Der Traum des Churfürst August

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Traum des Churfürst August
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 15-22
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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15) Der Traum des Churfürst August.

In der Hausbibliothek der alten Churfürsten von Sachsen, welche bis auf Churfürst Friedrich August in dem alleinigen Besitz und Verschluß des jedesmaligen Churfürsten war[1], später aber in die Königl. öffentliche Bibliothek zu Dresden gekommen zu sein scheint (s. Falkenstein, Geschichte der Dresdner Bibliothek S. 483 Nr. 46), soll von der Hand des Churfürsten selbst (s. Hasche, S. 495 Anmerkung **) ein von ihm gehabter Traum und eine das Könighaus Sachsen betreffende Prophezeiung des Rabbiners Mardochäus de Nelle, eines Adepten und Astrologen an seinem Hofe (s. Falkenstein S. 13) in das Handexemplar der Bibel des Churfürsten eingeschrieben gewesen sehn. Jetzt findet sich indeß in demselben nichts mehr vor, man sieht aber aus den losen Fäden zwischen zwei Blättern zu Anfang des ersten Bandes, daß hier früher ein Bogen eingeheftet und von Jemandem herausgenommen worden ist. Diese Traumbeschreibung lautete aber nach Hasche, Diplom. Geschichte von Dresden Bd. Va. Urkunde Nr. 256 S. 493–496 also:

„1555 besuchte der Gottselige Churfürst Augustus I. das neuerbaute Schloß Augustusburg und befahl dem Hauptmann, auf 5 oder 6 Essen bedacht zu sein. Seiner Gewohnheit nach hat er vorm Schlafengehen ein gewisses Capitel in der Bibel, die er allezeit sehr lieb gehabt, gelesen, dasselbe aufschlagend liegen gelassen und sich in demselben Zimmer, allwo vor den bei sich gehabten Minister (den Kanzler von Pflug) zugleich ein Bette parat gewesen, zur Ruhe begeben, der Minister aber sei noch in Meinung, Ihro Durchlaucht schliefen ganz sanft, gewachet. Er ist aber kaum ins Bette gewesen, so hat in einem Augenblick Jemand die Thüre aufgemacht und kommen in das Zimmer getreten ein Mönch und eine Nonne, welche beide nach dem Tische, wo die Bibel gelegen und ein Tisch gestanden, gegangen. Der Mönch aber hat die Bibel aufgehoben und lieset darinnen, doch ganz mit Verdruß, legt aber die Bibel wieder hin und will das Licht ausblasen, setzet also mit starkem Blasen dem Lichte zu, kanns aber nicht prästiren, geht also in Eyl mit verdrießlicher Miene nach der Thür zu, welches die Nonne mit angesehn. Als sie beide bei der Thüre sind, kehret die Nonne wieder zu dem Lichte zu, versucht solches auszublasen und zwar mit stärkerer [16] Macht als der Mönch, bläst auch das Licht aus, jedoch nicht gar, allein in der Meinung, sie hätte solches gar ausgeblasen. Da sich aber die Nonne gewendet, und dem Lichte den Rücken gekehrt, hat das Licht wieder angefangen in heller Flamme zu brennen, da denn auch der Mönch in Zorne fortgehet und die Thür mit Gewalt zuschmeißt. Weil nun der Minister meinet, der Churfürst schlafe und der Churfürst glaubt, der Minister schlafe, hat Keiner nichts gesprochen. Morgen darauf wünscht der Kanzler dem Churfürsten einen guten Morgen, desgleichen auch der Churfürst dem Kanzler. Der Churfürst fragt ihn, wie er geschlafen? Er sollte von Grund des Herzens sagen, was ihm die Nacht geträumet? oder was er gesehen? der Kanzler antwortet: was ihn hätte träumen sollen, da er die ganze Nacht nicht geschlafen? Da ihn nun der Churfürst gefragt, was er denn gesehen? hat der Kanzler geantwortet: es wäre ein Mönch und eine Nonne in die Stube gekommen, der Mönch hätte in der Bibel gelesen, sie aber mit Verdruß wieder nieder gelegt, darnach mit aller Gewalt und starkem Blasen das Licht wollen ausblasen, aber nicht enden können, deswegen er mit großem Eifer nach der Thüre gegangen, ingleichen auch die Nonne, als sie aber an die Thür gekommen, sey die Nonne nach dem Lichte zurückgekehrt und mit aller Gewalt solches auszublasen gesucht, so sie auch ihrer Meinung nach bewirkt, allein weil noch etliche Fünklein die Flamme erhalten, hat solches wieder angefangen helle zu brennen, darauf sie mit Gewalt die Thüre zugeschmissen und davon gegangen. Darauf hat der Churfürst zum Kanzler gesagt: weißest du wohl, was dieses vor eine Bedeutung und nach sich ziehen werde? solches will ich dir sagen. Es wird einstmals nach meinem Tode sich auch ein Augustus in der Regierung befinden (nach e. a. Abschrift eine Frau) welcher gesinnt sein wird, die Evangelische Lehre in meinem Lande auszurotten und zu vertilgen, wird aber solches nicht enden können, aber Gottes Wort und Luthers Lehr (mit der Hand auf die Bibel schlagend) vergehen nun und nimmermehr, doch wird dessen Gemahlin noch viel eifriger darinnen sein und solches mit aller Gewalt zu erzwingen suchen, wird ihr aber so wenig als ihm gelingen, denn wenn sie meine, die wahre Religion auf’s Höchste zu verfolgen, wird Gott ein Mittler darinnen sein etc.“

