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Der Ursprung von Leipzig und seinen Linden

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Ursprung von Leipzig und seinen Linden
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 348-349
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort:
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[348]
400) Der Ursprung von Leipzig und seinen Linden.
Peccenstein, Theatr. Sax. Th. III. S. 78 sq.

Die Stadt Leipzig soll nach Einigen ihren Namen daher haben, daß ein gewisser Lybonothes, ein Kriegsfürst jenes Arminius, der den Varus schlug, hier sein stetiges Hoflager gehalten und im Schlosse Aldenburg, nahe dem Ranstädtischen Thore gelegen, da wo die Pleiße und Parthe zusammenkommen, residirt habe: nach diesem habe es erst den Namen Libonitz, aus dem dann durch Zusammenziehung Lyptz ward, geführt. Weil aber dieses Wörtchen in wendischer[1] Sprache einen Lindenbusch bedeutet, so haben Andere, wie der Pirnaische Mönch und Erasmus Stella berichtet, daß an dem Orte, wo jetzt die Stadt liege, ursprünglich ein Dorf gewesen und hier unter einem schönen Lindenbaum mit weit ausgebreiteten Aesten ein Abgott der Sorben-Wenden Namens Flyns gestanden habe, so von schrecklicher Gestalt war, nämlich ein todter Körper mit einem langen Mantel behangen, in seiner Hand einen Stab mit einem brennenden Blasfeuer, auf der linken Schulter einen aufgerichteten Löwen haltend und auf einem hohen Steine stehend, der sei hochgeehrt worden, da sie meinten, der Löwe solle sie von den Todten auferwecken. Solchen Abgott hat der h. Bonifacius im J. 728, als er unter den Sorben das Christenthum gepredigt, abgeschafft und mit Hilfe frommer Herzen ein Klösterlein und einen Convent von wenigen frommen Männern, die er von Mainz kommen lassen und in seiner Abwesenheit das Volk im christlichen Glauben erhalten sollten, errichtet. Dieses Kloster, so neben Rochlitz in diesem Lande das erste gewesen, war dem h. Jacobus geweiht, und erzählt Stella, daß es an dem Zusammenfluß der Pleiße und Parthe gestanden habe und zu seiner Zeit noch einige Mauern davon zu sehen gewesen. [349] Ob nun wohl die Heiden, nachdem der h. Bonifacius und seine Jünger Ludgerus, Rupertus und Gallus den Rücken gewendet, Alles wieder zerstört haben, ist der Ort gleichwohl von Tage zu Tage gewachsen und von Markgraf Conrad mit Mauern umgeben worden. Seitdem ist der Brauch aufgekommen, daß, wo Kirchen aufgerichtet wurden, man auch gemeiniglich eine oder zwei Linden daneben pflanzte und aufzog, wie auf allen alten Kirchhöfen zu sehen und man selbigen Baum fast für heilig und es für eine Sünde hielt, wenn man solchen im Geringsten beschädigte. Von solchen Pflanzungen ist auch das Dorf Lindenau bei Leipzig entstanden. Ueberhaupt war die Linde das Zeichen der Freien und Edlen, die Eiche aber das der Knechte.


  1. Lipa = Linde. Obermüller, Celt. Wtbch. Bd. II. S. 232. leitet es von liub, Winkel, und tigh, Dach, ab; also = Ort im Flußwinkel.