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Textdaten
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Autor: D.
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Titel: Der amerikanische Sonntag
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aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 877
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[877] Der amerikanische Sonntag. Die Jubel-Weltausstellung in Philadelphia wird manches originelle vor den bisherigen Ausstellungen voraus haben. Der Amerikaner stellt sich und seine charakteristischen Eigenthümlichkeiten nämlich selbst aus und – giebt sich bloß. Die Besucher der Ausstellung werden unter Anderem Gelegenheit haben zu bemerken, wie Amerika seinen größten Feiertag im Jahre, den 4. Juli, mit Ohren und Sinne betäubendem Geknatter aus allen Arten von Feuerwerkskörpern und Schießwaffen, begleitet von Feuersbrünsten, Körperverletzungen, ja Tödtungen sogar, begeht. Es wird gerade zur Zeit der Wahl eines Präsidenten sein, in welcher sich die beiden Parteien und ihre Vertreter bekanntlich die liebenswürdigsten Angriffe entgegenwerfen und die Presse in gewisser Beziehung das Unglaubliche leistet. Aber den Gästen wird es auch nicht erspart werden, den puritanischen Sonntag Amerikas mit seiner deutsch-amerikanischen Hinterthür in die verpönten Wirthshäuser kennen zu lernen. Denn die volle Gewissensfreiheit ertheilende große Republik schreibt nichtsdestoweniger durch Gesetzgebung und Gewohnheit jene Heiligung des Sabbaths vor, die sich in den „blauen Gesetzen Connecticuts“ so weit vermaß, am Sonntage nicht nur jede Reise und jeden Spaziergang, sondern sogar zu verbieten, daß Eheleute sich küssen durften (bei Liebenden wird es der Reiz des „Verbotenen“ wohl doppelt süß gemacht haben). Die Herren, unter deren Leitung die Weltausstellung in Philadelphia steht, haben sich denn auch nicht von der amerikanischen Engherzigkeit zu emancipiren vermocht, mit Rücksicht auf ihre ausländischen Gäste das Internationale eines solchen Unternehmens zu achten, sondern halten die Ausstellung an Sonntagen geschlossen. Denn das steht deutlich in den von dem Executiv-Comité gut geheißenen Anordnungen zu lesen, wo es unter Anderem heißt. „Die Ausstellung wird am 10. Mai 1876 eröffnet werden, und mit Ausnahme des Sonntags jeden Tag bis zum 10. November dem Besuche offen stehen.“ Diese Bestimmung hat bisher keinen Widerruf erfahren, und die Commissionäre denken auch nicht im Mindesten an eine Abänderung derselben. Daß die Herren auf das Volk, auf die arbeitenden Classen nicht die mindeste Rücksicht nehmen, das ist man schon gewohnt. Es liegt in der Rücksichtslosigkeit und Unduldsamkeit der Pfaffenclique, welche den Armen nicht die geringste Unterhaltung und Erholung gönnt und den Menschen nur zum Sclaven der Werkstätte und der Kirche machen will.

Charakteristisch in jeder Beziehung bleibt aber diese ausschließliche Ausstellung des amerikanischen Sonntags jedenfalls. Sie ist besonders der Stadt der Bruderliebe angemessen (die New-Yorker hätten dies gewiß nicht gethan). Am besten wird es sein, wenn die Ausstellungsgäste an Sonntagen sich nach Newark zurückziehen, wo es „Auf dem deutschen Berg“ bei Kölger’s etc. so lustig zugeht, wie in Deutschland selbst. Tanz, Musik und Gerstensaft verschaffen sich dort trotz Pfaffen Sonntag und Polizei ihr Recht.

D.