Soweit das Mscr. Nach einer anderen Sage hätte der Churfürst eben dem Kanzler vorgeschlagen, ehe dieser ihm den Traum erzählt, sie wollten Jeder den Traum niederschreiben, darauf habe sich der Churfürst entfernt, der Kanzler aber an einen andern Tisch gesetzt und nun aufgeschrieben, was sie gesehen, und Beides habe übereinstimmend gelautet. Was nun die Prophezeiung anlangt, so hat diese der Generaladjutant des Churfürsten Friedrich August, Oberst Johann Ernst von Posern, aus jener Hausbibel sich im Jahre 1777 abgeschrieben und nach einer von dieser Abschrift durch Wilhelm Ernst von Posern am 14. October 1787 genommenen Copie ist nun diese von K. von Weber in seinem Archiv für [17] Sächsische Geschichte Bd. VII (Leipzig 1869) S. 235 etc. abgedruckt worden. Sie lautet nebst den am Rand bemerkten Zusätzen August’s, die er selbst beigeschrieben hatte, also:

Prophezeiung des Rabbi Mardochai an den Durchlauchtigsten Churfürsten August zu Sachsen 1575 von der Zukunft des Hauses Wettin.

Adonai Sebaoth sei unsere Hülfe. Sela. Feuer und Wasser sind unentbehrlich in der Welt. Durch diese zwei Stücke wird Alles erhalten, ernährt und fruchtbar gemacht, hätte die irdische Welt die Sonne nicht, wo wollte sie leben, hätte die irdische Welt kein Salz nicht, wo wollte die Natur etwas hervorbringen. (Ich gebe dieser Rede hier Beifall. August.) Ich behaupte, daß das Feuer und Salz der erste Ursprung aller Metalle, Pflanzen und Thiere, ja gar das Leben aller Dinge sei. Der große Naturkundiger Plinius sagt mit Recht, es sey allen elementarischen Körpern nichts dienlicher und heilsamer als die Sonne und das Salz. (Ist Wahrheit. August).

Das Feuer und Salz sind göttliche Sachen, ohne welches kein geheiligtes Opfer nicht geschehen kann. Ueber und unter uns ist Feuer und Salz. Diese sind das Band aller elementarischen Körpern. Sie halten die Anfänge aller Wesen zusammen, ohne dieselben sonst Alles zergehet und die dauerhaften Mineralien gleich dem Staube aus einander fallen.

Durchlauchtigster Churfürst, Ew. Churf. Weisheit erlauben mir eine Vergleichung auf Dero theure Person mit Feuer und Salz zu machen.

