Der Mönch (Gräve, 1838)

Textdaten
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Autor: Heinrich Gottlob Gräve
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Titel: Der Mönch
Untertitel:
aus: Volkssagen in der Lausitz, in: Neues Lausitzisches Magazin, Sechszehnter, Neuer Folge dritter Band, S. 130–132
Herausgeber: Joachim Leopold Haupt
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1838
Verlag: Heyn’sche Buch- und Kunsthandlung
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Erscheinungsort: Görlitz
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Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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Neues Lausitzisches Magazin 16 NF3 1838.pdf
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7. Der Mönch.

An mehrern Orten Sachsens z. B. auf dem Schlosse zu Pirna, in den Ruinen der Mönchskirche, wie auf dem Schlosse zu Budissin, in dem Schulgebäude zu Löbau, auf dem weissenfelser Schlosse, in der St. Johanniskirche zu Zittau u. s. w. zeigt sich dann und wann ein Mönch, nach dessen Erscheinung sich stets etwas Merkwürdiges ereignet. Auch Kamenz kann so einen Mönch aufweisen, welcher sich dann und wann in der Ordens-Kleidung der patrum ord. St. Francisci de obseruantia, sehen läßt, auch sogar einmal die Buchstaben C. M. P.[1] an das Klosterthor geschrieben haben soll, die man durch Camitia Misere Peribit gedollmetscht hat und worauf 1680 die Pest erfolgt.

[131] Seine frühere Existenz, da er noch im Fleisch und Bein auf Erden wallte, wird mannigfaltig angegeben.

Viele halten ihn für den teutschen Erfinder des Schießpulvers: Barthold Schwarz, welcher in der St. Annenkirche zu Kamenz begraben liegen soll, wo dessen daselbst befindlichen Grabstein eine Kanone ziert und sein Standbild an der Hausecke der budissiner Gasse prangt[2]. Dieses nun soll in der Geister-Stunde herabsteigen, sich befleischen und als Geist umherwandeln.

Andere erblicken in ihm den unruhigen Geist Peter Rudolphs, eines der letzten Mönche des aufgehobenen Franziskanerklosters zu Kamenz, welcher um Lätare des 1564sten Jahres in einem Donnerwetter, zwar [132] nicht wie Elias zum Himmel aber doch zur Hölle gefahren sein soll[3].


  1. Wohl möglich, daß jene Buchstaben von einem der Rechtschreibung unkundigen Mönche, welcher das B in ein P verwandelte, hingeschrieben worden sind, gewiß aber, daß sie blos die Anfangsbuchstaben der Namen der heiligen drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar bedeuten und welche Abergläubige um gegen Geister und Kobolde geschützt zu sein, durch Mönche an Thüre und Viehställe anschreiben lassen.
  2. Barthold Schwarz (Konstantin Ancklitzen) ist von Freiburg im Breisgau wol nie nach Kamenz gekommen, vielweniger daselbst verstorben und jener in der Kirche mit einer Kanone befindliche Grabstein bezeichnet wahrscheinlich die Grabstätte eines Büchsenmachers, oder Konstablers. Der am gedachten Hause sogenannte Mönch ist keinesweges ein Ordensgeistlicher, indem seine ganze Kleidung und Haartracht nicht die entfernteste Aehnlichkeit mit der eines Klosterbruders hat. Die um den Stein laufende Schrift lautet:

    „Nach christi vnsers Herren geburt 15 vnd III. Jore ist gestorben Hans Wagner dem Gott genade.“

    und ist wahrscheinlich die Grabesdecke eines ehrsamen Bürgers, welche Einer seiner Anverwandten zur Erinnerung diesem Hause einverleibt hat. Das auf der Tasche, welche das Standbild in der rechten Hand trägt, befindliche Rad ist eine Anspielung auf seinen Namen, vielleicht auch der Siegelring jenes ehrlichen Bürgers.

  3. Ueber diesen, sogenannten klugen Mönch von Kamenz, – welcher zu seiner Zeit keine unbedeutende Rolle gespielt hat – findet man nähere Nachricht in einem von mir im Jahrg. 1832 des neuen laus. Magazins befindlichem Aufsatze No. III. S. 446.