Textdaten
<<< >>>
Autor: Gottfried August Bürger
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Das harte Mädchen
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 36–39
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1770
Erscheinungsdatum: 1778
Verlag: Johann Christian Dieterich
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Göttingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
Das
harte Mädchen.
Im April 1770.


     Ich sah so frei und wonnereich
Einst meine Tag’ entschlüpfen,
Wie Vögelchen, von Zweig auf Zweig,
Beim Morgenliede hüpfen.

5
     Fragt jeden Sommerwind, der hier

Die Blumenau erfrischet:
Ob je ein Seufzer sich von mir
In seinen Hauch gemischet?

     Fragt nur den stillen Bach im Klee:

10
Ob er mich klagen hörte?

Und ob von mir ein Thränchen je
Die kleinen Wellen mehrte?

     Mein Auge schaute falkenhell,
Durch meilenlange Räume,

15
Wie Gems und Eichhorn, sprang ich schnell

Auf Felsen und auf Bäume.

     So bald ich auf mein Lager sank,
Entschlief ich ungestöret.
Des Wächters Horn und Nachtgesang

20
Hat nie mein Ohr gehöret.


     Nun aber ist mir Lust und Scherz
Und Mut und Kraft vergangen.
Ein hartes Mädchen hält mein Herz,
Mein armes Herz gefangen.

25
     Nun hauch’ ich meine Seele schier

Erseufzend in die Winde,
Und girre kläglich hin nach ihr,
Gleich einem kranken Kinde.

     Nun müssen Bach und Klee genung

30
Verliebter Zären saugen,

Und graue Nebeldämmerung
Umwölkt die muntern Augen.

     Nun härm’ ich ganze Nächte lang,
Auf schlummerlosem Lager,

35
Die leichten Glieder mat und krank,

Die vollen Wangen hager.

     An meinem Leben nagt die Wut
Grausamer Seelengeier;
Nagt Eifersucht auf fremde Glut,

40
Nagt mein verschmähtes Feuer.


     Das harte Mädchen sieht den Schmerz,
Und mehrt ihn dennoch stündlich.
O Liebe, kenst du noch ein Herz,
Wie dieses, unempfindlich? –

45
     Ein einzig Lächeln voller Huld

Würd’ allen Kummer lindern,
Und ihre nicht erkante Schuld
Flugs tilgen, oder mindern.

     Mich wekte wol ihr süsser Ton

50
Noch aus dem Grabe wieder;

Ja, wär’ ich auch im Himmel schon,
Er lokte mich hernieder.