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Titel: Der Panamakanal
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aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 83
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[83] Der Panamakanal. Schon oft hat sich Amerika an den Ausbeutungsversuchen der europäischen Geldmächte gerächt: wir erinnern nur an die kühnen Finanzunternehmungen von John Law, der vor bald 200 Jahren an den Ufern des Mississippi ein neues Wunderland erschlossen zu haben glaubte und mit seinen Mississippi-Aktien ganz Frankreich auf den Kopf stellte, bis beim Zusammenbruch seines Systems Tausende und Millionen um ihr ganzes Vermögen, ihr Hab und Gut gebracht wurden. Und jetzt erweisen sich die Panama-Aktien als ein Sprengstoff, welcher die jetzige französische Republik in die Luft zu sprengen droht. Ein Abgrund voll Verderbniß hat sich aufgethan, ein Schlammvulkan auf dem Boden der alten Revolutionsstadt, und was Rang und Namen hat in der politischen Welt, wird von ihm bespritzt und befleckt.

Wer hätte geglaubt, daß der Isthmus von Panama solches Unheil in Europa anrichten würde! Die großen Erfolge sind weniger gefährlich für die Sittlichkeit der Völker als die Mißerfolge – und der Panamakanal wird wohl den letzteren zugezählt werden müssen. Fast das ganze offizielle Frankreich mußte bestochen werden, um die toten Millionen womöglich noch einmal in ein werbendes Kapital zu verwandeln.

Der Gedanke, den Stillen Ocean mit dem Atlantischen zu verbinden und so den Weltverkehr zu erleichtern, beschäftigte seit lange unternehmungslustige Geister; es war in der That eine Aufgabe, des Schweißes der Edeln werth, denn für Handel und Schiffahrt Europas und der östlichen Staaten der nordamerikanischen Union war es ein unschätzbarer Gewinn, wenn sie durch die Mitte des Erdtheils in den Stillen Ocean gelangen konnten, statt ihn im Süden umschiffen zu müssen – ein Gewinn, der, je nach der Abfahrtsstelte, bis zu 30 Tagen veranschlagt werden konnte!

Es verdient der Vergessenheit entrissen zu werden, daß diese Frage kein Geringerer als der spätere Kaiser Napoleon III. eingehend studiert hat, und zwar zur Zeit, da er als ein junger Prinz im Gefängniß von Ham saß. Die Abhandlung, welche er darüber schrieb, ist im zweiten Bande seiner „Gesammelten Werke“ enthalten und deshalb für uns Heutige interessant, weil er sich darin gegen den Panamakanal erklärt zu gunsten des Nicaraguakanals.

Gegen den Kanal von Panama war Prinz Napoleon schon deshalb, weil derselbe nur durch ein sumpfiges, ungesundes, unbewohntes und unbewohnbares Laud, zwischen stagnierendem Wasser und unfruchtbaren Felsen hindurchführe, wo nirgends ein geeigneter Ort wäre für ein großes Handelsetablissement, für den Schutz der Flotten, für die Entwicklung und den Austausch der Landesprodukte. Mit bezaubernden Farben schildert er dagegen die fruchtbaren Gefilde, durch welche sein Kanal von Nicaragua hinführen würde, die vortrefflichen Häfen, die außerordentliche Blüthe, zu welcher diese Landstriche sich entwickeln würden.

Doch die schönen Pläne kamen nicht zur Ausführung. Der Prinz [84] selbst wurde damals nicht, wie er hoffte, aus der Festung Hanm entlassen, erst später entfloh er in der Verkleidung eines Maurers.

Der Weg über den Isthmus von Panama war der kürzere, er wurde im Auge behalten. Als der Kanal von Suez, der dem Weltverkehr eine neue Straße eröffnete, in so glänzender Weise eingeweiht worden war, da trat man auch dem Unternehmen des Kanals von Panama näher, der in Aussicht stellte, eine ebenso glorreiche neue Straße des Weltverkehrs im Westen zu werden. Lesseps, der Schöpfer des Suezkanals, stellte sich 1879 an die Spitze der Gesellschaft, welche sich zur Ausführung dieser großen Kulturthat gebildet hätte.

Schon 1889, als die „Gartenlaube“ ihre ausführlichen Artikel über die Geschichte der Isthmusdurchstechung veröffentlichte, war der äußerliche Zusammenbruch der Gesellschaft erfolgt. Heute aber erfährt man, welche unsauberen Mittel angewendet wurden, um die Oeffentlichkeit so lange über diesen Zusammenbruch zu täuschen! Der mehr als achtzigjährige Held von Suez steht heute unter Anklage wie die anderen Leiter des Unternehmens. Die hervorragendsten Politiker Frankreichs sind in den Sündenfall der Panama-Aktiengesellschaft verwickelt; die Feinde der Republik triumphieren; es ist, als ob die ungesunden Ausdünstungen des Fieberlandes, durch welche die Wasserstraße sich hinzieht, auch die Atmosphäre in den höchsten Regionen Frankreichs vergiftet hätten und der Name Panama für die Republik so verhängnißvoll werden sollte wie einst der Name Mississippi für die Finanzwirthschaft eines John Law und der damaligen Regentschaft.

G.