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Der Spuk der Geistermaschine bei dem ungebildeten Volke

Textdaten
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Autor: Dr. H. Kneusel
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Titel: Der Spuk der Geistermaschine bei dem ungebildeten Volke
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 152-153
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[152]
Der Spuk der Geistermaschine bei dem ungebildeteren Volke.
Von Dr. H. Kneusel.

In Nummer 1 der Gartenlaube fand ich zu meiner Freude einen Artikel: „Magier und Geister in Berlin“, von E. Kossak, über die jetzt nicht nur in Deutschland, sondern in fast ganz Europa alle Gemüther verwirrende Geisteskrankheit des sogenannten Geisterklopfens, Geistercitirens oder der Psychographie, wie es mit dem neuern Kunstausdrucke benannt wird. Da aus diesem Artikel hervorgeht, daß der Herr Verfasser noch nicht Gelegenheit gehabt hat, sich mit diesem Geisterspuk, wie er unter dem ungebildeteren Volke eine ernsthafte Wendung zu nehmen beginnt, näher bekannt zu machen, so dürfte es vielleicht für Manchen, der erwähnten Artikel gelesen hat, interessant sein, noch einiges Weitere und Genauere als Fortsetzung dazu zu erfahren.

Ich bin ein Bewohner der Grenzen von Thüringen und dem Osterlande, und kann mich daher nur auf Erlebnisse beschränken, wie ich sie hier und in der Umgegend seit ungefähr sechs bis acht Wochen erlebt habe und, ich muß leider sagen, noch erleben muß.

Die zu besprechende Manie hatte, wie in ganz Europa nach dem Vorgange von Amerika, so auch hier vor sechs bis sieben Jahren seinen ersten Ursprung in dem sogenannten Tischrücken. Da gab es wohl kein Haus und keine Familie mehr, wo nicht ein alter dreibeiniger runder Tisch seine Tanzkunst entwickeln mußte; man brachte ihn sogar durch anhaltende Anstrengungen dahin, daß er durch Klopfen zwar dunkele, aber doch von klugen Leuten zu deutende Orakelsprüche spendete. Auf dem Lande wurden in den Rockenstuben die Spinnräder bei Seite gesetzt und um den runden Tisch eine geheimnißvolle Kette gebildet; in den Kaffee- und Theegesellschaften der Städte war Gegenstand der Unterhaltung und Handlung das Tischrücken. Schade nur, daß das Tischchen nicht zu sprechen und nur Bruchstücke von seiner Weisheit mitzutheilen vermochte. Doch was erfindet nicht Alles der menschliche Scharfsinn! Hatte der Tisch gleich kein Sprachorgan, um zu sprechen, hatte er keine Hände, um schreiben zu können, so hatte er doch drei Beine, die sich vielleicht, wie man schon auch bei Menschen ohne Hände gesehen hatte, zum Schreiben abrichten ließen. Gedacht, versucht. Man baute zur größern Bequemlichkeit ein kleines, rundes Tischchen, einen halben Fuß hoch, einen halben Fuß im Durchmesser, und band an eines der drei Beine einen Dolmetscher des weisheitsvollen Tischchens, d. h. einen gut gespitzten Bleistift. Das damit versehene Tischchen stellte man auf einen Bogen glattes mit vier Nadeln auf einem großen viereckigen Tisch befestigtes Papier, und begann nun damit die gewöhnlichen Operationen des Tischrückens. Man legte Fragen vor, und siehe da, welches Erstaunen, welche Freude, welcher heilige Schauer! Das Tischchen fängt an, sich zu bewegen, der Bleistift fängt an zu schreiben; er schreibt Buchstaben, Zahlen, Wörter, ganze Sätze und steht wieder still. Die Worte, Zahlen, Sätze sind leserlich, wenn auch ein wenig ungelenk. Sie werden gelesen und passen auf die Fragen, daß selbst das Orakel zu Delphi nicht passender hätte antworten können.

