Das verzweifelte Flaschenkind

Textdaten
<<< >>>
Autor: Johannes Trojan
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das verzweifelte Flaschenkind
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 201
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons = Google-USA*
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Die zehnte Muse (Maximilian Bern).djvu
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[201]

Das verzweifelte Flaschenkind.

»Es krampft sich in Titanenweh das Herz,

Vom Daseinsekel angepackt, zusammen.«

H. Conradi.     



Da lieg’ ich nun und schrei mich matt,
Keine Menschenseel’ erwacht.
Wie ist das Leben so schaal und leer!
Ich hab’ es mir anders gedacht.

5
Man hat mich getauft, ich weiss nicht wie,

Man hat mich geimpft sogar,
Obgleich ich gegen das Taufen sowohl
Wie gegen das Impfen war.

Drei silberne Löffel, die sind mein,

10
All mein Vermögen bis jetzt.

Wer weiss aber, wo die heut schon sind –
Sie sind gewiss schon versetzt!

Nur Milch bekomm’ ich und nichts als Milch,
Ich mag sie schon gar nicht mehr.

15
Keine Abwechslung im Ernährungsgang,

Niemals der kleinste Likör!

Nur Milch, nur Milch und nichts als Milch,
Niemals ein and’res Getränk!
Und die Masern steh’n mir auch noch bevor,

20
Mich schaudert, wenn ich dran denk!


Und dieselbe Umgebung, blöd’ und stumpf,
Glotzt Tag für Tag mich an.
Davon laufen möcht’ ich! Wehe mir,
Dass ich noch nicht laufen kann!

25
Das Leben ist, ich merk’ es schon,

Ein ewiges Einerlei:
Man wird nass und wird wieder trocken gelegt –
O wär’ erst alles vorbei!


Johannes Trojan.