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Titel: Der Rigi einst und jetzt
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aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 32
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[32] Der Rigi einst und jetzt. (Mit Abbildungen von R. Püttner, nach Skizzen von C. Käsli-Schultheiß). Der jetzt so viel gefeierte und viel besuchte Rigi war bis gegen die Mitte dieses Jahrhunderts nur den Hirten aus den umliegenden Thälern bekannt; auf ihm weideten sie im Sommer ihre Herden, bereiteten in den vielen zerstreuten Alpenhütten Käse und Butter, sammelten das Wildheu für den Winter und lebten froh und gesund in der reinen, dünnen Bergesluft, unbekümmert um die Stürme der großen Welt. Für die Aussicht in die Weite, für Sonnenauf- und Niedergang, für Naturschönheit, für alles das, was jetzt Hunderttausende aus aller Herren Ländern anzieht, hatten sie wenig oder keinen Sinn; gutes Wetter und ein voller kräftiger Graswuchs war ihnen alles, denn die ausgedehnten Alpenwiesen des Rigi gewährten etwa 3 bis 4000 Kühen Nahrung für den ganzen Sommer.

Das erste Gasthaus auf dem Rigi.

Die Ansammlung von Aelplern veranlaßt nun schon etwa um das Jahr 1700 einen begüterten Landmann, auf dem Rigi in einer Vertiefung 500 Meter unterhalb der höchsten Spitze eine Kapelle errichten zu lassen; auch ein kleines Kloster für die Kapuzinermönche wurde dazu gebaut, damit den vielen Hirten in diesen Alpen Gottesdienst gehalten werden könnte. Durch viele Spenden, Ablaß und erbauliche Geschichten wurden Kloster und Kirchlein bald bekannt unter dem noch jetzt üblichen Namen „Maria zum Schnee“. Bald erhoben sich daneben noch einfache Gasthäuser für Alpenluftbedürftige aus der Umgegend. Außer diesen und den vielen Hirten kam höchst selten ein Fremder auf diese Höhen; die Aussichtspunkte waren noch nicht bekannt und nicht gesucht, man hatte - der Leser findet über diese merkwürdige Erscheinung weiteres in Halbheft 19 des vorigen Jahrgangs - noch keine Empfindung für ihre Schönheit; erst später, im Anfang dieses Jahrhunderts, geschah es häufiger, daß Pioniere des Bergsteigens die leicht zugänglichen Gipfel besuchten. - Von den ersten Rigireisenden nennen wir J. J. Scheuchzer († 1733), J. G. Ebel († 1830) und seinen Zeitgenossen, den Maler Heinrich Keller, alle drei von Zürich; auch Saussure von Genf († 1799) war unter den ersten Besuchern. Alle diese beschrieben in ihren Schriften die wundervolle Aussicht über einen großen Theil der Schweiz und in die Gletscherwelt des Hochgebirgs, priesen die Großartigkeit des Sonnenaufgangs, die reine, stärkende Luft, die Nebelbilder und alle die Merkwürdigkeiten der Alpenwelt.

Das neue Hotel auf dem Rigi-Kulm.

Dies bewirkte nach und nach stärkeren Besuch aus der Schweiz und dem Auslande. Eine einfache kleine Hütte unterhalb des „Kulms“, der Spitze, genügte den immer zahlreicher werdenden Touristen nicht mehr, und es wurde im Jahre 1816 ein Gasthaus erbaut, welches, obschon im einfachen, landesüblichen Stile gehalten, doch nach damaligen Begriffen geräumig und bequem war; es ist dasjenige, welches die obere unserer Abbildungen zeigt. Jetzt ist dieser einfache Bau schon längst verschwunden; an seiner Stelle stehen die größten, mit allem Luxus der Neuzeit ausgestatteten Gasthöfe und Ferienwohnungen. Das neueste derselben ist aus unserer zweiten Abbildung zu sehen. Aber auch unterhalb der höchsten Spitze, auf Rigi-Staffel, Rigi-Kaltbad, auf Klösterli und Rigi-Scheideck und an zahlreichen anderen Punkten wimmelt es von Unterkunftsgelegenheiten aller Art. Zu diesen Gasthöfen und Kurorten führen sehr sorgfältig unterhaltene, gefahrlose und aussichtsreiche Wege, außerdem aber noch zwei Eisenbahnen. Die eine von ihnen, die von Vitznau aus nach Kaltbad und Kulm geht, wurde in den Jahren 1868 bis 1870 von den Ingenieuren Näff, Riggenbach und Zschokke gebaut mit Zahnradsystem und durchschnittlich etwa 20 Prozent Steigung; die andere, 1875 eröffnet, hat als Anfangspunkt Arth-Goldau und leitet mit gleicher Steigung und Anlage über Rigi-Klösterli ebenfalls nach Kulm; eine Zweigbahn führt von Kaltbad nach Rigi-Scheideck; alle diese Bahnen aber bieten prachtvolle Fernsichten von den Wagen aus.