Ich selbst habe bei einem Besuche in einer kleinern Stadt, als ich von einem Freunde in eine sehr geachtete Familie zur Abendgesellschaft eingeführt wurde, dieses Manöver mit angesehen. Ich erstaunte natürlich auf’s Höchste, als das um Auskunft befragte, von einer Dame und zwei mit dieser geheimnißvollen Sache noch ganz unbekannten Herren mit den Fingerspitzen berührte Tischchen Antworten gab, die nicht besser passen konnten. Besonders die Damen bekamen auf ihre sich meist auf die Zukunft beziehenden Fragen Antworten, die allgemeine Heiterkeit erregten.

Nur einen Fall will ich erwähnen, der alle Anwesenden in Erstaunen setzte. Es wurde von einer Dame gefragt: „Wo bleibt Herr H., daß er nicht gekommen?“ (Herr H. wohnte, beiläufig bemerkt, in der Nebenstraße, 2. Etage). „Zu Hause,“ war die Antwort. „Was macht er?“ „Geht auf und ab und raucht Pfeife dazu.“ „Wird er noch kommen?“ „Nein.“ Des Spaßes wegen, um sich von der Wahrheit oder Unwahrheit zu überzeugen, erbot sich Einer aus der Gesellschaft, sogleich zu Herrn H. zu gehen und zu sehen, was er mache. Er eilt zu ihm, und siehe da – er spaziert gemüthlich in seiner warmen Stube auf und ab und verbreitet aus seiner Meerschaumpfeife einen dicken Dampf um sich. Auf die Frage, warum er nicht komme, antwortete er, er sei nicht eingeladen; und richtig war die Einladung ihm von der Dienstmagd zu übergeben vergessen worden. Jetzt aber hatte er nichts Eiligeres zu thun, als unsere Abendgesellschaft noch zu besuchen und seine mit dem Ausspruch des Tischchens genau übereinstimmende Thätigkeit zur allgemeinen Belustigung mitzutheilen.

Mit den Zahlen, die das Tischchen stets sehr bereitwillig angab, war dasselbe, so wie sich schon die besten Rechner verrechnet haben und auch die besten Prophezeiungen berühmter Propheten nicht immer auf’s Jahr eingetroffen sind, nicht so genau. Nachdem es schon oft mit Zahlen geantwortet hatte, machte ich mir den Spaß und fragte: „Welche Nummer der Leipziger Lotterie wird in der nächsten letzten Classe das große Loos gewinnen?“ Kaum hatte ich die Frage beendet, als auch schon der verhängnißvolle, jetzt Glück in Ueberfluß andeutende Tischbeinbleistift ganz deutlich die Zahl 1080 auf’s Papier schrieb. Wir Alle schauten einander erstaunt an, und die drei erwähnten Leiter des Tischchens waren die ersten, welche den Vorschlag machten, des Spaßes wegen diese Nummer zu spielen. Sie hatten sich dieselbe, wie ich später erfuhr, wirklich noch aus Leipzig zu verschaffen gewußt, und als die letzte Ziehung, vielleicht unter Herzklopfen der Spielenden, gekommen war, wurde gehofft und geharrt; und siehe da, die gespannten Spieler erhielten schon am Tage nach dem Schlusse der Ziehung die mit Blitzeskraft zerschmetternde Nachricht: Nummer 1080 – eine Niete. Sie erlassen mir wohl, alle die merkwürdigen Fälle mitzutheilen, die da erzählt und wiedererzählt wurden.

Man mußte sich den Anschein geben, als wenn man es glaubte, wenn man die Erzähler nicht dadurch, daß man sie für Lügner oder Betrogene hielt, schwer beleidigen und sich als Ungläubiger bei ihnen nicht verhaßt machen wollte. – Als Merkwürdigkeit muß ich noch erwähnen, daß das Tischchen – ich weiß nicht, warum – wenn ich in lateinischer, französischer oder sonstiger fremder Sprache fragte, zwar anfing, sich zu bewegen, aber anstatt Buchstaben über den ganzen Bogen Papier einen langen Querstrich machte.

