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Titel: Die Perlenfischerei im Vogtlande
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 147
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[147] Die Perlenfischerei im Vogtlande. Waldesrauschen, Quellengemurmel, Vogelsang, Liederklang, Biederkeit, Zähigkeit, Genügsamkeit, Betriebsamkeit: mit dieser Aufzählung ist die Summe der natürlichen Vorzüge des Vogtlandes und seiner Bewohner nicht erschöpft; denn mit den Reizen seiner landschaftlichen Schönheit hat – in der Vergangenheit allerdings mit entschiedenerem Erfolg als in der Gegenwart – der Erzreichthum seiner Berge gewetteifert. Aber auch die zahlreichen Wasserläufe dieses waldgesegneten Hochlands bergen mehr als nur den flüssigen Segen der Flur und der industriellen Betriebsamkeit, mehr als die köstliche Forelle und deren zahlreiche Sippe. Wie nach den Mittheilungen Sebastian Verso’s und den Berichten anderer vor Jahrhunderten dem Goldreichthum im Gebiete der weißen Elster und der Göltzsch mittels vielfacher Wäschereien erfolgreich nachgespürt wurde, so ist noch heutigen Tages die Perlenfischerei im Oberlaufe der weißen Elster und einer Anzahl in diese mündender Bäche unter der Oberleitung des Staates im Gange. Es handelt sich hierbei um die Flußperlmuschel Margaritana margaritifera, die Bewohnerin kalkarmer Süßgewässer mit Kieselgrund, die auch in Nordeuropa, im nördlichen Nordamerika, im bayerischen Wald und im Fichtelgebirge zu Hause ist. Noch bis in unser Jahrhundert herein waren die Perlenbänke der weißen Elster und ihrer Nebenflüßchen von ihrem Ursprung an bis herab in die Gegend von Greiz reich an Perlen und deshalb berühmt. Gegenwärtig deckt die vogtländische Perlenfischerei kaum mehr die auf sie verwendeten Kosten. Keine Gegend Deutschlands konnte sich früher eines gleichen Reichthums an Perlen in ihren Wasserläufen rühmen, wie die Gegend bei Oelsnitz im Vogtlande.

Gegenwärtig finden sich noch Perlen, abgesehen von der Elster selbst, im Mühlhausener, Schönlinder-, Tettenweiner-, Neumeier-, Tantler-, Elers-, Görnitz- und Triebelbache. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ergab der Triebelbach ein Erträgniß von 300 000 Mark. Unter Kurfürst Johann Georg von Sachsen wurde Moritz Schmirler in Oelsnitz als kurfürstlicher Perlenfischer mit einem jährlichen Gehalte von 30 Gulden in Pflicht genommen. Der Perlenfang wurde damit ein Recht der Krone. Noch heute besitzt die Familie Schmirler (Schmerler) in Oelsnitz das Vorrecht des Perlenfanges und übt es für Rechnung des Staates aus. Die Schmirler genossen früher eines bedeutenden Rufes als Perlenfischer auch im Auslande. So wurde nach Mittheilungen „Heliander’s“ im Jahre 1734 ein Schmirler nach Dänemark, um über die dortige Perlenfischerei ein Gutachten abzugeben, berufen. Im Jahre 1694 wurden 294 große und kleine Perlen gefunden. Die größten und besten Perlen dieser Ausbeute hatten – damals! – einen Werth von 60 Thalern. Die Ausbeute sank aber, vermuthlich im Zusammenhange mit der Zunahme der Industrie und der durch diese bedingten größeren Unruhe und der Verunreinigung der Gewässer, ununterbrochen. Je versteckter und ungestörter die Muschel liegt, desto besser gedeiht sie ja und mit ihr die Perle. Als man in dem erwähnten Triebelbache einst ein Wehr aufriß, fand man auf dem Grunde desselben eine große Zahl der schönsten Perlen, deren größte den Umfang einer Muskatnuß hatte. Im Jahre 1886 wurden noch 50 helle, 28 halbhelle, 18 verdorbene und 4 Sandperlen gefunden, gegen 154 Stück im Jahre 1885. Neuerdings scheint man ernsthaft auf eine neue Belebung und eine Hebung der Perlmuschelkultur Bedacht nehmen zu wollen.