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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Mühlgötz zu Plauen
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 50–51
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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649) Der Mühlgötz zu Plauen.
Bearbeitet von Julius Schanz. Metrisch behandelt von E. Hager, H. I. S. 57. S. a. Bechstein’s Sagenbuch a. a. O. S. 476.

In der obern Mühle zu Plauen steht schon viele, viele Jahre ein Götzenbild, wer weiß wie alt, das wohl aus der heidnischen Zeit herstammen mag (und angeblich vor langen Jahren auf dem Mühlgraben schwimmend von den Mühlknappen aufgefangen worden sein soll), gemeiniglich nur der Mühlgötz genannt. Niemand wagt es von seinem Platze zu nehmen, und wenn der Müller an ihm vorübergeht, so nimmt er bedächtig sein Käppchen ab, dieweil er den Mühlgötz für den Schutzpatron des Gewerkes hält und ihm den glücklichen Fortgang der Müllerei schuldig zu sein glaubt. Man erzählt sich aber von dem Mühlgötz folgende Sage:

Ein lustiger Müllerbursche, der dem Wasser nachging und wo möglich in jeder Mühle das Gastrecht in Anspruch nahm, kam auch in die obere Mühle zu Plauen. Sein heiteres, witziges Wesen verschaffte ihm mit leichter Mühe ein Nachtquartier, und er hatte sich an reichlicher Speise und einem frischen Trunke schon ein Gütliches gethan, als er erst in das Innere der Mühle trat, um sich dasselbe zu beschauen. Bald blieb er vor einem braunen hölzernen Bilde stehen, das ihn mit weit herausgesteckter Zunge angrinste. „Zum Teufel, was ist denn das für ein Ding?“ fragte er den Müllerburschen, „Es ist wohl gar Euer Schutzpatron?“ „Ih bewahre, es ist ein Stück aus dem Heidenthume“, sagte der Mühlbursche, „der Mühlgötz genannt, der einst wie ein Gott [51] verehrt wurde und auch jetzt noch von uns in Ehren gehalten wird. Versuch’s nur Einer, ihn von dem Platze zu bringen, ich mag die Prügel nicht mit ihm theilen: er läßt nicht ab, bis er wieder auf dem Platze ist“. Der lustige Mühlbursche lachte laut auf über diese Mähr, im Stillen aber dachte er bei sich: „warte nur, Götz, mit Dir ist’s aus.“ Um Mitternacht als sie Alle schliefen, erhob er sich leise von dem Lager, schlich sich in die Mühle und sprach zu dem Götzen: „Herunter mit Dir, Bursche, mache keinen Lärm, daß die Müllermädel nicht erschrecken. Ich will Dich taufen, blinder Heide, im Namen Gottes.“ Mit diesen Worten warf er ihn in den Mühlgraben. Da auf einmal erhob sich ein pfeifender Sturmwind, daß das ganze Haus erbebte und die Fluth hoch aufschäumte und die Räder sich wie toll im Kreise herumdrehten. Todtenbleich vor Schreck lief der Mühlbursche schnell zurück in die Mühle, aber da gingen ihm erst die Augen über. Was nur in der Mühle war, Kübel, Säcke, Kästen, Beutel, ja selbst Müller und Knappe tanzten wie toll in der Mühle herum, darein erscholl der grelle Ton des Glöckchens. Alles krachte und donnerte, als wäre der jüngste Tag gekommen. Noch hatte der vorwitzige Bursche sich nicht vom ersten Schreck erholt, da kam ein Kübel geflogen, gerade auf ihn los, der ihm den Kopf zu zerschmettern drohte, und wie mit unsichtbarer Hand zog es ihn zum Mühlgraben hin, wo hinein er das Götzenbild geworfen hatte. Er nahm es auf den Arm und trug es alsbald auf den Platz zurück. Da standen die Räder wieder still, Säcke, Kübel und Beutel, Alles blieb an seinem Orte. In der Mühle ward es wieder still wie in der Kirche. Der Müller aber prügelte den leichtfertigen Burschen zur Thüre hinaus, und es ist bis heute kein Anderer wiedergekommen, der den Mühlgötz hätte taufen wollen.