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Titel: Das große Schützenfest zu Cöln
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aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 596-598
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Das große Schützenfest zu Cöln.

Wir mögen es immer Napoleon dem Dritten Dank wissen, daß er, wenn auch wider seinen Willen, uns Deutsche aus dem lethargischen Schlafe aufrüttelte, in welchen uns das Regierungssystem des deutschen Bundestages einzulullen bemüht war. Das Jahr 1848 wurde von der Reactionspartei trefflich ausgebeutet, und die Hoffnungen der aufrichtigen staatsbürgerlichen Freiheit sanken tiefer und tiefer, je mächtiger die Treubündler, unterstützt von Heer und Beamten, ihre Thätigkeit entfalteten. Da drohte endlich Gefahr von außen: Louis Napoleon richtete die verlangenden Blicke ziemlich unverhohlen nach dem linken Rheinufer, und jetzt ließen die Fürsten Deutschlands es ruhig geschehen, daß die altehrwürdige schwarz-roth-goldene Fahne wieder aus dem Staube hervorgeholt und abermals als Einigungsbanner für das deutsche Volk aufgepflanzt wurde. Das Turnwesen nahm in unserem Deutschland einen neuen ungeahnten Aufschwung; das Gefühl der Zusammengehörigkeit machte sich zunächst in der deutschen Jugend geltend; auf fröhlichen Sängerfesten erschollen wieder die alten Weisen von Deutschlands Freiheit, Ehre und Recht; in Schiller’s hundertjährigem Geburtstage feierte unser Volk neben der Apotheose des Genius sein eigenes Auferstehungsfest; der Nationalverein trat in’s Leben.

Aber noch fehlte ein Glied in der ehernen Kette, die unser

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Die Gartenlaube (1860) b 597.jpg

Schloß Schützenburg, Hauptgewinn beim Schützenfest zu Cöln.
Nach der Natur aufgenommen von G. Zietz.

[598] schönes Vaterland fortan mit nationalen Banden umschließen soll: ein deutsches Schützenfest, wie ein solches alljährlich in unserem Schwesterlande, der Schweiz, in Freud’ und Ehren begangen wird. Die Schützengesellschaft in der Metropole am Rhein hat jetzt diesen schönen Gedanken verwirklicht und, wie bekannt, die Schützen aller stammverwandten Länder Deutschlands, also außer Deutschland, Belgien, Holland, England, die Schweiz (Frankreich ist selbstverständlich ausgeschlossen) zu einem germanischen National-Schützenfest nach Cöln geladen, wo unter glänzendem Schaugepränge am 26. August dieses Jahres ein großes Preisschießen begonnen hat.

Wir überlassen es den politischen Zeitungen, die Details dieses seltenen Festes, wie die Geschichte vieler Jahrhunderte ein solches in Deutschland nicht aufzuweisen vermag, ausführlicher zu beschreiben, und bemerken nur im Allgemeinen, daß die Cölner Schützengesellschaft sechs Ehrenscheiben aufgestellt hat, nach denen zunächst „ohne irgend eine Einlage oder Erfüllung einer materiellen Bedingung“ um gewisse Ehrenpreise geschossen wird. Die Namen der Ehrenscheiben deuten an, für welche Schützen sie bestimmt sind; sie nennen sich: Deutschland für die deutschen Schützen, England für die englischen, Belgien für die belgischen, Holland für die holländischen, Schweiz für die Schweizer, und endlich Cöln für sämmtliche Schützen. Der Preis für den besten Schuß besteht bei jeder Scheibe in einem prachtvollen silbernen Pokal, einem Ehrenorden und einem Gedenkzeichen; als Ehrengeschenk der Stadt Cöln hat die nach ihr benannte Scheibe einen silbernen vergoldeten Pokal mit erhabenem Deckel für den besten Schützen zum Gewinn.

