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Titel: Der Tod des Herzogs von Sussex
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aus: Illustrirte Zeitung, Nr. 3 vom 15. Juli 1843, S. 35–37
Herausgeber: Johann Jacob Weber
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Entstehungsdatum: 1843
Erscheinungsdatum: 1843
Verlag: J. J. Weber
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: MDZ München, Commons
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Der Tod des Herzogs von Sussex.

Wenige Tage, bevor im Buckingham-Pallaste, der prachtvollen Residenz der Könige von England, die zweite Tochter der liebenswürdigen Beherrscherin dieses Riesenreiches geboren wurde, verschied eines der würdigsten und beliebtesten Mitglieder des königlichen Hauses, Prinz

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Illustrirte Zeitung (1843) 03 004 1 August Friedrich Herzog von Sussex.PNG

August Friedrich Herzog von Sussex.

Geboren am 27. Januar 1773, war er der sechste Sohn des Königs Georg III., der zwar schon 1764 einmal geistesunpäßlich gewesen, jedoch erst 1788 völlig geisteskrank wurde. König Georg IV. und König Wilhelm IV. von England, der Herzog von York, der Herzog von Kent – Vater der Königin Victoria – und König Ernst August von Hannover waren ältere Brüder, der Herzog von Cambridge ein jüngerer Bruder des Herzogs von Sussex, der auch mehre Schwestern hatte.

Sein Vater konnte ihn nie leiden. Georg III. hatte einen festen, thätigen Charakter und kannte die Furcht nicht. Des Herzogs v. Sussex Charakter war nur beharrlich in Unthätigkeit; auch besaß er viel Selbsterhaltungstrieb. Beide hatten gute Seiten, aber ihre Naturen waren unverträglich. Da der König die einzigen Eigenschaften, welche er zu würdigen wußte, bei seinem Sohne nicht fand, verachtete er ihn. Seine Brüder wurden sämmtlich zur Schau erzogen. York, Kent, Cumberland und Cambridge mußten in der Armee, Clarence, nachmals Wilhelm IV., auf der Flotte dienen. Den Herzog von Sussex ließ man nach Herzenslust in Göttingen und Rom sich ergehen. So erlangte er, der Einzige von seinen Brüdern, schon in seiner Jugend eine solche Geistesbildung, daß er später im Leben mit Gelehrten und Künstlern auf eine für sie schmeichelhafte, für ihn ehrenvolle Weise verkehren konnte.

Die Prinzen Ernst August und Adolph Friedrich begleiteten den Herzog von Sussex 1796 nach Göttingen, wo Mayer sie im Deutschen, Heyne im Lateinischen, Feder in der Moral unterrichten sollten. Seine Brüder blieben indeß nicht lange dort und nur Prinz August Friedrich setzte seine Studien fort, bereiste dann Deutschland, ging später nach Italien und lebte 1792 und 1793 im vertrauten Umgange mit Papst Pius VI. zu Rom.

Illustrirte Zeitung (1843) 03 004 2 Das Innere der Universitätskirche in Göttingen.PNG

Das Innere der Universitätskirche in Göttingen.

Während der Prinz in Rom war, befand sich auch der katholische Graf Dunmore aus Schottland mit seiner Familie dort. Lady Auguste Murray, seine zweite Tochter glänzte in den Gesellschaftskreisen, die der Prinz besuchte, durch persönliche Liebenswürdigkeit und geistige Anmuth. Obwol sie einige Jahre älter war als er, gewann sie dennoch seine Zuneigung in dem Grade, daß er sich im 21. Lebensjahre mit ihr vermählte. Diese Ehe erhielt 1793 am 4. April zu Rom und am 5. December zu London in der St. Georgenkirche die kirchliche Weihe; da sie aber gegen das Hausgesetz der königlichen Familie verstieß – Stat. 12. Georg III. c. 11 von 1772 –, wonach sich kein Abkömmling Georgs II. mit Ausnahme der Nachkommen auswärts vermählter Prinzessinnen ohne vorgängige Genehmigung des Königs verheirathen darf, so ließ die Regierung dieselbe durch das bischöfliche Gericht für nichtig erklären, obwol der Prinz sich erbot, auf alle ihm als Mitglied der königl. Familie zustehenden Rechte Verzicht zu leisten. Lady Auguste Murray trennte sich von ihm, lebte einige Jahre zurückgezogen in England, erhielt 1806 von der Regierung den Titel einer Gräfin von Ameland und starb 1830 zu Rom.

Aus der Ehe mit Lady Auguste Murray leben dem Herzog von Sussex zwei Kinder, ein Sohn und eine Tochter. Der Sohn, Oberst Sir Augustus d’Este, hat mehre Schriften veröffentlicht, um nachzuweisen, daß er in denjenigen Theilen des brittischen Reichs, wo das Hausgesetz der Königl. Familie keine Geltung hatte, namentlich in Hannover, beim Aussterben der ältern Linien zur Thronfolge berechtigt sei, zumal auch Lady Murray’s Mutter, eine Tochter des Grafen Galloway, als Nachkomme Heinrichs VII. aus dem englischen Königshause abstammt. Klüber hat in Deutschland in seinen Abhandlungen und Beobachtungen sich zu derselben Meinung bekannt, wogegen Zachariä, dessen Rechtsgutachten jedoch bisweilen käuflich waren, sich zu der entgegengesetzten Ansicht bekennt.