War das bloße Tischrücken die erste Periode jener die Köpfe verwirrenden Manie gewesen, so war dieses Tischfragen und Tischschreiben die zweite Periode. Jetzt aber ist, wie schon im vorigen Aufsatz erwähnt worden, besonders, wie es scheint, durch den glücklichen, vielgepriesenen Einfall des Herrn Hornung und auf Grund eines in Leipzig im Druck erschienenen Büchleins, eine dritte Periode eingetreten. Ich habe das Büchlein nicht selbst in den Händen gehabt, hielt es auch nicht für der Mühe werth, davon Einsicht zu nehmen, sondern kenne es nur vom Hörensagen. Sein Titel ist, wie mir mitgetheilt worden: „Ehestandsbüchlein vom Geisterklopfen. Unumstößlicher Beweis der Seelenfortdauer nach dem Tode.“

Es ist jetzt durch dieses Buch in unserer Gegend, besonders auf dem Lande, eine Verwirrung der Geister und Gemüther eingetreten, die Einen wahrhaft anwidert. Die ganze Sache, die bisher nur zur Unterhaltung und in Familienkreisen getrieben wurde, fängt jetzt an, einen religiösen, schwärmerischen Charakter anzunehmen. Wo man nur hinkommt, bildet dieser Geisterspuk das gewöhnliche Gespräch; es geht Einem ein unheimliches Grauen, ja ein Ekel an, wenn man von weiter nichts, als von derartigen wunderbaren, mit größtem Ernste und unter stillster Aufmerksamkeit erzählten Geisteroffenbarungen hören muß, deren Jeder einen ziemlich großen Vorrath auszukramen weiß.

Die Einrichtung des Instruments, womit diese Geistercitation – denn eine solche ist es jetzt wirklich, da die Geister von Verstorbenen persönlich erscheinen und durch das Instrument zu den Sterblichen reden – jetzt betrieben wird, der „Geistermaschine“, wie man sie nennt, ist die im vorigen Artikel beschriebene storchschnabelartige. Diese Geistermaschine wird nach Vorschrift jenes Büchleins auf einen Bogen weißes Papier, ein Bret oder dergleichen gestellt. Das Papier oder Bret ist mit verschiedenen Hieroglyhen beschrieben. Oben an steht: „††† Gott mit uns“. Es folgt die erste Hälfte des Alphabets. Darauf die Worte: „Im Namen des Vaters“ …. u. s. w. Dann die zweite Hälfte des Alphabets. Hierauf die Worte: „Gott wende von uns ab alle bösen Geister.“ Schließlich folgen die Zahlen 1–0.

[153] Die Geistermaschine auf dem so beschriebenen Papier oder Bret wird nun auf dem Tische aufgestellt. Eine dazu besonders fähige und ausgewählte Person legt die Fingerspitzen darauf, und das Manöver beginnt. Die erste Frage, die nun gestellt wird, ist: „Ist was da?“ Die Storchschnabelgeistermaschine antwortet nun durch Zeigen auf die einzelnen Buchstaben in der Regel: „Ja.“ Der Geist ist also nun erschienen. Es wird weiter gefragt: „Wer bist du?“ Der Geist antwortet jetzt durch seinen Dolmetscher offenherzig seinen Namen, befiehlt darauf sehr häufig, ein bestimmtes Capitel aus der Bibel oder ein Lied aus dem Gesangbuche zu lesen. Dies wird gethan, und der Geist fängt nunmehr an, auf die an ihn gestellten Fragen weiter zu antworten. Merkwürdig ist es, daß, sobald sich unter den Zuschauern oder Fragenden Einer befindet, der als „Ungläubiger“ bekannt ist oder sich während der Handlung als solcher zu erkennen gibt, der Geist denselben hinwegzugehen auffordert, oder seine Orakelsprüche einstellt. Den Grund dieses Trotzes kann ich mir sehr wohl denken, will ihn aber, aus Furcht, mir den Haß der „Gläubigen“ zuzuziehen, nicht kundgeben.

