Hauptmenü öffnen

Deutsche Bilder/Nr. 6. Eine thüringische Landesmutter

Textdaten
<<< >>>
Autor: Ludwig Storch
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Deutsche Bilder Nr. 6. Eine thüringische Landesmutter
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 779–781
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[779]
Deutsche Bilder.
Nr. 6.      Eine thüringische Landesmutter.
Von Ludwig Storch.

Es gilt als ein unwandelbares Gesetz, daß jeder körperlichen oder geistigen Schöpfung, jeder Gestaltung und Einrichtung des Menschen- und Naturlebens nur so lange gestattet ist, nützlich und förderlich in ihrem Kreise zu wirken, als das Maß der in ihr liegenden Bildungs- und Gestaltungskraft ausreicht; hat sie dieses Ziel erreicht, so kann sie nur noch künstlich oder vielmehr naturwidrig erhalten werden und wirkt dann in dem Grade schädlich, wie früher nützlich. Nichts in der Welt macht hiervon eine Ausnahme, wenn es sich auch noch so sehr mit dem Heiligenschein schmückt und seinen „göttlichen“ Ursprung noch so laut behauptet. Man würde jedoch stark irren, wenn man die jetzt veralteten, schädlich wirkenden Institute als unbedingt verwerflich schelten wollte, während sie doch nur bedingungsweise verwerflich sind; denn man verkennt dabei ganz und gar, welchen großen Nutzen sie einst, als sie lebenskräftig waren, gebracht haben. In einen gleich großen Fehler verfallen aber auch die, welche sich im Geist in die Zeit versetzen, wo diese Institute Heil und Segen bewirkten, ohne zu bedenken, daß sie in demselben Grade jetzt Unheil und Schaden anrichten; das Verlangen ihrer fortwährenden Beibehaltung, weil sie „göttlichen Ursprungs“ seien, ist daher ungerecht, denn die Welt steht niemals still, und der Geist der Zeit schreitet rastlos vorwärts, wenn wir solches auch erst später zu bemerken vermögen.

Welcher vorurtheilsfreie Geschichtskundige wollte nur einen Augenblick die hohe Bedeutung der Klöster und Mönchsorden als Träger, Pfleger und Förderer der Cultur, sowohl der materiellen, wie der geistigen, in Zweifel ziehen? All unsere Bildung, die gewerbliche, technische, artistische und scientifische, also der ganze Schatz unserer Culturmittel hat in der Möncherei seine Wurzel, die Handwerkszünfte wie die Gelehrtenschulen sind aus den Klöstern hervorgegangen. Ohne die fleißigen Conventualen des 12. und 13. Jahrhunderts hätten wir eben so wenig die klassische Literatur der alten Griechen und Römer, als zweckmäßige Einrichtungen der bürgerlichen Gesellschaft. Welcher vernünftige Mensch wollte aber daraus den Schluß ziehen, daß auch jetzt die Klöster als Culturträger nothwendig wären, nachdem wir gesehen haben, daß, als sie ihre Mission vollbracht und die Cultur auf den Punkt gebracht, den zu erreichen sie die Kraft und den Trieb hatten, sie nun die Feinde und Hemmnisse der vorschreitenden Cultur geworden waren! Kein Mönchsorden hat mehr Segen gestiftet als der der Benedictiner; die ausgezeichnetsten Männer sind daraus hervorgegangen, und zuletzt war er in eine Versorgungsanstalt fauler Adliger ausgeartet, welche in verdummender Ueppigkeit und Schwelgerei im Molluskendasein vegetirten und jeden in ihrer Mitte, der sich zu etwas Besserem berufen fühlte, wüthend verfolgten, marterten und quälten. Wer nun aus solcher saubern Benedictinerwirthschaft, wie sie z. B. der ehemalige Benedictiner und nachherige Professor der Philosophie Schad in seiner Selbstbiographie beschreibt, den ganzen Benedictinerorden vom Anfang seines Bestehens verdammen wollte, wie sehr würde der im Irrthum sein, wie unrecht würde er thun! Ganz dieselbe Bewandtniß hat es mit den zahlreichen Höfen und Höfchen und der Kleinfürsterei in Deutschland; und die Klöster und die kleinen Fürstenhöfe stehen in engerm Zusammenhange, als man meinen sollte. Denn als die Klöster ihre Mission erfüllt und die Cultur soweit geführt hatten, als sie dessen fähig waren, und nun anfingen dem Naturgesetz gemäß culturfeindlich aufzutreten, wurden sie im nördlichen Deutschland aufgehoben, und ganz zu derselben Zeit bildeten sich die zahlreichen kleinen Höfe, welche die Weiterführung der Cultur gerade da in die Hand nahmen, wo die Klöster sie hatten fallen lassen. So wurden die kleinen Höfe als Träger und Pfleger der Cultur die Erben und Nachfolger der Klöster, und auch sie sind dem eisernen Naturgesetze erlegen, daß sie Feinde der vorschreitenden Cultur geworden sind, als sie aufgehört hatten, Förderer derselben zu sein.

