Der Stein auf dem Markte in Budissin (Grässe)

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Stein auf dem Markte in Budissin
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 118–119
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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733) Der Stein auf dem Markte in Budissin.
Böhland a. a. O. S. 78 sq. C. Wilke, Chronik der Stadt Budissin. Bd. (1843) 8. S. 57. sq. Grosser, Oberlaus. Merkw. Theil I. S. 105. Poetisch beh. v. Ziehnert. Bd. I. S. 241. sq.

Am 29. Mai 1405 ist von den Bürgern der Stadt Bautzen ein Aufruhr gegen den damaligen Stadtrath erhoben und derselbe vertrieben worden. Darauf haben die Empörer, unter denen besonders die Tuchmacher die Schlimmsten waren, einen neuen Rath eingesetzt. Zwar versuchte der böhmische Landvoigt auf Schloß Ortenburg die Ordnung wieder herzustellen; allein dies geschah nur oberflächlich, und der Geschäftsgang und die gewerbliche Betriebsamkeit in der Stadt lag gänzlich danieder. Da ist der König Wenzel von Böhmen am 30. September 1408 mit seiner Gemahlin Sophie selbst nach Budissin gekommen, um Ordnung zu machen, hat beide Parteien auf das Rathhaus, wohin er sich begab, beschieden, und sich mit folgenden Worten auf den Stuhl des Bürgermeisters gesetzt: „Hier sitze ich, der ächte Bürgermeister, wer etwas zu klagen hat, der thue es!“ Nun erschien der alte und neue Rath vor dem König, und nachdem der neue nach den deshalb angestellten Erörterungen als schuldig befunden worden war, ließ er denselben in ein Nebenzimmer führen, wo drei Henker die Schuldigen in Empfang nahmen und ihnen die Hände auf den Rücken banden. Hierauf wurden aus der Stadtgemeinde diejenigen herbeigeholt, welche am Meisten bei dem Aufruhr betheiligt gewesen waren, und eben so behandelt, wie der von ihnen eingesetzte Rath. Als nun der König den alten Magistrat wieder installirt hatte, [119] ließ er jenen ihr Urtheil vorlesen, und zwar lautete dasselbe für nicht weniger als 100 auf das Schwert. Die Verurtheilten wurden gebunden auf den Marktplatz geführt, und der Henker begann sein schreckliches Amt, nachdem der König durch das ohrenzerreißende Geschrei und Wehklagen der Weiber und Kinder der dem Henkerschwerte Verfallenen sich nicht zur Milde hatte stimmen lassen. Schon waren nicht weniger als 14 Köpfe gefallen, da rief die Gemahlin des Königs, die am Markte in dem Hause des Fleischhauers Lucas der Hinrichtung zusah, gerade als der Scharfrichter bei dem fünfzehnten ausholte: es ist genug! und ihr Gatte ließ sich durch ihre Bitten bewegen, den Uebrigen das Leben zu schenken, doch mußten sie mit Weib und Kind sofort auswandern. Auf dem Wassertroge des Budissiner Marktes befindet sich noch jetzt eine steinerne Platte, auf der angeblich die Hinrichtung stattgefunden haben soll, doch ist dies eben so wenig gewiß, als daß auf dem Richtschwerte die Namen der 14 Hingerichteten eingravirt worden seien. Auf dem Rathhause befindet sich nämlich letzteres noch heute, aber jene Namen sind nicht darauf.