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Autor: Heinrich Gottlob Gräve
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Titel: Der Goldvogel
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aus: Volkssagen und volksthümliche Denkmale der Lausitz, S. 178–179
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Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: F. A. Reichel
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Erscheinungsort: Bautzen
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Quelle: MDZ München, Commons
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LXXXII. Der Goldvogel.

In der muskauer Haide läßt sich zuweilen ein Vogel von schönem bunten Gefieder, mit goldenem Schwanz und Flügeln sehen. Er hat die Größe eines Goldrabens (cornus corax) und wird von den Wenden Zitżemiauch auch Byłarz genannt. Er ist von gar wunderbarer Art, denn, wem er erscheint, dem bringt er Glück; denn gleichwie ein Tabuletkrämer verschiedene Kleinigkeiten in seinem Kasten besitzt, welche er an Liebhaber verkauft; so spendet der Goldvogel verschiedene Kostbarkeiten, oder andere ersprießliche nützliche Dinge, nach Jedes Gefallen, unentgeldlich, z. B. dem eine Springwurzel, Rabenstein, Galgenmännchen, Glücksfinger, Alraunwurzel, glückliche Würfel, gewinnende Karten, treffende Gewehre, stets siegende Waffen, das Recept zur passauer Kunst; dem Andern hingegen zeigt er verborgene Schätze, heilsame Kräuter, kräftige Tropfen und Lebenspillen, so daß ihn gewiß Niemand unbefriediget verläßt, ja oft noch über seine Uneigennützigkeit erstaunt, da er so Manchen mit seinem Eigenthum beschenkt, indem er ihm eine seiner Federn aus Fittich, Schweif oder Brust reicht. Wer erstere besitzt, hat Glück und Segen in Allem, was er vornimmt; der Eigenthümer von der zweiten erhält eine reiche, gesunde [179] Nachkommenschaft und Glück im Feld- Obst- und Weinbau, und wer die Brustfeder erhält, wird ein großer Redner oder geachteter Staatsmann. Man glaubt, daß, da er noch in menschlicher Gestalt auf Erden wallte, er ein wohlthätiger Zauberer gewesen sey, dem ein anderer, mächtigerer als er, aber von bösem, tückischem Gemüth, in einen Vogel verwandelt habe, welcher aber das Gute, was er auf der Welt gethan, noch nach seinem Tode fortwährend ausübe.