Nirgends bewährt sich die Wahrheit dieser culturhistorischen Erscheinung deutlicher als in Thüringen, welches ohnstreitig unter allen Länderstrichen Deutschlands der materiell und ideell cultivirteste ist. Der Grund dieser im „Herzen Deutschlands“ so allgemein verbreiteten Geistes- und materiellen Cultur ist durchaus nur in dem Umstande zu suchen, daß Thüringen unter allen deutschen Ländern erst die meisten Klöster und Pfaffen und dann die meisten kleinen Fürstenhöfe und Dynastenresidenzen hatte. Als die Kloster- und Pfaffencultur in ihr Gegentheil umgeschlagen war, erstand ein thüringischer Mönch als Reformator des verkommenen Kirchenthums, und die Fürsten verwandten die säcularisirten Klostergüter zur Fundation von hohen und niedern Bildungsanstalten. Jede thüringische Residenz erhielt ihr Gymnasium, jede Stadt ihre Bürgerschulen, jedes Dorf seinen Schulmeister. Diese wettin’schen Fürsten aus dem ernestinischen und albertinischen Stamme wetteiferten miteinander, wohlthätige Bildungsinstitute in ihren Staaten zu errichten, und da diese wegen ihrer geringen Arealgröße leicht zu überschauen waren, so drang ihr väterlich wohlwollender Blick bis in die kleinsten Dörfer und machte es ihnen möglich, als getreue Landesväter für das körperliche und geistige Wohl ihrer Landeskinder zu sorgen. Ihr gemeinsames landesväterliches Werk war die in der deutschen Culturgeschichte der letzten drei Jahrhunderte so hochwichtige Universität Jena. Zwischen den fürstlichen Familien, namentlich dem regierenden Herrscherpaare, und den Unterthanen entstand ein einfaches herzliches Verhältniß, das an das Patriarchenthum der Vorzeit erinnert. Diese moderne Erzväterschaft erhält ihren höchsten naiven Ausdruck in Herzog Ernst dem Frommen von Gotha und Altenburg und steigert sich zu ihrem höchsten selbstbewußten Ausdruck in Großherzog Karl August von Weimar. Die Geschichte beider demselben Hause entsproßnen Fürsten liefert dafür die rührendsten Beweise. Herzog Ernst borgte sich, wenn er verreisen wollte, seines Oberförsters in Georgenthal Schimmel, und Großherzog Karl August gab, unter allen deutschen Fürsten der erste, seinem Lande freiwillig eine Verfassung mit Volksvertretung. Zwischen beiden Fürsten liegt freilich das Jahrhundert französischer Corruption alles fürstlichen Geblüts in Deutschland, in welchem die Leute von Gottesgnaden sich alles Ernstes einbildeten, daß sie eine Art Halbgötter seien, und vor lauter Ueberspanntheit gar nicht wußten, was für Tollheiten sie noch treiben sollten. Merkwürdiger Weise hat auch in dieser Richtung die thüringische Fürstlichkeit ihren höchsten Ausdruck in demselben Hause gefunden. Denn der Großvater Karl Augusts, der Herzog Ernst August von Weimar, war der abenteuerlichste Fürst, der je Land und Leute regiert hat.

