Der Ritter und die Nixen

Textdaten
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Autor: Rudolf Baumbach
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Titel: Der Ritter und die Nixen
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 330–331
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
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Erscheinungsort: Berlin
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Quelle: Commons = Google-USA*
Kurzbeschreibung:
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[330]

Der Ritter und die Nixen.

Zwölf Ritter ritten durch am Wald
Mit Schwert und Schild und Sporen;
Sie scherzen und lachen und haben bald
Den rechten Weg verloren.

5
     Und plötzlich sehen sie durch den Tann

Ein stilles Wasser blinken;
Sie reiten hinzu, sie halten an
Und lassen die Rösslein trinken.

     Da rauscht das Schilf und schwankt und nickt,

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Die Wasserlilien sich neigen,

Und aus dem See korallengeschmückt
Zwölf schöne Nixen steigen.

     Die Rosse zittern und schnauben bang,
Die Ritter starren und schauen,

15
Da tönt bestrickender Gesang

Vom Mund der Wasserfrauen.

     »O folget uns in unser Reich,
Rotwangige Erdensöhne;
Unsterblichkeit verleihen wir euch

20
Und ewige Jugendschöne.
[331]

     Es kann ja doch die höchste Lust
Auf Erden nicht gedeihen;
Ihr findet sie an unsrer Brust,
Bei uns, den Wasserfeien.

25
     Was euer Herz sich wünschen mag,

Ihr findet’s auf dem Grunde;
Zum Augenblick wird euch ein Tag,
Das Jahr zu einer Stunde.

     In unserm kühlen Aufenthalt

30
Erwarten euch Freuden und Wonnen,

Soviel als Nadeln ein Tannenwald
Und Tropfen zählt ein Bronnen.« –

     Die Ritter hören’s, es wallt ihr Blut,
Sie springen behend vom Pferde.

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»Wir folgen euch, Nixen, in die Flut;

Fahr wohl, du staubige Erde!«

     Da raschelt das Laub, und die Ritter sehn
Auf einmal einen braunen,
Dickköpfigen Waldzwerg vor sich stehn,

40
Darob sie aufs neue erstaunen.


     Das Zwerglein hebt die Hand und spricht:
»Lasst guten Rat euch sagen:
Gehorcht den Wasserfrauen nicht,
Ihr müsstet’s bald beklagen.

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     Wahr ist es, was man euch verhiess,

Man hat euch nicht belogen;
Es liegt ein blühend Paradies
Im Schoss der blauen Wogen.

     Es warten euer auf dem Grund

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Viel Wonne und Vergnügen

Doch etwas hat der Nixen Mund,
Gar weislich euch verschwiegen.

     Es harren eurer kampfbereit –
Erzittert, kühne Ritter,

55
Behaftet mit Unsterblichkeit,

Zwölf Nixenschwiegermütter.«


Rudolf Baumbach.