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Der Kobold am Barfußpförtchen zu Leipzig

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Der Kobold am Barfußpförtchen zu Leipzig
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 381-383
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
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[381]
441) Der Kobold am Barfußpförtchen zu Leipzig.
Prätorius a. a. O. S. 448 sq.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts hat ein angesehener [382] Bürger zu Leipzig, Namens Scheibe, in einem großen Hause auf dem Barfüßerkirchhofe (alle die Häuser daselbst haben ursprünglich zu diesem Kloster gehört) eine getäfelte Wand neu weißen lassen und dahinter viele Löcher in der Wand gefunden. Als das erste Loch geöffnet ward, ist flugs ein Haufen Messer herausgefallen von sehr alter Form, ein Theil rostig, der andere ziemlich blank; einige sind sehr schmal und sehr lang gewesen, vielleicht zum Auspießen der Lerchen, andere mit Achatsteinen besetzt, noch andere mit elfenbeinernen Heften. Weiter hat er im Keller graben lassen und darinnen viele runde Töpfe gefunden, alle mit kleinen Kindesgebeinen angefüllt. Von der Zeit an aber, daß jene Messer gefunden waren, hat sich im Hause ohne Unterlaß ein Kobold geregt, der nach allen Leuten in der Stube geschmissen, aber draußen auf dem Saale ihnen nichts gethan hat. Auch hat er Niemanden verletzt, sondern nur geschabernakt. So hat er auch nichts gesprochen, denn wie er von dem Besitzer gefragt ward, was für ein Geist er sei, ob ein guter oder böser: „Alle guten Geister loben Gott den Herrn,“ oder: „Was thust Du? Gib ein Zeichen von Dir, Putz!“ Da hat er zur Antwort jenem etwas an den Kopf geworfen, das ist sein Zeichen gewesen. Doch hat er auch einmal Einem weh gethan, denn ein Hausbewohner, der sehr auf ihn gelästert und geflucht, hat einstmals mit dem Pantoffel eine derartige Maulschelle von dem Ungethüm bekommen, daß ihm der ganze Backen aufgeschwollen und ihm Schmerzen gemacht hat. So hat es im Allgemeinen gedäucht, als wenn das Gespenst aus einem alten Schranke hervorkäme und würfe, und ist dieser doch immer verschlossen gewesen. Weiter hat es manchmal den Anschein gehabt, als wenn es in der Kammer Alles über und über kehre, würfe, zerschlüge, und wie man dann dazu gekommen, ist Alles an seinem rechten Orte gewesen. Des Nachts haben sie immerfort Licht brennen müssen, denn da haben sie noch am Meisten Ruhe gehabt, wenn es aber finster gewesen, da hat es immer länger gedauert. Es hat auch den Wirth und Andere im Bette gezupft, das Bett vom [383] Leibe weggezerrt etc., doch das Licht niemals ausgelöscht, sondern brennen lassen. So sind sie dieses Wesen gewohnt geworden, daß sie es nur ins Gemein verlacht und verhöhnt: „siehe, da kommst Du wieder etc.“ Der Mann hatte ein Gefäß voll Flederwische im Keller stehen gehabt, das ganz fest zugemacht gewesen, die hat der Geist einmal alle herauspracticirt und zwar so, daß das Gefäß obenauf zugedeckt geblieben, und hat sie nach einander auf den Wirth los geworfen. Da hat denn dieser erst gemeint, es wären nicht die seinigen, indem er gespaßt: „siehe, was hast Du nun wieder vor? hast Du Flederwische in der Nachbarschaft gestohlen? O gieb sie immer her, ich habe sie von Nöthen.“ Da hat jener aber das Ding alle auf seinen Buckel losgezählt. Das hat er etliche Jahre so getrieben, bis es sich selbst verloren. Den kleinen Kindern hat er nichts gethan, außer daß er ihre Strümpfchen, Stühlchen, Kleider etc. immer nach dem Wirthe zu warf. Da nun das Haus nachmals von einem andern Wirthe gekauft ward, hat es sich wieder gefunden, sonderlich nachdem man auf’s Neue das ganze Haus wegen des vermutheten Schatzes durchgrub. Uebrigens meinte der frühere Besitzer auch, es sei ihm nicht anders, als daß er ein paar kupferne Särge einstmals, als er seinen Abtritt verändern ließ, bemerkt habe.