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Titel: Das Nachtleben
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aus: Die Gartenlaube, Heft 30, S. 418–420
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Das Nachtleben.

Uns Menschenkindern, die wir mit unserer Thätigkeit an’s Licht gebunden sind, erscheint es nur gar zu oft, als ob auch die ganze Natur mit uns erwache und zur Ruhe gehe. Oft weiß man im gewöhnlichen Leben nur noch, daß diese und jene einzelnen Amphibien und Insecten, wohl auch noch einzelne Säuger und Vögel auch in der Nacht wach sind. Nur diejenigen Beschäftigungszweige, die zur Wachsamkeit in der Nacht auffordern, wie die Fischer, der einsame Wachposten an der See, im Forste, im Felde oder der aus Lust zum Wissen wachende Forscher schärfen ihre Sinne, entweder hier aus Gewinnlust oder dort eben aus Opferliebe zu den Musen. Ihrem einsamen Wandel ist jedes Lebenszeichen in der dunklen Stille ein Munterungsruf und nur zu oft hat selbst die Furcht ihren Antheil an einer Entdeckung gehabt.

Die nächtliche Welt gilt allerdings für gewöhnlich als eine ruhende Welt; unzählige Male haben Dichter diese Volksmeinung in ihren Versen niedergelegt. „Alles schläft in süßer Ruh’, müder Geist, nun ruh’ auch du!“ So heißt’s in jenem Abendliede und im Allgemeinen bleibt den Worten ihr Recht belassen. Doch ist’s auch einmal des Fragens würdig, wie in der That die Nachtseite der Natur im eigentlichen Sinne aussieht. Da ist’s denn freilich anders, da ist freilich nicht Alles in süßen Schlaf versunken; ja durch alle Classen der Thiere hinab finden wir genug nächtliche Wächter.

Kaum ist Mutter Sonne hinter den Bergen versunken, so rührt und regt sich eine andere Welt. Die Sänger enden ihr letztes Lied und Dunkel, die Munterkeitsbedingung so vieler lichtscheuen Thiere, zieht auf Bergen und in Thälern ein. In letzteren und im feuchten Gebüsche, in engen, umdüsterten Bauten beginnt sich’s zuerst zu regen. Sowie in Tropenländern einige Affenarten munter sind, so verlassen nun bei uns die Fledermäuse ihre Schlupfwinkel. An ihnen wird uns sogleich klar, warum sie und die meisten der thierischen Nachtwächter jetzt munter werden. Die ganze Natur ist der großartigste und freundlichste Organismus, den es gibt; die starre, die grüne und die lebendige Natur greifen, sich stufenweise und gegenseitig bedingend, in einander ein. Dort treibt der abgekühlte, umdunkelte Boden die lichtempfindlichen Blüthen an, sich zu öffnen. Silenen und Cactusarten offnen ihre Blumen zur Nachtzeit und eine der letzteren wird geradezu als Königin der Nacht bezeichnet. Der Thau fällt und hält sich an den freistehenden Pflanzen an. Eine Menge niederer Thiere zieht aus; ihnen nach größere, jene erbeutend. Der Nahrungstrieb ist’s, der den Fledermäusen, Nachtschwalben und Anderen diese Lebensweise abdrang. Der andere Grund, der einige zur Lichtscheu zwingt, ist der Bau des Auges, welches, wie bei der Eule, bei solcher großen Pupille die Lichtfülle nicht fassen kann. Nur die tagvogelartige Sperbereule scheint hiervon eine Ausnahme zu machen. Bei noch anderen Thieren, wie Mäusen, Zieseln und Hamstern ist die Furcht der Grund, daß sie in der Nacht und am frühen Morgen herumstreifen.