Ich Mardochaeus de Nelle Rabbi spreche: Du Weisheitsvoller Fürst bist Feuer und Salz, aus welchem Dich Elohim gleich wie die ganze Welt erschaffen hat. Urium Aesch Jah wird bei uns das heiligste Feuer des Herrn genennet mit welchem das Opfer angezündet worden, welches bey unserer Vorfahren Gefangenschaft in eine Grube verwahrlich beygelegt, nach vieler Anzahl Jahre aber nicht mehr daselbst in Gestalt eines Feuers, sondern als ein dickes, zähes [18] Wasser herausgehoben worden ist. (Ist aus der heiligen Schrift bekannt. August.) Mit diesem geheimnißvollen Wasser hat man durch die Strahlen der Sonne ein großes Feuer, welches von Neuem das ganze Opfer mit dem Götzen vernichtete, wieder angezündet und das Heiligthum durch solches erneuert. Weisheitsvoller Churfürst, Du bist mit diesem Urium Aesch Jah auch zu vergleichen. Adonai hat durch Deine Person dieses so lange Zeit in verborgen gelegene geheiligte Feuer, ich verstehe den mächtigsten aus Salz und Feuer bestehenden großen Stein aller Weißheit wieder aus der innersten Grube wieder hervorbringen und durch dieses geheimnißvolle Wasser von Neuem das geheiligte Opfer anzünden lassen. (Artige Einfälle hat dieser Mann.)

O glückseliges Feuer und Salz, Durchlauchtigster Churfürst, welches anders nichts als ein geheiligtes Wasser ist, giebst Du Deinem ganzen Churfürstenthum zu trinken. (Ich thue was mir mein Gott befohlen hat und ich verantworten kann. August.) Du erquickest Deine Unterthanen als ein theurer gnädigster Landesvater damit, daß sie jauchzend singen. (Nach Gottes Willen. August.) Denn Du machest ihnen ihr Joch leichte, Du legest ihnen nicht mehr auf, als sie ertragen können, daher Dein ganzes Land jubilirt und saget: es lebe noch lange Jahre unser gnädigster Landesvater August und Landesmutter Anna, samt der jungen Herrschaft, im Segen unsers Vaters Abrahams, Israels und Jacobs.

