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Titel: Der Alcazar zu Toledo
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aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 99
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[85]

Ansicht des in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar niedergebrannten Alcazars in Toledo.

[99] Der Alcazar zu Toledo. (Mit Illustration S. 85.) In der Nacht vom 9. zum 10. Januar ist das burgartige Schloß Karl’s V. in Toledo, der Alcazar, ein Raub der Flammen geworden. Karl V. hatte es auf dem Fundament aus der Zeit der Gothen und mit den Marmorsteinen der zerstörten Maurenburg, die später auf diesem Platze errichtet worden, aufbauen lassen. Schon lange indeß stand es verödet und im Innern mit Tünche und Zimmermannsarbeit für die prosaischen Zwecke einer Militärschule hergerichtet. Das Schloß ist viereckig und von gewaltigem Umfange um einem starken Thurm an jeder der vier Ecken, festungsmäßig. Gemeißelte Arabesken zieren seine ernste Façade; ein majestätisches Portal führt in seinen großen Hof, den 32 Arkaden umgeben, deren schlanker, heiterer Säulenbau sich in der oberen, ringsum gehenden Galerie wiederholt. In der Bogenhalle gegenüber dem Portale steigt eine pompöse Marmortreppe rechts und links ins Innere. Eine Kapelle liegt zwischen ihr, die man wieder ausmauert. Die Gewölbe unter dem Erdboden sind großartige, weite, kahle Säle. Sie waren zum Marstalle des Königs von Spanien bestimmt, der zugleich König der Deutschen und als solcher römischer Kaiser gewesen. Mehr als tausend Pferde hätten hier Platz gehabt. Auf dem marmornen Pflaster des Hofes, in der Mitte desselben, ist neuerdings die lebensgroße Statue dieses mächtigsten Monarchen der Erde in seiner Bronzeausführung aufgestellt worden; der besiegte Lindwurm der Ketzerei liegt zu seinen Füßen, ein Denkmal für ihn, wie in einem riesigen Mausoleum, das er sich hier statt eines Kaiserpalastes errichtet und wo es in erhabener Einsamkeit thront. Alle seine Macht als König der Könige hielt Spanien nicht von jähem Sturz und Verfall zurück, und das kostbare Werk dieses Alcazar gab Toledo seinen Glanz nicht wieder, machte es nur um eine seiner wunderbaren Sehenswürdigkeiten reicher.

Von den Fenstern des Alcazar nach außen bietet sich ein entzückendes Panorama dar. Zu Füßen die Stadt mit der kolossalen Kathedrale, mit der imposanten Terrasse von San Juan de los Reyes, mit dem orientalischen Zinnenkranz der Bastionen, mit der Arena für die Stierkämpfe; dann mit der Puerta del Sol und den Thurmthor der Brücke von Alcantara abwärts nach dem Tajo zu, der wie eine Silberschlange in der Felsenschlucht sich windet. Und drüben auf den Höhen alte Gothenthürme und zerbrochenes Mauerwerk maurischer Burgen. Dann Wiesen und Felder und wellige Linien bis in die Ferne, wo die sinkende Sonne Alles in Golddunst taucht.