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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Des Teufels goldnes Haus
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aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 121-123
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 141.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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[121]
447.
Des Teufels goldnes Haus.

Vita Sti. Wulframi.
Rhein. Mercur 1816. vom 4. Jan.


St. Wolfram hatte im Schlafe ein Gesicht, das ihm gebot, den Friesen das Evangelium zu predigen. Er kam mit einigen Gefährten nach Friesland. Es war aber Sitte bei den Friesen, daß, wen das Loos traf, den Göttern geopfert wurde. Dies Mal fiel das Loos auf einen Knaben, Occo genannt. Als St. Wolfram ihn sich vom Fürsten Radbot ausbat, antwortete dieser: „er sey dein, wenn dein Christus ihn vom Tode errettet.“ Als sie ihn aber zum Galgen schleppten, betete Wolfram; und sogleich riß der Strick, der Knabe fiel zur Erde, stand unverletzt und wurde getauft. Die Weise aber, wie Radbot vom Teufel betrogen wurde, erzählt der genannte Occo; Der Teufel erschien ihm in Engelsgestalt, um das Haupt [122] eine Goldbinde mit Gestein besetzt, und in einem Kleide aus Gold gewirkt. Als Radbot auf ihn hinsah, sprach der Teufel zu ihm: „Tapferster unter den Männern, was hat dich also verführt, daß du abweichen willst von dem Fürsten der Götter? Wolle das nicht thun, sondern beharre bei dem, was du gelernt, und du sollst in goldne Häuser kommen, die ich dir in alle Ewigkeit zum Eigenthume geben will. Gehe morgen zu Wolfram, dem Lehrer der Christen, und befrage ihn, welches jene Wohnung der ewigen Klarheit sey, die er dir verspricht. Kann er sie dir nicht augenscheinlich darthun, dann mögen beide Theile Abgeordnete wählen, und ich will ihr Führer seyn auf der Reise, und will ihnen das goldne Haus zeigen und die schöne Wohnung, die ich dir bereitet.“ Wie Radbot erwachte, erzählte er alles dem heil. Wolfram. Dieser sagte, der Betrüger Satanas wolle ihm ein Gaukelspiel vormachen. Der Fürst antwortete: „er wolle Christ werden, wenn sein Gott ihm jene Wohnung nicht zeige. Sogleich ward ein Friese von seiner Seite, und ein Diaconus von Seiten Wolframs ausgesandt, die, als sie etwas von der Stadt sich entfernt, einen Reisegefährten fanden, der ihnen sagte: „eilt schnell, denn ich zeige euch die schöne, dem Herzog Radbot bereitete Wohnung.“ Sie gingen auf breitem Wege durch unbewohnte Oerter, und sahen einen Weg mit verschiednen Arten glatten Marmors aufs schönste geziert. Von ferne sahen sie ein Haus glänzen wie Gold, und kamen zu einer Straße, die

[123] zum Hause führte, mit Gold und edlem Gestein gepflastert. Als sie das Haus betraten, sahen sie es von wunderbarer Schönheit und unglaublichem Glanze, und in ihm einen Thron von wunderbarer Größe. Da sprach der Führer: „das ist die dem Herzog Radbot bereitete Wohnung!“ Darauf sprach der Diaconus staunend: „wenn das von Gott gemacht ward, wird es ewig bestehen; wenn vom Teufel, muß es schnell verschwinden.“ Somit bezeichnete er sich mit dem Zeichen des Kreuzes, da verwandelte sich der Führer in den Teufel, das goldne Hans in Koth, und der Diacon befand sich mit dem Friesen in Mitten von Sümpfen, die voll Wassers waren, mit langen Binsen und Geröhren. Sie mußten in drei Tagen einen unermeßlichen Weg zurücklegen, bis sie zur Stadt kamen, und fanden dort den Herzog todt, und erzählten, was sie gesehen, St. Wolfram. Der Friese wurde getauft und hieß Sugomar.