Der würdige Sohn eines unvergeßlichen Vaters

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Titel: Der würdige Sohn eines unvergeßlichen Vaters
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aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 144
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: General Wilhelm von Württemberg
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[142] Der würdige Sohn eines unvergeßlichen Vaters. In dem blutigen Gefechte bei Oeversee unweit Schleswig traf eine dänische Kugel, unter den vielen beklagenswerthen Opfern des Tages, auch den tapfern Obersten eines der tapfersten österreichischen Infanterieregimenter, desselben, welches schon in der Schlacht von Magenta mit bewundernswerther Unerschrockenheit gekämpft hatte. Der Name dieses Führers ist den Lesern der Gartenlaube kein fremder. Der schwer verwundete Officier ist ja der heldenmüthige Sohn eines heldenmüthigen Vaters, jenes Herzogs Eugen von Würtemberg, welcher „als der Erste dem Kaiser Alexander den Plan des nachmals so hochgepriesenen Feldzuges von 1812 vorlegte“, als russischer Befehlshaber die Franzosen bei Culm über den Haufen warf und bei Wachau König Murat’s berühmten Reiterangriff abschlug, aber, obschon ein geborener Feldherr von unvergleichlichem strategischem Scharfblick und erstaunenerregender Kaltblütigkeit, durch höfische Ränke und niedrige Eifersüchtelei seiner russischen Mitgenerale, im Leben nie die Anerkennung finden sollte, die seinem Genie und seiner Thatkraft gebührte.

Der Sohn, Prinz Wilhelm von Würtemberg, der an seinen Wunden noch immer hart danieder liegt, scheint mit den kriegerischen zugleich die menschlichen Tugenden, jene edle Bescheidenheit und liebenswürdige Menschenfreundlichkeit, geerbt zu haben, welche seinen unvergeßlichen Vater zierten. Davon geben die Zeilen Zeugniß, welche der Prinz mit fieberhafter Hand von seinem Siechbette aus an den Feldmarschall Lieutenant von Gablenz geschrieben hat, nachdem ihm die Kunde von seiner sechsunddreißig Vordermänner überspringenden Beförderung zum General geworden war. Voller Bescheidenheit lehnt er darin die Lobsprüche ab, die ihm der Kaiser und sein Commandeur gezollt hatten; sein Verdienst sei einzig und allein der Vorzug, sich an der Spitze eines Regimentes zu befinden, welches bereits im italienischen Kriege sich unverwelklichn Lorbeeren errungen habe, einer Schaar von Tapfern, die unter jedem andern Führer denselben Heldenmuth an den Tag gelegt haben würde. Hierauf macht er seine Vorschläge, wie die Stellen der gebliebenen Officiere seines Regimentes neu zu besetzen seien, und schließt mit den schönen Worten: „Verübeln mir Ew. Excellenz diese Bitte im Interesse meiner ehemaligen Cameraden nicht, – es sind die letzten Sorgen eines Vaters für seine hinterlassenen Kinder!“

Wir theilen diese Worte, die, wie wir jetzt bestimmt hoffen dürfen, glücklicher Weise nicht die letzten des tüchtigen Heerführers gewesen sein werden, nach einer (Korrespondenz der Kölnischen Zeitung mit; es sei uns aber bei diesem Anlasse auch die Bemerkung vergönnt, daß wir selbst aus eigener Erfahrung unsern Lesern erzählen können, welches dankbare Andenken nicht nur der wackere Sohn dem großen Vater, als seinem leuchtenden Vorbilde, bewahrt, sondern mit wie regem Antheile er auch die Erscheinungen der Zeit, in Leben und Literatur, verfolgt. Kaum hatte die Gartenlaube in Nr. 37 und 38 ihres letzten Jahrgangs dem „vergessenen Helden der Befreiungskriege“ einen späten Kranz der gerechten Würdigung auf das Grab gelegt, so wurde dem Herausgeber unseres Blattes die Freude eines eigenhändigen Brief den Herzogs Wilhelm von Würtemberg zu empfangen, in welchem derselbe sich namentlich nach den nähern Verhältnissen des Autors des „ausgezeichneten Artikels“ erkundigt, der „das Leben und die Thaten seines Vaters in einer ebenso historisch wahren und treuen Art schildert, wie er die wichtigsten Momente desselben in das richtige Licht zu stellen weiß,“ um dem Verfasser seinen herzlichen Dank für den „vollkommen gelungenen Aufsatz“ selbst ausdrücken zu können.

Wir denken, dies Schreiben spricht für sich selber.