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Schedelsche Weltchronik d 009.jpg
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VIII verso:

Das erst alter

prunnen des paradis. vnd gepern vier fluess. nemlich phison oder ganges. geon oder nilus. tigris vnd eufrates: vnd das paradis ist die allerbastgemessigst stat schier vnder der wag vnd dem wider gelegen in dem aufgang. daruemb durchgeet die sunn ierlich zwaymal das mittel das paradis. do ist der allersubtilst vnd vnzerstoert lufft vnd alweg gleiche nacht. Helias vnnd Enoch sehen bede polos. die pawm bringen ierlich zwaymal frucht. denn da sind in einem iar zwen suemer vnnd winter. vnd vnser lengster tag vnd kuertzste nacht ist ir tieffster winter vnd bede vnser gleich tag vnd nacht ist ir tiefster sumer. darumb sagt Marcianus in indier land seyen zwen suemer vnd schnyt. also erscheint dz dise statt die allerhoehst der erden. die allerheimlichst. allergemessigst. wunsamst. ordenlichst vnd fruchtperst. vnd wol ein gartten aller wollustperkeit ist. dann do sind gruonung der stat. lustperkeit der plumen. wolsmack der krewter. feuechtung der prunnen beschatung der pawm. ueberfluessigkeit der frucht. vnd der foegel gefangk

Got machet auch zu zier vnd schoenheit des paradis dreyerley holtz. als ysidorus vnd Augustinus sagen. ains zu aufenthalt des lebens durch die narung. do von gepote got vnd sprach. Auß allem holtz des paradis solt du essen. Das ander zubewerung der gehorsam. als das hotz des wissens guots vnd boess. von dem verpote got zeessen. aber vnnser erste eltern hielten das nit. daruemb nach versuchung des apfels sind ine ir augen aufgetan. nemlich aneinander zebegeren zu dem ine die dauor nit offen waren. als Augustinus spricht. vnd als sie nw die anraytzung des fleischs vnd der begirlichkeit in ine. vnd sich der gnaden berawbt erkanten da machten sie kosten von feygen plettern. sich damit zebedecken vnd zebeschuetzen. doch ist nit zeuersteen das die suend ade vnd eue gewesen sey der fruchthalb des holtzs oder seiner nyessung. als Augustinus sagt. sunder auß vnordenlicher begirde die sich dem goetlichen verpot widersetzet. dann es ist ein anders so ein ding verpotten ist. als ein suend. vnd ist ein anders so ein ding suend ist darumb das es verbotten ist. Also ist es hie gewesen. vnd heist das holtz des wissens des guottn vnd boesen auß dem das auß seiner nyessung gefolgt hat. dann pald nach der nyessung empfunden sie des uebels der kranckheit. swachheit vnnd widerstrebung des fleischs wider die vernunft. vnd also begunnen sie zeerkennen das guet der gesuntheit. stercke vnnd gehorsam. als der artzt den seuechen baß erkennt so er nit allein die krancken heymsucht sunder auch darzu die kranckheit selbs leidet: vnd was er vor erkent durch kunst das lernet er darnach durch erfarung dann wer das bitter nit versucht der hat sich des fuesseß bald verruocht. Das drit vnnd edelst holtz was das holtz des lebens in dreyerlay weyß. zum ersten von seiner krafft wegen. dann es gabe dem der es aße die sach der vntoetlichkeit. vnd verhuettet die sach der kranckheit vnd schwachheit. doch nit auß

 

natuerlicher krafft leueterlich. sunder mer gnediglich von wegen der tugent der got gehorsamen sel. die dann die vornemlich sach der vntoetlichkeit des lebens was. als Thomas setzt. dann als offt der mensch kranck worden wer so het er von disem holtz genomen vnd gesuntheit wider empfangen. vnd hett das also getan bis zu erfuellung der außerwelten zal alßdenn weren alle menschen miteinander in den himel genomen worden. Zum andern von der gelegenheit wegen. dann diss holtz stuond in dem mittel des paradis als das koestlicher vnd wirdiger. wie das hertz des thiers enmitten des leibs ligt. vnnd den gantzen leib lebendig macht. in bedeuedtnus des creuetzs cristi. der die gantzen werlt lebendig macht vnd alle ding an sich zeueht. Zum drytten von heiliger bedeuedtnus wegen als Augustinus spricht. dz bey dem holtz des wissens guots vnd boess die frey wilkuer des willens. vnd bey dem holtz des lebens cristus bedeuetet werd.