Das Hauptschießen an der Ehrenscheibe „Prinz-Regent“ hat am 27. August Nachmittags zwei Uhr begonnen, und wird nach dem Maßstabe der Betheiligung der Schützen bis Schluß des Monats September fortgesetzt. Hier gilt es einen Preis zu erringen, wie ein ähnlicher noch niemals in Deutschland ausgesetzt worden ist. Das über Ehrenbreitstein sich erhebende Schloß Schützenburg, von welchem wir dem Leser eine gelungene Abbildung vorlegen, ein Schloß mit einem umgebenden Areal von 18 Morgen der besten Weinberge, Gärten und dergl. nebst einer Gerechtsame von circa 8000 Morgen Feld- und Waldjagd, in einem Werthe von 36,000 Thalern, ist der seltene Preis, der dem besten Schützen aus germanischem Stamme zu Theil wird. Das herrliche Schloß, auf einer mäßigen Anhöhe Coblenz gegenüber an einem der schönsten Punkte des Rheins gelegen, bietet eine prachtvolle Aussicht auf Coblenz, Rhein, Mosel, Stolzenfels und die Gebirgsketten des Rhein- und Moselthals. Die Gebäulichkeiten sind ganz neu, im Geschmack des Mittelalters rein und äußerst solide gebaut, mit vielen Thürmen, Brücken, Cisternen, Springbrunnen, Veranden, Grotten und dergl. geziert; in der That ein hoher Preis, der es werth ist, um ihn mit festem Auge und sicherem Arm zu werben. Außerdem sind noch 184 Nebenpreise von 1000, 500, 300, 200 Thlr. etc. für die nächstfolgenden besten Schützen ausgesetzt, während für die Schießkarte nur 3 Thlr. zu erlegen sind.

Möge denn dieses National-Schützenfest, wie es großartig angelegt, so auch glücklich, froh und frei in deutscher Weise beendigt werden. Einer der Festredner am ersten Tage, Schütz Wilke aus Cöln, schilderte die Bedeutsamkeit des Festes mit Worten, die, wie sie an jenem Tage hundertfachen Anklang fanden, so auch sicher in ganz Deutschland, ja in der ganzen germanischen Welt nachhallen werden und mit denen es uns gestattet sei, diesen flüchtigen Bericht zu schließen:

„Wir wollen,“ so sprach er, „vereint sein zum Schutze unsres deutschen Vaterlandes, für den Fall der Gefahr! Das, meine Herren, soll der erste Preis unseres Festes sein, daß wir nach den Schießtagen von einander scheiden mit dem Gefühle im Busen: wir sind stammverwandte Brüder; wir sind dafür begeistert, daß wir für das engere, sowie für das weitere Vaterland einstehen wollen mit Wort und That! Und siehe da! Sie haben begriffen, was wir damit gewollt: aus den entferntesten Orten Deutschlands, Belgiens, Hollands, Englands und der Schweiz sehen wir zahlreiche Vertreter bei unserem Feste erscheinen und sich die Hand drücken in dem freudigen Bewußtsein: „„Wir stehen wie ein Mann für die deutsche, für die stammverwandte Erde!““

Meine Herren! von hoher Stelle ward uns ein Beispiel gezeigt, wie man Rechtlichkeit üben soll, und mit Freude sahen wir ausgeführt das hohe Gebot der Religion: „„Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Haus, noch Alles, was sein ist.““ Wir Deutsche wollen nicht begehren unsres Nachbars Haus, doch wollen wir uns wehren, wenn eine frevelnde Hand es versuchen sollte, auch nur anzutasten eine Scholle deutscher Erde! Und zu diesem Zwecke haben wir Schützen uns zunächst die Hand zu reichen: wir wollen einstehen mit Gut und Blut und würdig sein dem Vorbilde der deutschen Krieger, welche 1813, 14 und 15 mit ihrem Blute für die Freiheit Deutschlands Boden gedüngt.“