Unter die ersteren rechnen wir die gemeine Fledermaus, die auf die Dämmerungs- und Nachtfalter fahndet, deren viele sich ihr durch ihr weißes Nachtgewand, wie absichtlich, verrathen. Ueber die Teichflächen jagt wüsten Flugs die blasse Speckfledermaus. Kaum das Untergehen der Sonne erwartend, flog der hungrige Rauchflügel noch im Hellen aus, hielt sich aber hoch und jagte erst später nach Motten und Schnaken, Köcherfliegen und Libellen. Die winzige Pygmäenfledermaus kommt aus ihrem Reisholze, hinter den Bretterverschlägen der Bauernhäuser hervor, die Hufeisennase vom Thurme oder aus Höhlen und die Zwergfledermaus aus Kirchenhallen oder Schloßgängen, wo sie oft, wie in Dresden, in Colonieen nebeneinander hockt. In derselben Zeit haben Katzen ihre Mordpläne auf des Nachbars Schuppendache berathen und ziehen heimtückisch aus, hier eine Maus, dort ein verspätetes Fröschlein, hier ein Vogelnest überfallend. Im Gebirgswalde morden die Luchse Hasen, Rehkälber und Hühner; Bäre, Füchse und Wildkatzen streifen durch Büsche und um einzelne Bauernhöfe und der Wolf lungert nach der Landstraße, wo der Postwagen, mit feisten Pferden bespannt, dahin rollt. Die Marder halten ihre Kämpfe auf der Scheune, morden dann in den Ställen und naschen auf den Obstbäumen oder schlürfen Vogeleier aus, das Fangeisen klug umschleichend. Iltisse und Wiesel fügen zu dem Tagraube noch größere Nachtbeutezüge. Der plumpeste unter den Finsterlingen bleibt aber immer der Igel, von dem man früher wähnte, er spieße sich höchst planvoll sein Obst an die Stacheln und trage es so heim. Er kommt aus seinem Baum- oder Erdloch hervor, freut sich, wenn er einmal eine blöde Maus überlistet, nimmt aber sonst bescheidentlich auch mit einem jungen Frosche, ja mit Würmern und Obst vorlieb. Er ist ein vorzüglicher Regenwurm- und Schneckenvertilger und darum von allen Jüngern der Flora gern gesehen, selbst wenn er einmal scharren oder Vogelnester stören sollte. Dazu kommt, daß so ein alter „Schweinigel“ mit seinen jungen „Hundsigeln“ auch vor Schlangen, selbst vor der Kreuzotter, keine Furcht hat.

