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Titel: Die Landbriefträger
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aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 407
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[407] Die Landbriefträger. Die Briefträger gehören im ganzen zu den beliebtesten Personen. Der Menschen Sinn ist einmal auf das Neue gerichtet und mit Spannung sehen sie den Nachrichten entgegen, welche die verschlossenen Kouverts enthalten. Die Hoffnung auf irgend einen besonderen Glücksfall ist bei den Sterblichen nicht auszurotten und wer kann davon Kunde bringen, als der Post- oder Telegraphenbote? Für den Geschäftsmann sind die Nachrichten, welche diese bringen, in der Regel das Schwungrad, welches den ganzen Betrieb in Bewegung setzt; für die Liebenden aber trägt der erstere in seiner Mappe verschwiegene Mittheilungen, beseligende Geständnisse. Darum wird er, wo er erscheint, in der Regel mit einer gewissen freudigen Aufregung, bisweilen freilich auch mit banger Erwartung begrüßt. Er mag es wohl fühlen, daß er eine wichtige Person ist, aber bei den Strapazen seines Dienstes hat er keine Muße, mit Behagen darüber nachzudenken. Wenn er an heißen Hundstagen Straße auf, Straße ab laufen, die Treppen hinaufklettern muß bis ins vierte oder fünfte Stockwerk und in Schweiß gebadet sich keine Ruhe gönnen darf, so ist er gewiß nicht in der Stimmung, den Eindruck nachzuempfinden, den er bei den Empfängern seiner Briefe hervorruft.

Ist dieser Dienst aber schon in der Stadt ein beschwerlicher, so ist er’s noch mehr auf dem Lande, wo der Briefträger weite Entfernungen durchmessen muß bei jedem Wetter, den Gewitterstürmen und Schneestürmen ausgesetzt ist und selbst räuberischer Anfällen bei seinem einsamen Gang durch die Wälder und über die Felder. Daß es sich hier nicht um romanhafte Phantasiegebilde handelt, das beweist die Statistik mit ihren unerbittlichen Zahlen, denen sich nichts abhandeln läßt. Während der zwei Jahre Oktober 1885 bis 1887 sind im Post- und Telegraphenbetriebe im ganzen 83 Unfälle eingetreten, von denen 26 auf den Landbriefträgerdienst und auf die Bestellung von Telegrammen auf dem Lande kamen; darunter waren 16 Todesfälle. Fünf jener Unglücksfälle erfolgten durch Ausgleiten bei herrschender Glätte, einer durch das Umstürzen eines Landbriefträgerwagens auf glatten Wegen, zwei durch Einbrechen auf dem Eise, sechs durch Erfrieren, zwei durch Verirren bei herrschender Dunkelheit, einer durch Schneetreiben und Nebel, zwei durch Hitzschlag. Auch wurden ein Landbriefträger und ein Posthilfsbote ermordet.

Der Winter besonders erweist sich den Landbriefträgern gefährlich, deren Dienst weder durch die größte Kälte, noch durch den dichtesten Schneefall, noch durch die lichtloseste Dunkelheit Unterbrechung erleiden darf. Mögen daher die Postboten auf dem Lande wegen ihres aufopfernden Dienstes überall mit der Freundlichkeit behandelt werden, welche den Menschen gegenüber am Platze ist, die mit Erfüllung schwerer Pflichten uns willkommene Dienste leisten.
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