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Textdaten
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Autor: Wilhelm Busch
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Titel: Der Snakenkönig
Untertitel:
aus: Ut ôler Welt. Volksmärchen, Sagen, Volkslieder und Reime. S. 126-127
Herausgeber: Otto Nöldeke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1910
Verlag: Lothar Joachim
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Erscheinungsort: München
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Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[126]
29.

Es findet sich in manchen Häusern ein Snakenkönig; davon erzählt man wie er mit dem Kinde gespielt und dies in seinem Kinderkauderwelsch mit ihm gesprochen habe. – Läßt man ihn in Ruhe, so legt er jedes Jahr seine Krone ab, die hat großen Geldeswerth. – Sind die Snaken in Noth, so geben sie einen Pfiff von sich, dann kommen die andern zur Hülfe herbei. – Hat man das Glück, einen Snakenkönig mit der Krone anzutreffen, so muß man ein weißes Tuch auf den Rasen breiten, dann legt er seine Krone darauf. Sie ist von reinstem Golde und hat die Eigenschaft, daß, wenn man [127] am Morgen vor Sonnenaufgange ein Stück davon abschneidet, dies Stück bis zum Abend wieder gewachsen ist.[1]

Ein Reitersmann, welcher allein durch den Wald ritt, sah einen Snakenkönig mit der Krone; er stieg von seinem Pferde, nahm seinen Säbel und hieb der Schlange die Krone vom Kopfe. Dann schwang er sich damit auf’s Pferd. Der Snakenkönig that aber alsbald einen hellen Pfiff, worauf die Snaken aus der ganzen Umgegend herbeikamen und den Reiter verfolgten. Obgleich der seinem Pferde die Sporen in die Flanken drückte, so waren sie doch bald dicht hinter ihm, daß sie ihn gewiß erreicht hätten, hätte er nicht seinen Mantel hinter sich geworfen; den zerstachen die Snaken durch und durch. Dann folgten sie wieder dem Reitersmanne und hätten ihn gewiß erreicht, hätte er nicht in seiner Noth endlich die goldene Krone hinter sich geworfen und so sein Leben gerettet.

Eine ähnliche Erzählung lautet so:

Es kam ein Reiter allein über eine weite Haide; da sah er in der Ferne etwas am Boden, das blitzte wie Gold. Er ritt dem Scheine zu, da wars ein Snakenkönig mit der Goldkrone, der sonnte sich. Der Reitersmann stieg ab und breitete seinen Mantel auf den Sand. Alsbald legte der Snakenkönig seine Krone darauf, kam und ging und trieb allerlei Tand und Männeken. Da raffte der Reiter schnell den Mantel mit der Krone zusammen, schwang sich in den Sattel und jagte fort, was das Pferd laufen konnte. Sogleich that der Snakenkönig einen hellen Pfiff; da versammelten sich die anderen Snaken und setzten dem Reiter nach. Bald waren sie dem Pferde auf den Fersen und um den Reiter war es geschehen, wenn er nicht seinen Mantel hinter sich geworfen hätte. Dabei verweilten sich die Snaken; doch nicht lange, so waren sie dem Reitersmanne schon wieder ganz nahe. Nun wäre er gewiß verloren gewesen, denn sein Pferd war matt zum Stürzen, wenn er nicht an einen Bach gekommen und mit letzter Kraft hinüber gesetzt wäre. Nun mußten die Snaken zurück bleiben, denn man weiß wohl, daß kein giftig Thier über solches Wasser kann.

Hat denn der Reiter die Krone verkauft? Nicht doch! Er schnitt ein Stück davon, doch immer nur so viel daß es weniger als die Hälfte war. Den größeren Theil behielt er, den kleineren verkaufte er; so war der kleinere immer wieder gewachsen. –

Zu einer Magd, die täglich in den Wald ging, die Kühe zu melken, kam immer ein Snakenkönig, dem gab sie aus dem Eimer Milch zu trinken. Da legte die Snake endlich dem Mädchen die Krone in dem Schooß, daß es reich war sein Leben lang.


  1. Vergl. Odins Ring Draupnir; auch wie sich Odin in eine Schlange verwandelt, um den Meth zu erlangen, der aus Kwasirs Blute von den Zwergen Fiolar und Gelar bereitet war. W. B.