Von ähnlichen, feuchten Orten, wo Blätter faulen, Dünger liegt und der Igel gern weilt, gehen auch die Spitzmäuse aus. Sie fressen nicht nur Nachtinsecten, sondern räumen auch gar gewandt als Sicherheits- und Wohlfahrtspolizeier in der Natur todte Mäuse und derlei hinweg, indem sie dabei fett werden. Die eine Art schwimmt und plätschert Nachts gar vergnüglich mit immer trockenem Felle in Schleußen und Wassergräben, sucht sich „Rattenschwanzpuppcn,“ Fischrogen, Quappen und balgt sich oft selbst mit großen Egeln herum. In der Nacht fressen Wald- und Erbsmäuse „Korn und Kern,“ fressen Hausmäuse und Ratten jene erschrecklichen Zeilen in Speckseiten und Käse, in der Nacht sind Kaninchen, Hirsch, Reh, Gemse und Hase am thätigsten, indeß sie die Tageszeit über sich je mehr, je lieber verborgen halten. Käuzchen, die sich des Tags über, der Krähenneckereien wegen, ängstlich verkriechen, kommen hervor, verzehren mehrere Mäuse und Blindschleichen auf eine Mahlzeit, fliegen dem blendenden Lichte entgegen an die Scheiben an, wo vielleicht Todtkrante sich vor ihnen als vor den heulenden „Leichenvögeln“ [419] entsetzen, oder wo daneben der Denker noch spät am Arbeitstische über sie erschrickt. Schleiereulen schwimmen sanft herab und stoßen endlich schnell auf ihre Beute im Felde. Der auch am Tage scharf blickende Uhu ist der immer muthige, mit seinen Klauen furchtbar verwundende Räuber, dessen nächtliches „Puhuh!“ hohl durch die Waldklüfte hallt; und dazu kreischen und hohngickern Weib und Junge so gräßlich, daß die „wilde Jagd“ und das Rüdengebell wohl in ihnen einen Grund findet. Mit diesen Ohreulen zugleich jagen die Tagschlaffen oder Nachtschwalben, jene merkwürdig gewellten Vögel mit großer Schnabelöffnung, welche im Walde Nachts wie mit einem Spinnrade schnurren. Sie fressen fast alle Arten Insecten, nächtliche Käfer, Abend- und Nachtfalter, Libellen, Schnecken und Gewürm; selbst aus den Düngerballen der Säugethiere werden noch in der Nacht höchst eifrig die Aphodius-, Philanthus-, Mondhorn- und Schildkrötenkäfer oder deren Larven gelesen und alles Unverdauliche als Gewöll wieder ausgespieen, so daß diese Thiere, selbst ohne die nächtliche Beleuchtung der Hortulane zu haben, ihr Futter finden. Brachpieper, Schwarzkehlchen, Nachtigallen und Sprosser bringen des Nachts ihre Psalmm, wie der Dichter des Nachts seine hellsten Lieder sang. Ist doch diese Beobachtung Ursache zu dem schändenden Frevel geworden, Nachtigallen zu blenden.

Rebhühner und Wachteln kommen in der Abenddämmerung heraus, wandern, kämpfen sodann oder gerathen wohl gar in die würgenden Schlingen am Feldraine neben den oft besuchten Klee- und Rübsaaten. Nachts pfeifen Haselhühner, balzen die Moorhühner der Küstenländer, wie ihre Verwandten, unsere Auerhühner auch des Nachts thätig sind. Reich ist das Leben an den Sümpfen: Wasserrallen, Wiesenläufer und Rohrhühner schnarren und girren; andere, wie das Zwergrohrhühnchen, streichen über die Gewässer, indeß die Kiebitze über ihnen im Mondscheine sich wiegen und die Schnepfen, des auf den Anstand liegenden Jägers sich nicht versehend, droben ihre Taumelkämpfe feiern. Gänse, Enten, Reiher, Kraniche, Störche, Fluß- und Seeregenpfeifer, sowie unzählige Singvögel ziehen überdies zur Nacht in ein fernes Land und beleben die nächtliche Landschaft. – Auch die Fische ruhen nicht die ganze Nacht; sie plätschern, laichen und springen. Ja, Aale gehen oft im Dunkeln das Schotenfeld plündern.