Wegen dieses Geistertrotzes ist es mir leider bis jetzt noch nicht recht gelungen, einer solchen eigentlichen Geisterorakelspruchspendung in der Nähe beizuwohnen, daher kann ich meine Mittheilungen zum Theil nur auf die Aussagen glaubwürdiger „gläubiger“ Augenzeugen gründen. Nur ein einziges Mal hatte ich das Glück, in eine Familie zu kommen, als eben die Geistermaschine in größter Thätigkeit war, unter der Leitung eines sechzehnjährigen Mädchens einer ziemlich großen Gesellschaft die Aussprüche des anwesenden Geistes mitzutheilen. Ich schlich mich unbemerkt hinzu, und ich muß gestehen, ich erstaunte beinahe. Das Instrument arbeitete mit der Schnelligkeit und Gewandtheit eines Telegraphen und antwortete, daß Allen die Haare zu Berge standen, und zwar trotzdem, daß meine Anwesenheit Allen jetzt bekannt war. Ich sah eine Weile ruhig zu, und bat endlich das Mädchen, sich die Augen verbinden zu lassen, da doch die Maschine, wenn sie allein vom anwesenden Geiste geführt würde, auch bei verbundenen Augen der sie mit den Fingerspitzen berührenden Person ebenso arbeiten müsse. Nach langem Sträuben überredete endlich ich und noch einige Verständigere der Anwesenden das Mädchen, meiner Bitte nachzukommen; und siehe, wunderbar! das Instrument fing an, sich zu bewegen, und – traf keinen Buchstaben, sondern fuhr auf drei Seiten über das Papier hinaus. Ich lächelte, sagte kein Wort und entfernte mich ruhig. Seit diesem Factum habe ich nicht wieder gewagt, einer solchen Geisterbefragung beizuwohnen.

An die größten, bei den schriftlichen Antworten vorkommenden orthographischen Fehler muß man sich gewöhnen; selbst die Geister von Pastoren und Professoren scheinen seit ihrem Tode die Orthographie der deutschen Sprache, vielleicht aus Mangel an Feder und Papier und an Uebung, ganz verlernt zu haben.

Die gewöhnlichsten Fragen, die gestellt werden, beziehen sich darauf, wer der Geist sei, wie lange er todt sei, ob er im Himmel oder noch nicht im Himmel sei; im letztern Falle, warum er noch nicht im Himmel sei, wie lange er noch zu warten habe, ehe er dahin käme, und andere Fragen, die die lebende Menschheit betreffen; vergangenes und gegenwärtiges Unbekanntes. Selten läßt sich der Geist dazu bewegen, Zukünftiges vorher zu sagen. Nur höchstens die Geister großer Männer und Propheten, wie eines Jesaias, Elias, Johannes des Täufers etc. lassen bisweilen einen Blick in die Zukunft thun. Solche Geister erscheinen aber höchst selten und nur in Folge ganz großer vorgenommener Feierlichkeiten. Geister von verstorbenen notorischen Bösewichten erscheinen nicht, da sie durch die oben erwähnte auf dem Papier niedergeschriebene letzte Bannungsformel hinweggebannt sind. [1]

Kurz, die Manie gewinnt leider mit jedem Tage an Vervollkommnung und localer Ausdehnung, scheint mir aber auch mit jedem Tage, was das religiöse Gebiet anbelangt, bedenklicher zu werden.

