einer Quelle für die Geschichte, sondern selbst zu einem gediegenen Stück Geschichte dieses Krieges gemacht.