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Titel: Des Friedländers Schloß
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aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 685-686
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Des Friedländers Schloß.[1]
Die Gartenlaube (1857) b 685.jpg

Schloß Friedland.

Unter allen Burgen und Schlössern des romantischen Böhmerlandes gehört das Schloß Friedland zu den vornehmsten, theils wegen des berühmten Wallenstein, der es besaß, theils wegen seines colossalen und eigenthümlichen Baues. Auf dem nördlichen Ufer des rauschenden Wüthigflusses, gewöhnlich „die Wütche“ genannt, erhebt sich ein hoher, nur von der Nordseite zugänglicher Basaltkegel, auf dessen abgebrochener Spitze sich des Friedländers Burg erhebt, hineinschauend nach Böhmen, nach Schlesien und Sachsen. Aller liebenswürdige Apparat des gebenedeiten Faustrechts florirt hier oben in wohlerhaltener Weise – Ketten. Zugbrücken, Rüstungen, alte Waffen, Thürme, Mauern und Burgverließe starren den civilisirten Menschen an, und lassen ihn bedenken, wie viel glücklicher wir doch in jetziger Zeit sind, wo die mittelalterlichen Tyranneien einen sanfteren Anstrich und raffinirtere Cultur erfahren haben. Das Friedländer Schloß hat daneben auch eine sehr kriegerische Geschichte. Der Thurm und die ersten Anfänge datiren bereits bis zum wilden Ritter Berkowecz, der das damals urwäldliche Gebiet von dem heutigen Kreise Jungbunzlau erhielt, und 1014 sich eine feste Burg erbaute. Später ward diese Burg erobert, und ihr von einem Herrn Berka von Dub der Name „Fried im Land“ oder Friedland gegeben.

Die Taboriten hatten große Lust, sich die stolze Burg 1433 anzueignen; aber es gelang ihnen nicht; die Schweden waren [686] später schon glücklicher und meinten, Eigenthum sei Diebstahl, plünderten hier recht wohlgefällig und rückten auch wieder aus, wenn die „Kaiserlichen“ kamen.

1551 wurde der Bau, wie er jetzt ist, vom Freiherrn von Biberstein vollendet. Während die Ritter hieran bauten, suchten andere ritterliche Elemente den Bau zu zerstören; es ist die alte Geschichte vom junkerlichen Fehdethum, das einige pommersche hochadelige Sprossen so gern wieder einführen möchten.

Der ehrwürdige ritterliche Coloß „da hoch oben“ besteht aus dem niederen und dem oberen Schloß; letzteres, die eigentliche Ritterburg, steht ganz auf Basaltfelsen, dessen lange, eckige Säulen an der Nordseite künstlich angelehnt scheinen, jedoch natürlich so gestaltet sind.

Im Schlosse selbst ist wenig Hochinteressantes, mit Ausnahme der alten Bilder im Saale, welche alle die edlen Besitzer darstellen, denen dies Schloß gehört hat. Der wichtigste, interessanteste und häßlichste von allen ist der Graf Wallenstein, vor Schiller nur als Waldstein bekannt. Der fromme Schwedenfresser muß in der That eine imponirende Gestalt der Häßlichkeit gewesen sein und irgend einen kleinen Satan zum Großvater gehabt haben, was aus seinen rothen Haaren zu schließen ist. Waldstein, der sich gern General des baltischen und oceanischen Meeres nannte, ward 1582 geboren und 1634 zu Eger etwas weniger romantisch umgebracht, als es Schiller geschehen ließ. Der Herr war bekanntlich sehr grob, sehr gefährlich, sehr boshaft, sehr ehrgierig und sehr reich; wegen letzterer, sehr angenehmer Eigenschaft kaufte Waldstein im Jahre 1622 die Burg Friedland für 150,000 Gulden, die er Gott weiß wo gebrandschatzt haben mochte. 1625 ernannte ihn der Kaiser officiell zum Herzog von Friedland, und 1626 ließ er sich so malen, wie er in dem Burgsaale aufgehängt ist. Es muß ein sehr angenehmer Herr für seine Unterthanen gewesen sein, denn seine Befehle, besonders bezüglich der Steuer, waren gemeinhin mit folgenden Zusätzen versehen: „Solches befehl’ ich ernstlich und endlich, daß es in continenti erfolgt, so lieb euch euer Leben ist,“ oder: „schickt mir die ganze Contribution, wofern ihr nicht wollt, daß ich zuforderist den Hauptleuten und hernach euch (seinen Kammerräthen) den Kopf abschlagen lasse.“

Der Herzogstitel von Friedland sollte übrigens kein leerer Schall bleiben. Waldstein ging damit um, das Schloß Friedland zum Hauptorte eines weitläufigen Besitzcomplexes zu machen, und entwarf eine „gewisse Landesordnung“, wie er sie in seinem Herzogthum Friedland „sowohl in politicis als judicialibus“ gehalten haben wollte. In dem Verfassungsentwurf war sogar ein Friedland’scher Landtag mit drei Ständen festgesetzt, welcher nach zweimaliger Ausschreibung im Sitze der Regierung, zu Jicin, in einem eigenen Ständehause „gehorsamlich erscheinen, die Landtags-Propositionen anhören, berathschlagen und votiren“ sollte. Diesem und andern weit ausgreifenden Plänen machte die Partisane des Hauptmanns Devereaux, welche in der blutigen Nacht des 25. Februar 1634 zu Eger des Friedländers Herz durchbohrte, ein plötzliches Ende.

