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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Todtenkopf zu Batzdorf
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 66-69
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[66]
62) Der Todtenkopf zu Batzdorf. (Drei Sagen.)

Mündlich. Poetisch behandelt von Hofmann, das Meißner Niederland. S. 585. sq. und von Ziehnert Bd. III. S. 19 sq., der aber die Begebenheit in das ebenfalls zu Scharfenberg gehörige Vorwerk Pegenau setzt. In Prosa erz. v. Winter in d. Constit. Zeit. 1852. 31. Octbr. S. 1043 etc.

Auf dem Rittergute Batzdorf, welches auf steiler Höhe [67] zwischen Siebeneichen und Scharfenberg liegt, sieht man in dem sogenannten Kornhause, einem Wirthschaftsgebäude, einen verwitterten, an eine Kette angeschlossenen Todtenkopf in einer schrankartigen Vertiefung stehen, von dem folgende schaurige Geschichte erzählt wird. Es versah im dortigen Rittergute einst ein Ochsenjunge[1] einige Zeit die Stelle eines Küchengehilfen und zeigte sich stets als einen anstelligen, ordentlichen Arbeiter. Da kommt eines Tags dem Koche ein silberner Löffel weg, und da er sich nicht wiederfindet, so schöpft man Verdacht auf den Jungen, bringt ihn auch, da er nichts gestehen will, auf die Folter, und als er hier vor Schmerzen sich schuldig bekennt, wird er zur Hinrichtung verurtheilt. Als er nun auf dem Schaffot steht und der Nachrichter sich bereitet, seine Pflicht zu thun, da ruft jener nochmals Gott zum Zeugen seiner Unschuld an und bittet ihn, zum Beweise, daß er ungerecht verurtheilt worden sei, sein Haupt niemals aus jenem Hause entfernen zu lassen. Wie nun sein Kopf gefallen und mit dem Körper, wie man meinte, weggebracht worden war, da findet man plötzlich den erstern in der Küche, wo jener Diebstahl vorgefallen war, wieder, und obgleich man ihn viele Male wieder eingegraben, ja sogar in die Elbe geworfen, immer stand der Kopf den andern Tag wieder an seinem frühern Orte, bis man endlich es aufgab, ihn los zu werden und ihn in jener Nische einmauerte. Uebrigens entdeckte man kurz nach der Hinrichtung des Unglücklichen den wahren Dieb, indem der Dachdecker bei Ausbesserung der Esse ein Elster- oder Rabennest fand, in welchem der diebische Vogel das gestohlene Gut versteckt hatte.


[68]
Segnitz Bd. II. S. 346 sq.

Im siebenjährigen Kriege kam hierher ein Trupp Croaten, der das Schloß und Dorf vollständig ausplünderte und mit anderer Beute auch den Schädel mit fortnahm. In ihrem Lager an der Elbe angelangt, fingen sie an, von dem Geraubten tüchtig zu schmaußen, und belustigten sich auch damit, den Todtenkopf herumzukollern und ihm Wein einzufüllen. Siehe da schmetterte eine unsichtbare Faust die Frevler zu Boden, und schaudernd erkannten sie, was sie gethan hatten; sie näherten sich voll Angst dem furchtbaren Schädel, hoben ihn behutsam auf und trugen ihn unter Gebet an seinen alten Ort, die Nische in der Mauer, zurück, wo er noch steht.


Sieckel, Nachr. v. Poltergeistern und gespenstigen Erscheinungen. Quedlinb. 1761. Th. I. S. 46. sq. erzählt die Sache anders also:

„Es sind wohl 18 Jahr her, daß ich in meiner Jugend nach Meißen in Sachsen und vor einem Dorfe, mit Namen Paatzdorf, vorbeigereist bin. Hier wurde mir auf der rechten Seite ein nahe an der Elbe liegendes Weinberg’s-Häuschen von einem Bekannten des Orts, welcher bei mir in der Kutsche saß, gezeigt und für ganz glaubwürdig erzählt, welchergestalt vor Zeiten zwei Brüder daselbst mit einander in ein Duell gerathen, worinnen einer den andern um das Leben gebracht, auch der Entleibte daselbst begraben worden. Nach Vermoderung des Körpers wären dessen Gebeine, weil sie nicht tief verscharret gewesen, bei Zubereitung des ansehnlichen Weinberges wieder ausgegraben, mithin der Todtenkopf auch mit zum Vorschein gekommen. Dieser, ob er gleich von dem Winzer oder dem Weinbergs-Eigenthümer etliche Male in die nahe vorbei fließende Elbe geworfen, so ist er demohngeachtet dennoch wieder kurz darauf sichtbarlich an seinem Ort im Weinberge gefunden worden. Weil er nun zu des Eigenthümers Bewunderung jedesmal wieder an seinem vorigen Orte zu sehen und von da auf keine Art hinwegzubringen gewesen, so hat der Herr des Weinberges ein Häuschen auf [69] derjenigen Stelle, wo er gelegen, aufzubauen resolviret, auch nach dessen Bau ein Schränkchen verfertigen lassen, allwo erwähnter Todtenkopf bis diese Stunde verwahrlich beibehalten wird. Ich selbst bin curiös gewesen, und habe auf meiner damaligen Rückreise, um den Weinberg nebst dem Häuschen in Augenschein zu nehmen, den Eigenthümer ersucht, mir solches öffnen zu lassen, welches auch willig geschah, auch darauf den gemeldeten Todtenkopf in dem beschriebenen Behältnisse des Weinbergshäusleins mit einem Tüchlein bedeckt gefunden und demnach diese Geschichte, wie ich sie hier annotiret, für gewiß erzählen hören.“


  1. Nach einer andern Sage war es der Sohn eines Freundes des Burgherrn, den dieser nach dem Tode seines Vaters bei sich aufgenommen hatte und seinem eigenen Sohne vorzog, der dann aus Rache den Siegelring seines Vaters entwendete und in die Truhe des fremden Junkers verbarg. Das Weitere stimmt überein, nur daß noch hinzugefügt wird, der verrätherische Jüngling habe, als er den Todtenkopf, der nicht wieder weichen wollte, beständig vor Augen gehabt, aus Verzweiflung seinem Leben durch einen freiwilligen Sprung vom Felsen herab ein Ende gemacht.