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Die Verkleinerung der Großstädte durch das Telephon

Textdaten
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Autor: C. St.
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Titel: Die Verkleinerung der Großstädte durch das Telephon
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 608
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1880
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[608] Die Verkleinerung der Großstädte durch das Telephon. Als der Schreiber dieser Zeilen im Jahrgange 1877 der „Gartenlaube“ (S. 796) die Ansicht aussprach, daß man bald vermiethbare Telephonverbindungen für den Privatgebrauch des Telephons haben würde, wurde er von anderen Zeitschriften ob dieses Sanguinismus abgekanzelt, aber schon bald darauf begannen sich die amerikanischen Großhandelsplätze mit Centralstationen zu versehen, die gegen eine bestimmte Miethe jedes Geschäftshaus in den Stand setzten, in jedem Augenblicke mit jedem beliebigen andern abonnirten Geschäftshause der Stadt mündlich verkehren zu können. New-York, Chicago, Saint-Louis und Cincinnati machten drüben den Anfang, und die Vortheile sind so in die Augen springend, daß überall alsbald die Zahl der auf diese Weise auf Flüsterweite in Verbindung gesetzten Theilnehmer sich auf mehrere Tausend belief, unter denen alle bedeutenden Geschäftshäuser vertreten waren. Seit einigen Monaten ist dieselbe Einrichtung in London durchgeführt, und soeben sind die ersten Schritte gethan, sie nach der deutschen Reichshauptstadt zu verpflanzen, welche ihrerseits mit der Einführung des Telephons in den Postdienst den andern Ländern vorausgegangen war. Suchen wir uns ein Bild von der ganzen Organisation, die, bildlich gesprochen, auf eine Verkleinerung der Großstädte hinausläuft, zu machen! Die Hauptsache dabei ist eine möglichst in der Mitte der Stadt angelegte Centralstation, mit welcher jedes in den Verband eintretende Haus mittelst metallischer Leitung verbunden wird. In dem Centralbureau befindet sich nun eine Einrichtung, die derjenigen der in’s Riesige übersetzten Hôtelklingeln ähnlich ist. Wenn der Privatmann auf seinen Telephonknopf drückt, zum Zeichen, daß er sich mit irgend Jemand dieser engern Gemeinde in Verbindung setzen wolle, so springt auf dem Centralbureau das mit seiner Nummer oder seinem Namen versehene Anzeigertäfelchen auf. Der Beamte verbindet sein Telephon mittelst eines sogenannten Umschalters durch einen einzigen Druck mit dem des Abonnenten und giebt ein Zeichen, daß er bereit sei, die Aufträge desselben auszuführen. Dieser nennt Namen oder Nummer des Hauses, mit dem er in Verbindung zu treten wünscht, und nach wenigen Secunden ist das „alte Haus“ W. in Westend an den neuen Palast in Ostend gerückt und die Bewohner desselben sind bereits vom Centralbureau aus verständigt, daß Haus W. mit ihnen eine Unterredung wünsche. Zugleich ist das Centralbureau aus der Verbindung ausgeschieden und die beiden Häuser können sich mit flüsternder Stimme die größten Geheimnisse mittheilen, ohne Furcht, von irgend Jemand belauscht zu werden.

In dem Centralbureau, durch welches die Gespräche der ganzen Stadt schwirren, hört man von alledem keine Silbe und kann froh darüber sein; denn es müßte sich wie das Meeresbrausen anhören, welches man auf den Gallerien der modernen Börsen an heißen Tagen vernimmt. In New-York werden im Durchschnitt sechstausend Verbindungen täglich verlangt, und damit keine Verzögerung eintritt, sind eine Anzahl Knaben angestellt, die, von einem Oberinspector überwacht, die einfache Arbeit der Verbindung und nach Meldung, daß das Gespräch beendigt sei, die Trennung vornehmen. In Amerika erfreut sich diese Geschäftserleichterung einer solchen Theilnahme und Würdigung, daß man drauf und dran ist, auch zwischen den Nachbarorten, z. B. zwischen New-York und Philadelphia, solchen „elektrischen Geheimbund“ herzustellen, wie er thatsächlich durch Vermittelung der öffentlichen Linien und Verbindung derselben mit dem Centralbureau schon jetzt ausführbar ist.

Wir haben es absichtlich vermieden, die Einzelnheiten dieser Einrichtung zu beschreiben, die ebenso einfach wie veränderlich sind. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß man überall die vollkommensten, lautestsprechenden und ohne Mühe verständlichen Telephone anwendet. So ist der damals ausgemalte „Traum“, der gewiß auch von manchem Leser der „Gartenlaube“ belächelt wurde, bereits an vielen Orten verwirklicht.

C. St.