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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Ottenstein bei Schwarzenberg
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aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 462-463
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Quelle: Google-USA* und Commons
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520) Der Ottenstein bei Schwarzenberg.
Poetisch bearb. v. St. im Erzgebirg. Volksfreund 1874. Beilage Nr. 3. Unterh.-Bl. 1.

Ohngefähr eine halbe Stunde östlich von Schwarzenberg zwischen dem Schwarzwasser und der Pöhl unweit der Chaussee nach Scheibenberg liegt das Vorwerk Ottenstein, welches angeblich seinen Namen von einem Kaiser Otto führen soll, der einst hier übernachtete. Anderes weiß allerdings die Sage darüber zu berichten.

Es soll nämlich einst auf der Feste Schwarzenberg ein Ritter gehaust haben, der eine schöne Mündel besaß, um welche ein Graf Otto von Siebeneichen, aus den Rheinlanden stammend, freite. Weil der Vormund aber seine Mündel lieber selbst ehelichen wollte, wies er die Anträge des fremden Ritters barsch zurück. Derselbe beschloß nun sie zu entführen. Nun war aber damals um Schwarzenberg herum alles Land von einem See eingenommen, der sich bis nach Untersachsenfeld hinzog. Der Ritter schlug nun seine Wohnung in einer Fischerhütte auf, von wo aus er durch die ins Schloß kommenden Bewohner derselben dem Burgfräulein Nachricht von seiner Ankunft gab und ihr den Tag bestimmte, wo er sie an einem Vollmondsabend auf einem Kahne über den See weg abholen wolle. Inzwischen vergnügte er sich selbst öfter mit Herumfahren auf dem Wasser. Da stieg einst, als er spät noch sich herumkahnte, ein wunderschönes Frauenbild aus dem Wasser heraus, setzte sich an seine Seite und suchte ihn durch Liebkosungen zu verleiten, sie zu ihrem Krystallpalast unter den Wellen, wo sie als die Nixe des Sees weilte, zu begleiten, er aber stieß sie zurück und sagte, er könne kein anderes Weib lieben, da er schon sein Herz einer andern geschenkt habe. Traurig verließ ihn die schöne Nixe und er selbst ließ sich nicht wieder an dem See blicken, bis der Tag kam, wo er seine Geliebte abholen wollte. Endlich erschien dieser, der Vollmond warf sein bleichglänzendes Licht auf die Spiegelfläche des Gewässers, glücklich fuhr [463] er nach dem gegenüberliegenden Ufer, wo seine Braut auf ihn wartete, als sie aber zurückfuhren, schienen plötzlich die Wogen in sich selbst aufzukochen, er vermochte den schwankenden Kahn nicht im Gleichgewicht zu erhalten, derselbe schlug um und ob er gleich seine Geliebte ergriff und sie durch Schwimmen ans jenseitige Ufer zu retten versuchte, unsichtbare Hände entrissen sie ihm, er konnte sie nicht über dem Wasser erhalten, sie versank, ihn trugen aber die Wellen nach der Fischerwohnung zurück. Er verließ die Gegend nicht wieder, sondern baute sich im nahen Walde eine Hütte, wo er fortan als Einsiedler lebte und seine Tage am Ufer des Sees verbrachte, der ihm sein Theuerstes geraubt hatte. Einst fanden ihn die Fischersleute todt auf dem See schwimmend, wie er dahin gekommen, wußte Niemand. Man begrub ihn am Ufer und setzte ihm ein Kreuzlein mit seinem Namen. Längst ist dasselbe verschwunden, der See hat einen Abzug ins Thal gefunden, aber der Berg, wo einst seine Klause stand, trägt von ihm heute noch den Namen: „Der Otte(n)stein.“