Den höchsten Gipfelpunkt hat sie aber bereits in einem Dorfe erreicht, dessen Namen ich nicht nennen will. Sie hat sich daselbst unter der Oberleitung eines wohlhabenden, bejahrten, corpulenten Mannes, dem als Geistermaschinenführerin ein Mädchen zur Seite steht, schon fast serienmäßig entwickelt. Eine zierlich gearbeitete Geistermaschine steht auf einem schwarzgedeckten Tische, unter ihr das oben beschriebene Papier oder Bret; neben ihr auf beiden Seiten zwei brennende Wachskerzen (denn nur des Abends wird in der Regel die Citation vorgenommen), desgleichen Bibel und Gesangbuch. Die Handlung wird durch Gesang eines geistlichen Liedes und durch Vorlesung einer Stelle oder eines Capitels aus der Bibel eröffnet und unter größter Andacht betrieben. Dabei haben die Gläubigen, ich weiß nicht durch die Offenbarung welches welthistorisch und mathematisch gelehrten Geistes, besonders eine wichtige, welterschütternde und weltverwirrende Entdeckung gemacht, nämlich die, daß das Weihnachtsfest von uns Christen an einem falschen Tage gefeiert werde. Christus sei nicht am 25. December, sondern am 30. December geboren, und dieser Tag sei daher als der wahre Geburtstag desselben zu feiern. Die Feier des Weihnachtsfestes an diesem Tage wurde beschlossen und vorbereitet. Als Beweis, daß dies der wahre Tag sei, werde am Abend desselben ein Zeichen am Himmel erscheinen. Der erwartete Tag erscheint. Gegen 2000 Menschen strömen aus der Umgegend herbei, in den zur Feier besonders eingerichteten Saal. Das Zeichen am Himmel kann aber leider nicht erscheinen, da der Himmel ganz finster und mit Regenwolken bedeckt ist. Man beginnt die eigentliche Weihnachtsfeier mit Singen und Vorlesen aus der Bibel. Die Geistermaschine wird darauf um weitere Befehle bezüglich der Feier befragt. Sie fängt an zu antworten – da erscheint beorderte Polizei und die Versammlung muß aus einander gehen. Die Maschine schweigt, die Feier ist vereitelt. Daß letztere noch im Stillen von einzelnen Gläubigen beendet worden ist, vermuthe ich, will es aber nicht behaupten. Der Geisterspuk wird seit jenem Tage noch fast täglich im Geheimen betrieben und hat sogar seitdem noch Anhänger gefunden. – Es war sogar eine Zeit, ich weiß nicht, ob noch, wo Kranke nach jenem Dorfe gingen, um sich Mittel gegen ihre Krankheit bei der Geistermaschine zu erfragen. Die Maschine schrieb Recepte: Hollunderthee, Schafgarbe, Regengarbe, Pfefferminze und dergl., und die Kranken wurden glücklich dadurch geheilt. Ja, auch Diebe wagen nicht mehr zu stehlen, denn die Geistermaschine offenbart schon am andern Tage ganz genau den Dieb. – In jenem Dorfe aber sich über den Geisterspuk lustig zu machen, möchte ich Keinem rathen, der einer Tracht bauerfester Prügel ungern seinen Rücken zum Prellpunkte macht.

Ich könnte noch manches derartige tolle Zeug mittheilen, besonders noch eine Menge wunderbarer Geschichtchen, die man sich von der Weisheit und Allwissenheit der Geistermaschine erzählt, allein genug davon.





  1. Im intelligenten Leipzig ist man in der Citirung der Geister bereits weiter vorgeschritten. Es antworten hier ältere (aus dem 12–17. Jahrhunderte stammende) und jüngere Geister. Die Letzteren, welche leichter zu citiren sind, weil sie noch mehr mit der Erde zusammenhängen, stehen unter Aufsicht der älteren Veteranen und haben den Befehlen derselben unbedingt zu gehorchen. Sie schreiben Recepte, geben Rath und Auskunft über verborgene Dinge. Durch längeres Arbeiten an der Maschine erwerben sich die alten Burschen endlich die ewige Seligkeit und treten für immer ab. Das ist kein Spaß, sondern bitterer Ernst, für dessen Wahrheit Viele den höchsten Eid schwören würden.
    Die Redaction.