Dieses wünsche ich Mardochäus Rabbi de Nelle von Adonay, Du allerweisester Salomon, als Sachsens Erhalter und Versorger. Wenn[2] ich aber meine Cabbalistischen Betrachtungen durchgehe, so finde ich Durchlaucht. Churfürst, daß Du bald wirst zu Deinen Vätern gesendet werden und Adonay wird Dich zu sich nehmen. (Hierzu finde mich alle [19] Tage bereit vor Gott zu erscheinen. Er wird mich und die meinigen nicht von sich stoßen. Denn solches alles steht bey Gott, er mache es mit uns, wie es ihm gefällt. August.) Dein Ehegemahl wird zwar noch eher als Du von hinnen scheiden, Du aber wirst ihr bald nachfolgen. Deine Kinder werden auch nicht lange die Chur regieren[3] und nach ihrem Abschiede wird sich auch die Herrlichkeit des großen Steins aller Weisheit mit ihnen verlieren. Deren aus ihren Lenden (entsproßenen) Nachfolger werden sich wohl um dieses Kleinod bemühen, aber Adonay will es ihnen nicht gönnen. Das goldene Säculum wird nach diesem sich in ein silbernes transmutiren, ja gar Mangel an beiden seyn. Dann in dem 17. Säculo, wird Sachsen ein hartes erdulden müssen, durch Krieg, Pest, Verfolgung und andere große unheilvolle Unglücke. Das Land wird fast verzagen wollen, aber Adonay wird es beschützen. Keine solche gute Zeit wird es wieder erleben als solche bei Deiner glücklichen Regierung gewesen ist. (Dieses wird Gott alles machen wie es sein heiliger Wille ist.) Fast zu Ende des 17. Säculi sproßt ein herrlicher Zweig von Deinem Durchlaucht. Stamm hervor. Dieser steiget mit seinem heldenmüthigen Gemüthe fast Wolken an. Er wird auch Deinen Namen führen und ein Vermehrer mit Recht genennet werden. Adonay wird ihm, nach großem Ungemach, eine königliche Krone aufsetzen lassen, und wird viele Länder ob zwar mit Verfolgung beherrschen. Die eingepflanzte Religion wird Noth leiden, doch wird solche kein Feind ausrotten können. Endlich wird er bei ziemlichen Alter mit Ruhe zu seinen Vätern gesammlet werden und als ein gerechter und großer König zu seines Gleichen[4] schlafen gelegt werden. Sein einziger Sohn und würdiger Nachfolger wird auch diesen Namen führen und eben in dieser Würde wie sein Vater mit einer Krone beglückt werden. Sein Hauß wird er groß [20] machen und viele Fürstenthümer ererben. Seine Kinder werden sich weit austheilen in mächtigen Ländern.[5] Er wird ein segensvoller Vater von Kindeskindern. Er wird dem Römischen Reiche mit besonderer Liebe zugethan seyn, doch dabei die dreifache Krone über alles beehren. (Er behüte solches, damit der Papst in unsern Landen nichts einführen darf. August.) Er wird viele Neuerungen mit großen Schatzungen, in seinen Landen, zu gewaltigen Schaden derer Unterthanen anlegen, worüber er das Land seufzen macht. (Das Seufzen der Gerechten höret Gott. August.) Denn diese Satzungen kommen ihm nicht zum Segen, sondern er wird ein Scheußal anderer Länder, denn sein Einkommen ist doch nicht hinlänglich und muß andere Länder um Vorschuß ansprechen. Die Religion leidet Noth mit dem Lande, aber Adonay siehet darein, kommt dem Lande zu Hülfe, verkürzet dieses Regenten Tage und wird wenig Gutes von ihm geredet und gehöret werden (Gott verhüte dieses alles, wie wir hoffen wollen. August.) Sein Nachkömmling[6] wird keine Königliche Krone tragen, doch wird er besser als sein Vater, obgleich nicht so lange, im Frieden regieren. Die Last der Unterthanen wird dessen Nachfolger in etwas erleichtern, auch vor sein Geschwister getreu sorgen. Es wird sich eine Unruhe bei seiner Regierung hervorthun, welche aber von keiner Dauer seyn wird. Die bösen Buben wird er ausrotten und allerwege rechte heillose Haußhalter in den Aemtern ab- und wegschaffen, wozu ihm etliche gewaltige Freunde zum Besten des Sachsens rathen und ihn schützen werden, damit er nicht mit Gift[7], wie seinem Vater auch widerfaren, möge hingerichtet werden. Er wird Spuren von dem großen Schatz der Weißheit zwar sehen, doch nicht denselben nach der Vollkommenheit besitzen. (Dieses sind nur Muthmaßungen. August.) [21] Sachsen wird nach und nach eingehen wollen; aber ehe Adonay sein Reich mit dem Untergang dieser aus Feuer und Salz bestehenden Welt anfähet, wird doch noch eine geringe, vor Adonay aber große Person sich einstellen, und das goldene Säculum nach den Jahren der Monathe wieder eingeführt werden, welches der letzte Regent von Deinem Churstamme, Weißheitsvoller Churfürst August, seyn, und solches ebenso wie Du vollkommen in dem Segen Adonay nebst vielen derer Unterthanen besitzen wird. Ich kehre mich aber von meiner Cabbalistischen Schreibart und bitte voller Demuth und Gnade, weil mein Geist, aus welchem ich vorstehendes geschrieben, mich keiner andern Redensart zu bedienen erlaubet hat. Das Gute, so ich prognosticiret, geschehe, das Böse aber wende Adonay ab.[8] (Das helfe uns der Gute Gott. Amen. August.)