Die Quasipatriarchenzeit hörte schon im 17. Jahrhundert auf, und die Mission der kleinen Höfe als Culturförderer erreichte mit dem deutschen Reich ihre Endschaft. Ihre letzte und ihre schönste Blüthe ist aber der herrliche Karl August. Von ihm an treten

[780]
Die Gartenlaube (1860) b 780.jpg

Herzog Alba und die Gräfin von Schwarzburg.

die kleinen Höfe dem Aufschwunge der Cultur allmählich feindlich entgegen. Sie erliegen eben dem eisernen Naturgesetz. Erst waren sie die Führer der Cultur; jetzt nimmt die Cultur sie ins Schlepptau. Und wie nun ein thüringischer Mönch berufen war, der culturfeindlichen Mönchswirthschaft ein Ende zu machen und der Cultur neue und höhere Bahnen zu eröffnen, so scheint es fast, als sei in unsrer immer heftiger aufgeregt werdenden Zeit, die abermals nach höheren Culturbahnen drängt, ein thüringischer Fürst desselben Stammes dazu berufen, sich an der neuen nothwendigen nationalen Geistesarbeit wesentlich zu betheiligen.

Aber auch hochsinnige fürstliche Frauen bewährten sich als echte Landesmütter an dem Liebeswerke der Beglückung ihrer Landeskinder und sorgten mit unablässigem Eifer für deren geistiges und leibliches Wohl. Die heilige Elisabeth, die Landgräfin von Thüringen, der Engel der Wartburg, zählt unter ihrer fürstlichen Nachkommenschaft in Thüringen und Hessen manche hochverehrte Nachfolgerin in den geräuschlosen Thaten der Liebe und Barmherzigkeit, und der sanfte Mondglanz der Verklärung, von einem großen Mutterherzen ausleuchtend, schmückt nach ihr manch schönes Frauenhaupt als Glorie der Fürstenkrone, in dessen Auge, von jenem Liebesglanze erhellt, die unversiechbare Thräne des Erbarmens schimmert. Ja, wir dürfen stolz sein auf mehr als eine fürstliche Frau, die mit der Würde ihres Standes die beglückende Kraft des großen Herzens verband und mit den conventionellen Anforderungen den erhabnern Bedürfnissen heiligen Liebesdranges genügte. Aus der patriarchalischen Zeit nennen wir vor Allen die Landgräfin von Hessen-Kassel, die hochbegabte Gemahlin des jung verstorbenen Landgrafen Wilhelm V. des Beständigen, Amalie Elisabeth von Hanau, die große Vormünderin-Regentin, welche mit seltener Geistesgröße und Kraft das Land in den furchtbar über dasselbe hereinbrechenden Stürmen des dreißigjährigen Kriegs rettete und mit wahrer tiefer Liebe zu allen Landeskindern dasselbe trotz der äußersten Ungunst der Zeit wieder in Flor brachte. Ihr segensreiches Andenken ist unsterblich. In demselben Jahrhundert [781] hatte Hessen-Kassel noch eine zweite bedeutende Fürstin zur Vormünderin-Regentin, die Wittwe des eben so jung wie sein Vater verstorbenen Landgrafen Wilhelm VI., Hedwig Sophie von Brandenburg.

Von einer andern ausgezeichneten thüringischen Fürstin, der Herzogin Louise Dorothee von Gotha und Altenburg, habe ich in der Gartenlaube schon ausführlich berichtet. Sie wird von ihrer Base, der Herzogin Anna Amalia von Weimar und Eisenach, der Mutter und Vormünderin Karl August’s, überstrahlt; denn diese steht wie „die rosenfingrige Eos“ am Morgenhimmel unsres neuen Bildungstages und eröffnet der aufgehenden Sonne deutscher Geistesgröße das nächtliche Thor.

Der Gegenstand des heutigen Bildes der Gartenlaube ist ebenfalls dem Leben einer hochherzigen thüringischen Fürstin aus der patriarchalischen Periode entnommen. In den thüringischen Geschichtsbüchern öfter verzeichnet, ist die Begebenheit, welche unser Maler in so trefflicher Weise dargestellt hat, zumeist doch durch Schiller’s unsterbliche Feder allgemein bekannt worden. Es ist die Gräfin Katharina von Schwarzburg, geborne Gräfin von Henneberg, welche gleich der ein Jahrhundert spätern Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen als Landesregentin ihren Unterthanen zu Liebe einen wahren Heldenmuth entwickelte, der um so glänzender in die Augen springt, als sie sich dem fürchterlichsten unbeugsamsten Menschen des mittlern 16. Jahrhunderts, dem Herzog Alba, gegenüber geltend machte.