Aber auch unter der niederen Thierwelt ist Nachts noch gar viel Leben. Frösche und Kröten, Molche und Salamander bekommen Muth; die gemeine, braungraue Feldkröte hüpft insectensuchend durch verwilderte Gärten und durch feuchte Felder, indem sie verfolgt ihren Urin weit fortspritzt. Hier fallen ihr Harpalen, dort am faulen Baumstamme Klopfkäfer in die Hände. Das sind dieselben Käfer, die bei ihrer nächtlichen Bohrarbeit, noch mehr aber durch das taschenuhrähnliche Klopfen der Männchen zur Begattungszeit dem Aberglauben Entsetzen einjagen; man hält diese „Todtenuhren“ für Vorboten des Todes. Hat man sie einmal gefangen, so stellen sie sich todt und bleiben hartnäckig unbeweglich, selbst wenn man sie an einer Flamme bratet. Bücherbohrer und die in Apotheken so sehr gehaßten Kräuterdiebe sind Nachts am thätigsten. Viele Dungkäfer sind nur in der Nachtstille auf Landstraßen und Waldwegen ungestört und der prachtvoll leuchtende Johanniswurm veranstaltet mit seiner ganzen Familie, denn auch die Larven leuchten schon, mittelst der letzten Hinterleibsringe die splendideste Illumination, bei welcher die kleinen Laternenträger beweglich sind und bei ihrer großen Zahl oft ein wahrer Feuerregen herniederfällt. Raubkäfer rennen im Dunkeln mit unbedeckten, hochemporgehobenen Hinterleibern; Blapse oder Todtenpropheten, die großen, plumpen, schwarzen Käfer, verlassen die Pferdeställe oder die schwammigen Dielen; selbst der Wasserkäfer, groß und klein, verlassen Nachts ihre Teiche, heben ihre schwerfälligen Flügel und gehen auf Besuch. Blattnager und Borkenkäfer, Zimmerböcke und Hirschkäfer und die Blattkäfer, vor Allen die auf Gemüsen so lästigen Erdflöhe, kleine Käfer, wüsten im Dunkeln am ärgsten. Auch die Ameisen ruhen des Nachts nicht ganz. Die schönsten Boten aber sendet die nächtliche Welt in ihren Schwärmern und Faltern. Sitzt man bei der Lampe, etwa in der Jelängerjelieberlaube oder in der Stube bei offenen Fenstern, so schweben oft, dem Lichte entgegen, dickleibige bunte Schmetterlinge, das sind die Schwärmer. Sammetartige blaßrothe und grüne Weinschwärmer, bunte Wolfsmilch- und große Ligusterschwärmer, Fichten- und Lindenschwärmer, Taubenschwänze, Abendpfauenaugen, vor Allem aber der prachtvolle, dunkel-marmorirte, in Aengsten wie ein Kind schreiende Todtenkopf kommen zum Fenster hereingeflattert. Vorigen Herbst fing ich unter Andern an den Fensterrouleaux einen prachtvollen Todtenkopf, der sich solcherweise verflogen hatte.

Aber auch Nachtpfauen, Hammerschmiede, wie die meisten mitunter prachtvollgefärbten Spinner zeigen sich meist nur Nachts, und die blendend weiß schimmernden unter ihnen sind’s, welche den Fledermäusen selbst schon Weg und Steg zeigen. So die Liparisarten, wie der Weidenspinner, der um die Pappeln flattert, der Goldaster und der „goldenüberfließende“ Schwan. Einem dieser Schmetterlinge hat die Natur selbst die Flügel versagt und das Weibchen sitzt nun Abends, etwas leuchtend, und harret der Wiederkehr des Gatten, wie es denn überhaupt unter diesen nächtlichen Vagabunden Ordensbänder, Sackträger und Bräute gibt. Die Eulenschmetterlinge, so genannt wegen ihres dichtverpelzten Kopfes, schweben um Obstbäume, in Wäldern und Gärten umher. Wie viele Pflanzen findet der Gärtner am Morgen durchfressen und verdorben, ohne den wahren Dieb beobachten zu können. Er würde ihn in später Abendstunde bei der Laterne finden. Licht ist ja immer den thierischen Nachtwandlern ein Ding der Neugier, und so manche Häringe verlieren alle Jahre durch das Häringsleuchten Freiheit und Leben. Beim Lichte findet man dann auch die Gemüse-, Kohl- und Ampfereulen um die Blätter flatternd; Raupen der Nelken- und Erbseneulen zerfressen die Saamenkapseln und verbergen sich dann unter Blatt und Kapseln. Auch die Lichtmotten oder Zünsler sind nächtliche Schmetterlinge, klein und langgebeint, welche Leder, Bücher, Speck und Butter benagen; ihnen nahe stehen die verderblichen Tineen, kleine Motten, welche Pelz, Tuch, Tapeten, Ueberzüge und Polster zerfressen, und Ende Mai oft Nachts in ganzen Gesellschaften silberflügelig durch die Zimmer schwärmen. Grillen, Kakerlaken und Schaben, sämmtlich ekelhafte Thiere, entfalten Nachts ihren Vandalismus und benagen Feldfrüchte, Speisevorräthe, letztere selbst Leder und trockne Fische.