Außer dieser stolzen Friedlandburg mahnt noch das Waldsteinhaus in Prag an den großen Feldherrn. Mehr als anderswo sind hier die Andenken an ihn gepflegt worden; der Banketsaal, die Kapelle, das astrologische Cabinet und der wahrhaft kostbare Garten sind noch ganz so, wie zu Lebzeiten des Friedländers, nur aus dem Garten haben die Schweden die kostbaren Statuen geraubt, die Waldstein dort errichtet. Vor mehreren Jahren war Wallenstein’s Garten für die Prager Haute volée auch noch eine sehr beliebte Promenade, indessen ist er jetzt dem öffentlichen Besuche geschlossen und der neugierige Fremde, der ihn oder die Gemächer des Schlosses besehen will, erhält von dem grimmen Portier ganz einfach den Bescheid:

„O ja, aber da müssen Sie zu Johanni wiederkommen.“

Die Friedländischen Besitzungen sowohl, wie die meisten der andern Herrschaften, die einst der General Waldstein besaß, gehören der gräflich Clam-Gallas’schen Familie oder Nebenlinien der „Wallensteiner.“ Die Burg Friedland und mehrere dazu gehörige Besitzungen waren nämlich nach des „confiscirten“ Waldstein Tode dessen Feind, Grafen Mathias Gallas, geschenkt worden, der sich durch seine kriegerischen Thaten, besonders durch die gewonnene Schlacht bei Nördlingen 1634, die Gunst seines Kaisers erworben hatte.



  1. Die Abbildung des Schlosses Friedland entnahmen wir mit Genehmigung des Herrn Verlegers dem in Olmütz bei Ed. Hölzel erscheinenden Prachtwerke: „Malerisch-historisches Album des Königreichs Böhmen,“ eine Sammlung nach der Natur aufgenommener und künstlerisch ausgeführter Ansichten der historisch-wichtigsten und landschaftlich schönsten Schlösser, Burgen und Städte Böhmens, auf die wir hiermit alle unsere Leser aufmerksam machen. Kunst und Geschmack haben sich in diesem Prachtwerke in einer Weise geeinigt, wie bei wenigen Unternehmungen ähnlicher Art, die, was künstlerische Auffassung und Ausführung anlangt, sich kaum mit diesem Album werden messen können. Wenigstens kennen wir augenblicklich im deutschen Buchhandel kein Unternehmen ähnlicher Art, das sich dem böhmischen Album ebenbürtig zur Seite stellen könnte. Die beiden Landschafter Haun aus Berlin und Kaliwoda aus Wien haben eigens zu diesem Zwecke das böhmische Land bereist, und sämmtliche Aufnahmen nach der Natur gezeichnet. Geistreiche Auffassung und Behandlung bei gewissenhafter Detailzeichnung sind Vorzüge, die fast ohne Ausnahme allen diesen Kunstblättern nachzurühmen sind. Um Charakter und Stimmungen der verschiedenen landschaftlichen Bilder möglichst getreu wieder zu geben und dabei die schönsten, aber immer künstlerischen Effecte zu erzielen, haben die beiden Künstler zur Vervielfältigung ihrer Aufnahmen die Lithographie und zwar die weiche Kreidemanier gewählt, mit welcher sie vermittelst des doppelten Tondrucks die mannigfaltigsten Abwechselungen in Effect und Stimmung erreichten. Einzelne dieser Blätter, u. A. die reizend ausgeführte Winterlandschaft: Bösig, dann der Schreckenstein, der Burghof von Klingenberg sind wahrhafte Kunstwerke, die einen der Aquarelle ähnlichen Eindruck machen. Die schönen Abbildungen werden von einem Text begleitet, der mit Gewissenhaftigkeit und Fleiß gearbeitet alles historische Material bietet, was zur nähern Kenntniß der aufgenommenen Burgen, Schlösser und Ortschaften von Interesse ist. Bereits sind 7 Hefte (das Heft mit 3 Abbildungen kostet 2 Gulden) erschienen, welche zusammen folgende Abbildungen bringen: Schloß Friedland. – Barbarakirch in Kuttenberg. – Burghof von Klingenberg. – Burg Karlstein. – Schloß Reichstadt. – Neuhaus. – Schloß Blatna. – Schloß Tetschen. – Reichenberg. – Schloß Eisenberg. – Hohenfurth. – Burgruine Bönig. – Schloß Raudnitz. – Toenik und Zebrak. – Burgruine Schreckenstein. – Burg Bürglitz. – Burg Sternberg. – Burg Rosenberg. – Hradschin in Prag. – Burg Klingenberg (Totalansicht). – Schloß Zleb. –
    D. Red.