Aber der zugang diser stat ist nach des menschen suend verstoßen vnd allenthalb mit einer fewrin mawr vmbschrenckt also dz die schier an den himel ruert. vnd cherubin das ist der engel beschutzung ist auf der selben mawrn geordent den boesen geysten zeweeren das die flammen die menschen vnd die gutten engel die boeßen von dannen treyben fuellen. also das keinem fleisch nach gayst der uebertrettung. diser zugang des paradis geoeffent soll sein.

Zweyerlay sach der vntoetlichkeit des menschen warn in dem stand der vnschuld. als die inwenndige enthaltende krafft der sel. vnd die was von got. Die ander ein außwenndige. als nyeßung des holtzs. diss holtz het auch dem menschen ein langs leben gegeben. nach der suend. als Augustinus setzt. Aber dem menschen wardt die versuchung desselben holtzs verpotten nach der suend. daruemb am dritten capittell des buchs der geschoepff wirdt zu den engeln gesprochen. Secht das villeicht Adam nit neme von dem holtz des lebens. vnd lebe ewiglich. das ist gar lang. vnd hie mit comcordirt auch sanctus Thomas.

IX recto:

Blat IX

der werlt

Adam der heilig man leuechtet alle tag seins lebens mit den gaist der prophecey vnd tet große vnd lange buoßwertigkeit. vnd gab seinen kinden gepot der gerechtigkeit. vnd schaffet das sie sich von der gemainschafft cayn vnd seiner kinder ganzt enthalten. vnd mit ine nit vereelichen solten. Diser vnser erster vater hat vns mit einer ainigen suend vom paradis auß getriben. vnd vns doch mit seinen heiligen wanderel vnd bußwertigkeit ein ebenpild gegeben zu den freueden des himelreichs widerzekeren. wer aber den nit folgt von den mag rechtlich nit geclagt werden. Adam hat als der Comestor setzt. xxx. suen vnd souil toechter geporn on Cayn vnd Abel. Adam was cayns vater vnd sweher. dann er nam calmana sein swester. Augustinus spricht. Adam starb. ixc. xxx. iar alt. als er geporn het. xxx. suen etc. vnd ist begraben an der stat Caluarie bey iherusalam do hat er etwyelang geruet vnd ist darnach sein leib gepracht in ebron die erden. von der er genomen ist. diser maynung ist auch Anastasius vnd die hebreyschen. dann sich gezimet wol dz allda cristus seinen leib in den tod gebe da das hawbt menschlichs geschlechts zerstoeret ward. vnd das die vnzerstoerlichkeit allda entspruenge do die zerstoerlichkeit gesaet was. vnd das also die ertzney dem seuechen antwurtet.

Augustinus spricht got hat das menschlich geslecht daruemb auß einen einigen menschen eingestift das er erzaigte wie angeneme im wer die einigkeit in vilen. dise betrachtung ist gar nuetz den außerwelten die den heilligen engeln in dem ewigen frid zugesellet soellen werden. aber die menschen haben durch so grosse grawsamkeit der suend abgenomen das die vnuernuenftigen thier sichrer vnd fridlicher vndereinander leben. die leoben vnd tracken haben auch vnder ineselbs nye solich krieg als die menschen gefuert. das pand der einigkait hat got lieb.

Nw lebten adam vnd eua vnnser allererste eltern. ixc. xxx. iar vnd geparen on Cayn Abel vnd Seth mit irn swestern. der die schrifft gedenckt. xxx. ander suen. vnd do adam zulerst mit kranckheit beladen ward verbote er dem Seth seinem sun vnd andern. das sein kinder mit den kindern caym sich nit vermischten. vnnd denselben hat er (als sie sagen) vmb erwerbung des oels der barmhertzigkeit zu dem paradeis gsendet zu letst starb er vnd ward in ebron begraben. doch sind ettlich sprechende das er an der stat caluarie begraben sey.