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Titel: Der älteste deutsche Kaisermantel
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aus: Die Gartenlaube, Heft 25, S. 417
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Der älteste deutsche Kaisermantel.


Die Gartenlaube (1871) b 417.jpg

Der Krönungsmantel Kaiser Karls des Großen in Metz.
Guirlande von Heiligenbildern.

Es ist eine erfreuliche Ueberraschung, daß die Deutschen mit ihrer alten Reichsstadt Metz sich zugleich den ältesten deutschen Kaisermantel zurückerobert haben. Schon seit Jahrhunderten wird nämlich in der Kathedrale zu Metz der Kaisermantel Karls des Großen aufbewahrt, doch läßt sich das Jahr, in welchem derselbe diesen Platz einnahm, nicht genau angeben, da während der Revolutionszeit die Documente, welche darüber Aufschluß geben könnten, theils abhanden gekommen, theils verbrannt sind. So viel steht aber fest, daß derselbe für Karl den Großen, also in der Zeit von 768 bis 814 angefertigt wurde, jedoch von welchem Künstler, läßt sich leider nicht ermitteln; ein solches Alter wird demselben auch in einigen Geschichtswerken und namentlich in der Chronik von Metz von Emile Régin beigelegt und erzählt, daß Karl der Große diesen Mantel in Metz, wo sich derselbe öfter aufhielt, bei Festlichkeiten und wahrscheinlich auch bei seiner Krönung getragen habe. Schon die eigenthümlich steifen Linien in der Zeichnung der Reichsadler und sonstigen Verzierungen, sowie die Ausführung der Stickerei selbst charakterisiren das Ganze als einem früheren Zeitalter, der Periode der Entwicklung der romanischen Kunst angehörend, und endlich die verblichenen Farben des Originals lassen mit Bestimmtheit auf dieselbe Zeit schließen.

Die Copie des Mantels ist vierzehn Mal kleiner als das Original und giebt genau die Contouren der Stickerei wieder. Das Oberzeug des Mantels besteht aus einem Gewebe von ziemlich starker purpurrother Seide, auf welche, wie die Zeichnung zeigt, vier große deutsche einfache Adler, in ihren Flügeln die verschiedenen Reichsabzeichen haltend, aufgestickt sind. Sämmtliche Stickerei besteht aus Borden, welche aus gelber Seide und Goldfäden höchst unvollkommen gewirkt, in verschiedenen Nüancen durch grüne und blaue, zum Theil weiße Seidenfäden eingefaßt und dann mittelst rother Seide durch Heftstiche auf dem Purpur befestigt worden sind. Etwa fünf Jahrhunderte später, nach der Zeit der Kreuzzüge, erlitt der Mantel, dessen ursprüngliche Form ein halbes symmetrisches Achteck war, wie auf der Zeichnung durch Linien angedeutet ist, eine Veränderung dahin, daß man die Ecken wegschnitt und ihm die Form eines Halbkreises gab. Außerdem wurde der Mantel mit blauer Leinwand gefüttert und an der geraden Seite, auf der Zeichnung ebenfalls durch eine Linie angedeutet, mit einer Guirlande von Heiligenbildern besetzt, welche jedoch ohne Werth sind und dem Mantel nur den Charakter eines Chormantels geben. Endlich wurde der heilige Mantel der äußern Welt ganz unbekannt und in einem dazu gefertigten Kasten in der großen Sacristei der Kathedrale als Reliquie aufbewahrt.

Zu Anfang des Jahres 1866 wurde nun dieser Mantel durch einen Herrn von Ligny für den Kaiser von Oesterreich photographirt und von einer eingehenden Beschreibung des heraldischen Schmucks begleitet. Unsere Abbildung verdanken wir der Güte eines zur Fortification in Metz commandirten deutschen Pionier-Gefreiten, Herrn Julius Laube, dem dazu das Original vom Bischof bereitwillig zur Verfügung gestellt worden war.