Katharina war die Wittwe des regierenden Grafen Heinrich 37., eifrigen Beförderers der Reformation in seinen Landen, und sie fuhr in seinem Geiste zu regieren fort, suchte unablässig die gereinigte Lehre auszubreiten, den Schulunterricht zu verbessern, und die Güter der säcularisirten Klöster zu wohlthätigen Zwecken zu verwenden. Ihre Thätigkeit zum Besten ihrer Unterthanen war unermüdlich; in jeder Beziehung eine echte Landesmutter, verweigerte sie helfende Liebesthat auch Fremden nicht, die hülfsbedürftig sich bittend an sie wandten. Namentlich schützte und unterstützte sie protestantische Geistliche, die um der neuen Lehre willen aus dem Amte vertrieben und verfolgt wurden.

Ihr ganzes Leben gibt ein schönes Bild von vorsorglicher Menschenliebe, Ueberzeugungstreue, Standhaftigkeit und Heldenmuth, und jener landesmütterlichen Gewissenhaftigkeit, welche, wie wir schon bemerkt, diese Zeitperiode kennzeichnet. – Die Begebenheit, welche den Vorwurf unseres Bildes abgibt, hat ihr aber in der Geschichte den Beinamen der „Heldenmüthigen“ erworben, und in Betracht der Umstände ist er kein unverdienter.

Die Sache des jungen Protestantismus hatte am 24. April 1547 in der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe den ersten schlimmen und anscheinend tödtlichen Schlag erhalten; der siegreiche Kaiser Karl V. zog mit dem gefangenen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen durch Thüringen und Franken nach Böhmen, um sich Prag zu unterwerfen. Die schwarzburgische Regentin hatte sich von ihm einen Schutzbrief zum Besten ihrer Unterthanen gegen nicht unwahrscheinliche Excesse der kaiserlichen Truppen ausgewirkt, wogegen sie sich anheischig machte, die durch das Saalthal ziehenden Heerhaufen gegen billige Vergütung mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Bewohner der naheliegenden Dörfer durften ihre werthvollen Habseligkeiten auf dem Fürstenschlosse in Rudolstadt bergen.

Nachdem sie so mit kluger Umsicht die zweckmäßigsten Anordnungen zum Schutze des Lebens und Eigenthums ihrer Unterthanen getroffen, lud sich der spanische General des Kaisers, Herzog Alba, dessen Kaltblütigkeit die Schlacht bei Mühlberg gewonnen und der mit dem triumphirenden Stolze des Siegers einherzog, bei der Gräfin zu einem Frühstück zu Gast. Die Fürstin antwortete höflich, der Herzog möge mit dem vorlieb nehmen, was ihr Haus zu bieten vermöchte, auch bäte sie geziemend nicht zu vergessen, daß sie im Besitz eines kaiserlichen Schutzbriefes sei.

Der Herzog erschien in Begleitung des berüchtigten Herzogs Heinrich von Braunschweig und seiner Söhne, die, von den protestantischen Bewohnern der welfischen Lande vertrieben, mit dem Heere des Kaisers zogen, um sich später mit dessen Hülfe wieder einsetzen zu lassen. Die Gäste waren also die grimmigsten Feinde des unterlegenen Lutherthums und entschlossene Herren vom Schwerte. Die Gräfin war lutherisch und hatte nichts als den kaiserlichen Schutzbrief und ihre Höflichkeit, mit welcher sie nach Kräften gut bewirthete. Die Gäste wurden munter und galant gegen die Wirthin; es ging Alles gut. Plötzlich wurde die Fürstin hinausgerufen; man meldete ihr, daß die spanischen Soldaten in mehreren schwarzburgischen Dörfern geplündert und das Vieh weggetrieben hätten. Empört über dieses wortbrüchige Verfahren, läßt sie in größter Eile das Thor des Schlosses schließen und ihre ganze männliche Dienerschaft bewaffnet die Thür des Speisesaals besetzen, in welchen sie nun wieder mit dem Stolz beleidigter Frauenwürde eintritt, den noch bei der Flasche sitzenden Herren mittheilt, was ihr soeben hinterbracht worden, und daran die Beschwerde knüpft, wie schlecht die Soldaten des Kaisers den ihr von ihm verpfändeten Schutzbefehl respectiren.