Nach der Trennung seiner Ehe ging der Prinz zuerst wieder nach Italien, besuchte dann die Schweiz, lebte hierauf zwei Jahre zu Berlin und ein Jahr zu Lissabon. Am 27. November 1800 wurde er unter den Titeln Baron von Arcklow, Graf von Inverneß und Herzog von Sussex zum Pair des Reichs erhoben und das Parlament bewilligte ihm eine Apanage von jährlich 12000 L., die später noch um 9000 L. vermehrt wurde. Er bestimmte 8000 L. davon für Lady Murray und zahlte außerdem seine Schulden ab, die sich bereits auf 100,000 L. beliefen. Dadurch blieb er aber auch fortwährend in Geldverlegenheiten und pflegte der Ersparniß wegen einen Theil des Jahres auf Besuch bei seinen Freunden unter dem reichen Adel zu leben.

Am 2. Mai 1831 vermählte der Herzog von Sussex sich zum zweiten Mal mit Cäcilie Gore, einer Tochter des Grafen von Arran, die schon von 1815 bis 1825 in erster Ehe mit Sir Georg Buggin gelebt hatte. Der König erlaubte ihr bei der Vermählung, sich statt Buggin nach dem Geburtsnamen ihrer Mutter Underwood zu nennen, und die Königin Victoria verlieh ihr 1840 mit dem Titel einer Herzogin von Inverneß die in England auch für Frauen mögliche Pairswürde.

Nach einem lange im Gleichmaß hinfließenden Leben, dessen politische Wirksamkeit eine wesentlich berathende war, starb der Herzog von Sussex am 21. April 1843, Mittags nach 12 Uhr im Schlosse von Kensington in den Armen seiner Gemahlin und umgeben von seinen Hausbeamten und Dienern. Nach einer ausdrücklichen Anordnung in seinem Testamente wurde sein Körper secirt und der ärztliche Befund öffentlich bekannt gemacht. So genügte der Herzog von Sussex einer Erklärung, die er bei der Berathung einer Bill, wodurch dem Studium der Anatomie die ihm vom Vorurtheil in England versagten Leichen zugewendet werden sollten, schon 1834 im Oberhause gethan hatte, daß er selbst seinen Körper einer öffentlichen Anstalt widmen werde. Zum Begräbnißplatze hatte er sich, statt der Gewölbe in der Königsgruft zu Windsor, die luftigen Höhen des öffentlichen Kirchhofs von Kensalgreen gewählt, damit seine Gemahlin, von keiner Etikette ausgeschlossen, dort einst an seiner Seite ruhen könne. Dieser Kirchhof, auf dem seit seiner Anlage im Jahr 1832 bereits über 6000 Familiengräber errichtet worden, war dem Herzog von Sussex besonders theuer,

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Illustrirte Zeitung (1843) 03 005 1 Prinz August Friedrich nach einem Gemälde von West.PNG

Prinz August Friedrich nach einem Gemälde von West.
Die Mitte der Gruppe nimmt der verstorbene Herzog von Sussex ein, zu seiner Linken steht der Prinz Ernst August, jetziger König von Hannover; zur Rechten sitzt auf dem Schoße seiner Schwester, der Prinzessin Augusta Sophia, Prinz Adolph Friedrich, jetziger Herzog von Cambridge.

weil dort ein deutscher Freund von ihm, Graf Schulenburg, ruhte, der auf einer Besuchsreise in England plötzlich starb und dem er selbst eine Grabstätte ausgewählt hatte. Die Königin gewährte den Wunsch ihres Onkels und so wurde dieser nach einer achtstündigen Ausstellung auf dem Paradebette am 4. Mai Vormittags unter Begleitung des Prinzen Albert, des Herzogs von Cambridge, des Erbgroßherzogs von Mecklenburg-Strelitz, der Minister und einer zahlreichen freiwilligen Leichenbegleitung ohne übertriebenen Prunk auf dem Kirchhof von Kensalgreen in einem Gewölbe beigesetzt, bis das ihm bestimmte Grabmal vollendet ist.

Illustrirte Zeitung (1843) 03 005 2 Die letzten Augenblicke des Herzogs von Sussex.PNG

Die letzten Augenblicke des Herzogs von Sussex.

Die Persönlichkeit des Herzogs von Sussex fiel sehr in die Augen. Er war einer der längsten und stärksten Männer in England und hatte 6 Fuß 31/2 Zoll nach dortigem Maß. Auch sein Gesicht war voll und rund, zeigte selbst im Greisesalter kaum eine Runzel und trug das Gepräge der Gutmüthigkeit. Ohne Hofmanieren, war sein Benehmen doch würdig und angemessen. Seine Verdienste als Beschützer von Kunst und Wissenschaft und als Beförderer jeder wohlthätigen Unternehmung sind des höchsten Ruhmes werth, und kommen wir darauf wol später wieder zurück.

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