Ich Mardochäus de Nelle beklage, beweine und betrübe mich, daß die Herrlichkeit dero ganzen Lands künftig je mehr und mehr wieder abnehmen, alles Geheimniß verschwinden, ja von dieser größten Glückseligkeit wird nicht eine Spur mehr zu sehen noch zu erfahren seyn. Die zur Nachricht aufgesetzten Schriften werden nach und nach geraubet, ja in fremde Länder verkauft werden, dieses machet der Unsegen, welcher durch ungerechte Haushaltung, nebst Verschwendung des göttlichen Segens, Unterdrückung derer Unterthanen, große Schatzungen und Ungerechtigkeiten, weil alles Recht darniederliegt und jeder von den Richtern auf seinen eigenen Nutzen siehet, auch die Armen nicht gehört werden, zugeführet wird. Denn Adonay hat einen Greuel an solchen Rotten. Es werden grausame gefährliche Zeiten nach Ew. Churfürstl. Gnaden Versammlung zu unsern Vätern sich in Dero Erbländern hervorthun, böse Regenten werden den Segen Gottes mit Uebermaaß verschwenden. Was sie übrig lassen, wird Kriegsunruhe, Theuerung nebst andern Plagen auffressen. Die Unterthanen werden um ihr wenig Uebriggelassenes kommen und aufgerieben werden. Benachbarte [22] Völker mit andern Fremden, die solche verjagen wollen, werden das Land einnehmen und verwüsten, ja sogar den Besieger stürzen und aus dem Lande treiben. Die Unterthanen werden flüchtig werden und suchen Erretter in ihren größten Nöthen, denn da ist Niemand als Adonay, der sie von diesen Plagen wird befreien können. Lange nach Ew. Churf. Gnaden Versammlung zu ihren Vätern werden die Sturmwetter groß seyn über Sachsenland. Der gekrönte Löwe aus Mitternacht[9] wird in das Land einfallen und sich darin satt fressen, bei dem einen Regenten. Bei dessen Nachfolger aber wird es vollends gar aus werden und ein mächtiger schwarzer Adlerskönig[10] wird das Garaus machen und statt der Hülfe viel Noth und Plage bringen. Es wird geschehen, ja es wird geschehen, denn der Hochmuth, Stolz und Pracht und Unterdrückung derer Unterthanen wird diese zukünftigen Regenten stürzen, sie werden Zuflucht bei andern Ländern nehmen, werden solche auch mit Noth erhalten, aber deren unschuldigen Unterthanen wird es höchst schädlich seyn.[11] Sie werden vor Noth und Angst nicht wissen, wo und wie sie ihr Leben mehr zubringen und fristen sollen. Adonay wird sich aber doch wieder über das Land erbarmen und nach heftigem Blutvergießen die Sonne seiner großen Kraft wieder helle scheinen lassen. Schwarze Farbe ist gefährlich vor Sachsen, aber die blaue noch gefährlicher. Adonay verhüte, damit das Land nicht in zukünftigen Zeiten mit solcher bekleidet werden möge, denn es hat zu viel Andenkens.


  1. Die öffentliche kurfürstl. Bibliothek befand sich von 1728–1786, wo sie ins Japanische Palais gebracht ward, im Zwinger und neben derselben auch eben jene Hausbibliothek.
  2. Von hier an fängt der Abdruck an in der Gallerie alter und neuer Propheten. Zeitz 1804. S. 104 (eing. Bd. VIII. von Adelung, Gesch. d. menschl. Narrh.) u. in d. Merkwürd. Prophezeiungen a. d. christl. Ihdten. Lpzg. (1807). Bd. II. S. 51. fgg.
  3. Kurfürstin Anna † 1. Oct. 1585, Kurfürst August † 11. Febr. 1586, ihr Sohn Christian I. † 25. Septbr. 1591. Acht Söhne starben vor K. August’s Tode.
  4. In Krakau ist August I. begraben.
  5. Maria Amalie heirathete König Karl III. v. Spanien 1738, Maria Anna 1747 Max Joseph Churfürst v. Baiern, Maria Josepha 1747 den Dauphin v. Frankreich und Albert Christian Kaiser Franz I. Tochter
  6. Friedrich Christian regierte nur v. 5/10-17/12 1763.
  7. bezieht sich auf den von der Mutter Friedrich August’s gegen diesen angeblich unternommenen Giftmordversuch, was freilich nie bewiesen ward.
  8. Soweit der Abdruck in d. Galler. d. neuen Propheten u. in d. Merkw. Prophez.
  9. Karl XII. König von Schweden.
  10. Friedrich II., König von Preußen.
  11. K. v. Weber. S. 240 etc. ist nur des Styls wegen zweifelhaft über die Aechtheit der Prophezeiung. Adelung, Gall. d. N. Proph. am Schlusse d. Abdr. glaubt, sie sey ein nach der Aemterreformation (1784-93) von einem Christen abgefaßtes Machwerk. Dies ist jedoch unmöglich, da Hauber, Bibl. Mag. Bd. II. S. 404 fgg. bereits im J. 1739 sie aus einem weit älteren Werke citirt. Der obgedachte Traum steht übrigens auch bei Hasche, Anecd. z. Sächs. Gesch. Bd. II. S. 67-70. (S. a. Hilscher, Reform. Jubelpredigt 1717. S. 335.)