Herzog Alba entgegnete ihr lachend, das gehe im Kriege nicht anders, und beim Durchmarsch eines Heeres, namentlich eines siegreichen katholischen durch protestantische Länder, dürfe man dergleichen kleine Auschreitungen nicht so hoch anschlagen: sie ließen sich eben nicht verhindern, trotz Kaiserwort und Schutzbrief.

„Meint Ew. Excellenz wirklich so?“ rief die Gräfin auf’s Aeußerste entrüstet. „Wir wollen sehen, ob es sich so verhält. Denn ich sage Euch, meinen armen Unterthanen muß ihr Eigenthum zurückerstattet werden, oder – bei Gott! – Fürstenblut für Ochsenblut!“

Mit diesen drohend gesprochenen Worten war sie aufgesprungen, hatte die Thür des Zimmers aufgerissen und die Bewaffneten hereingerufen. Es drang ein hübsches Häuflein herein, und sie sahen so wenig wie ihre Gebieterin aus, als sei die Sache bloßer Scherz. Dem eisenfesten Herzog Alba, der durch nichts gerührt werden konnte, wurde es nicht wohl beim Anblick dieser sonderbaren Veranstaltung. Die Herren sahen einander verdutzt an. Von ihren eigenen Soldaten getrennt, in einem festen Bergschlosse, einer zum Aeußersten entschlossenen heldenmüthigen Frau und ihren ihr ganz ergebenen Leuten mit bewehrten Fäusten gegenüber, blieb den fürstlichen Kriegsmännern nichts weiter übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Der Herzog von Braunschweig fand zuerst den schicklichsten Ausweg aus dieser unerwarteten Klemme, indem er in ein lautes Gelächter ausbrach, der beleidigten Fürstin eine schmeichelhafte Anerkennung ihrer landesmütterlichen Vorsorge und ihres entschlossenen Muthes aussprach und ihr das Versprechen gab, es beim Herzog Alba dahin zu bringen, daß der Handel zu ihrer Zufriedenheit beigelegt werde. Der Spanier ließ sich dazu auch bereitwillig finden, indem er unverzüglich einen Befehl an sein Heer ausfertigte, das geraubte Vieh ohne Zeitverlust den Eigenthümern zurückzustellen.

Die Gräfin ließ ihre gefangenen Gäste aber nicht eher vom Schlosse, als bis sie der Zurückgabe des Raubes gewiß war; hernach bedankte sie sich schönstens bei denselben, die dann auch sehr höflich sich von ihr beurlaubten.

Herzog Alba hatte die Bekanntschaft einer deutschen Landesmutter gemacht.

Im folgenden Jahre, als Kaiser Karl den protestantischen Fürsten sein berüchtigtes Interim aufgenöthigt hatte, diesen abscheulichen Gewaltstreich gegen die Gewissensfreiheit, dessen sich die Katholiken standhaft erwehrten, hatte ein talentvoller Prediger in der nahen Stadt Saalfeld, Kaspar Aquila, wie viele seiner Amtsgenossen, muthig gegen die kaiserliche Glaubensvorschrift von der Kanzel gepredigt. Aber ihm widerfuhr die Ehre vor vielen Andern, daß der Kaiser fünftausend Gulden auf seinen Kopf setzte, wahrscheinlich aus dem Grunde, weil Aquila schon früher als Feldprediger im Heere des Kaisers in den Niederlanden sich standhaft geweigert hatte, eine Kanonenkugel zu taufen, und deshalb zum Tode verdammt nur durch Zufall gerettet worden war.

Gräfin Katharina verbarg den bedrohten Geistlichen Monate lang auf ihrem Schlosse und pflegte seiner mit der edelsten Menschenliebe.

So waltete sie in vielbewegter Zeit fast dreißig Jahre als guter Engel über dem kleinen Lande und starb im 58. Lebensjahre von allen Schwarzburgern tief betrauert. Und noch heute wird ihr Andenken dort in hohen Ehren gehalten.