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Textdaten
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Autor: Adolf und Karl Müller
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Titel: Der Harzer Kanarienvogel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15, S. 259, 260
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[259] Der Harzer Kanarienvogel. Die Reinzucht von Thieren hat erstaunliche Resultate erzielt. Glänzenden Erfolg weisen die Andreasberger Kanarienvogelzüchter durch standhafte Reinzucht des sogenannten Harzer Kanariensängers auf. Es ist sehr interessant, diese durch langen Zeitraum mit mühevoller Sorgfalt aufs feinste herausgebildeten Leistungen des Vogels zu studiren. Wir erwähnen in der demnächst scheinenden zweiten Auflage unserer „Thiere der Heimath“, welche C. F. Deikers Meisterhand mit Aquarellen geziert hat, daß der Harzer Kanarienhahn ersten Ranges berufen sei, mit der Nachtigall um den Rang zu streiten, wobei wir natürlich eingedenk bleiben des urwüchsigen Schlags des [260] Sängers der Freiheit. Neuerdings haben wir, um an dieser Stelle unser Urtheil abzugeben, von der Handlung Konrad Langes in Andreasberg zwei Exemplare bester Qualität bezogen, welche den hohen Anforderungen des feinen Geschmacks vollkommen entsprechen und als würdige Repräsentanten ihrer einzig dastehenden Rasse gelten können. Die Harzer Sänger werden in Anbetracht des Vogelschutzgesetzes für das Reich unstreitig eine noch größere Zukunft haben und Ersatz bieten müssen für den Ausfall beliebter Insektenfresser. Der Gesang der erwähnten beiden Vögel läßt sich in technischen Ausdrücken, oder besser gesagt in solchen der Reinzüchter, kurz also charakterisieren: Sie bringen die gezogene Hohlrolle, die Knorre, Kingel und Pfeife in hoch- und tiefgehenden Reintönen fehlerlos. Kein Ton berührt irgendwie unangenehm das Ohr, der Gesang schmeichelt sich in seiner weichen, sanften, melodischen Weise und Ausprägung und feinem Silberklang wohlthuend ein. Pianissimo beginnt das Schwirren, schwillt allmählich an zum Forte und geht dann über in die wunderbare Hohlrolle; der Gesang ergeht sich in tiefen, weichen Volltönen oder wird hinauf getragen zur Höhe in Flötentönen und Trillern. Außerordentlich wohlthuend klingt das zarte, gesättigte Tremulando. Der Vortrug wird natürlich doppelt schön und wirksam bei vollem Behagen und gehobener Stimmung des Sängers. Auch die Locktöne sind zart und lieblich, erklingen in verschiedenen Tonlagen und begleiten das anmuthige Gebahren der zutraulichen Thierchen, welche beim Versetzen des Käfigs an einen andern Ort unverdrossen ihren entzückenden Gesang fortsetzen.

Adolf und Karl Müller.