Am ekelhaftesten aber durch Form, Geruch und Lebensweise sind jene zwei nächtlichen Wanzenarten; zuerst nämlich unsere Bettwanze, die, vom feinsten Geruch geleitet, sich von der Decke herabläßt, und nur Nachts oder vom Morgen überrascht, frei herumkriecht. Ihr Lichthaß geht so weit, daß sie oft selbst von ein paar brennenden Nachtkerzen zurückgescheucht wird; sie kehrt in ihren Schlupfwinkel zurück, ja man weiß, daß Wanzen mehrere Wochen lang ohne Nahrung leben können. Ihnen opponirend stehen die über dreimal größeren Kothwanzen da, häßliche, rothbraune Geschöpfe, welche eben ihren Kehrichthaufen verließen. Nachts sind auch viele Spinnenthiere (Spinnen, Milben und Scorpione) thätig; der Morgen findet schon frisch gezogene Netze. Krebse kommen hervor; Asseln oder Kelleresel laufen in oft unbeschreiblicher Menge über den Weg. Man kann sie mit den Nachts umherziehenden Baum- und Gartenschnecken sehr leicht in Mengen wegfangen, wenn man feuchte Moosbündel, hohle Kürbisse oder Viehklauen in den Weg legt; diese Thiere suchen sich in den gefundenen Verstecken alsbald zu bergen. Ueberhaupt sind Winkel, wo große Steine oder nasse Hölzer liegen oder Blätter welken, die Schlupfwinkel dieser Nachts so häufig sichtlichen Thiere.

Unter Kagelasseln und Regenwürmern kriechen die 72füßigen „Tausendfüße“, die Laubvielringler und Scolopender umher, die am Tage kaum zu sehen sind, und eben ihres seltenen, heimlichen Wesens wegen in einen wichtigen Ruf kamen. Sie eilen bei Ueberraschungen kopfüber, meist in der Gesellschaft der ihnen in der Lebensweise so sehr gleichenden Ohrwürmer oder Ohrkneiper, fort in dumpfige, dunkele Verstecke.

So die reiche Welt außer uns. Und der Mensch? – Auch er unterliegt anderen Einflüssen. Auch er ist Nachts ein Anderer als am Tage. Durch den Wechsel der Einflüsse und Reize ist der Mensch zu anderen Tagszeiten ein Anderer. Die Nacht ist die Zeit des Schlafes für uns, wo der Gesichtssinn, der wichtigste, seinen Spielraum verliert. Bewußsein, Unterscheidung, die eigene geistige Spannung weicht dem Naturgesetze. Das bildende Leben tritt zurück, hört aber nicht auf; der Stoffwechsel ist wohl träger, aber das animale Leben ist geregelter. Die Störungen und Aufregungen des Tages sind beseitigt, und der große Regulirungs- und Ausgleichungsproceß in unserm Organismus kann beginnen. Langsamer und ergibiger erfolgt die Verdauung; langsamer und geregelter jeder Athemzug, jeder Pulsschlag. Die Körperwärme [420] selbst ist anfangs geringer als Folge davon, so daß das Verhältniß derselben zu der während des Tages erfolgenden 100 : 125–130 bei der Ausdünstung ist. Mitternachts ist der Schlaf am tiefsten, am stärkendsten; die Krankheiten „stehen“, Todesfälle sind selten. Gegen Morgen erst wird Puls und Wärme voller, wachsender; leichte Schweiße, Krisen, Geburts- und Sterbefälle fallen am meisten in die stille Morgenzeit, bis sich zum Mittag ein zweiter Stillstandspunkt im Leben des Menschen offenbart.

Str.