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Das Jubelfest der Schul-Pforta (Teil 1)

Textdaten
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Titel: Das Jubelfest der Schul-Pforta. I.
Untertitel:
aus: Illustrirte Zeitung, Nr. 2 vom 8. Juli 1843, S. 17–18
Herausgeber: Johann Jacob Weber
Auflage:
Entstehungsdatum: 1843
Erscheinungsdatum: 1843
Verlag: J. J. Weber
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: MDZ München, Commons
Kurzbeschreibung: Geschichte und Beschreibung der Landesschule Pforta anlässlich des 300. Gründungsjubiläums
Fortsetzung: Das Jubelfest der Schul-Pforta (Teil 2)
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Das Jubelfest der Schul-Pforta.
I.

Die königliche Landesschule Pforta hat in diesen Tagen ihr dreihundertjähriges Stiftungsfest gefeiert, und die Theilnahme, welche Tausende von ehemaligen Schülern und deren Angehörige einem so denkwürdigen Ereignisse widmeten, fordert uns dringend auf, der Beschreibung des Festes eine kurze historische Nachricht vorausgehen zu lassen. In der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts lebte Graf Bruno, Herr der Landschaft Pleißen im jetzigen Altenburgischen. Als er das Unglück gehabt hatte, seinen einzigen Sohn Oetwin auf der Jagd zu verlieren, beugte ihn dies so tief, daß er, um seine ansehnlichen Güter zu dem, im Sinne der Zeit, besten Zwecke zu benutzen, im Jahre 1127 zu Schmölln im Altenburgischen ein Nonnenkloster stiftete. Aber eben so wenig als die Nonnen wollten hier Benedictiner-Mönche gedeihen, und da das Kloster überdies den Angriffen der umwohnenden slavischen Stämme ausgesetzt war, so gestattete Bischof Udo von Naumburg, daß sich im J. 1132 die Mönche in der Gegend zwischen Kösen und Naumburg, wo jetzt die Gebäude der Landesschule Pforta stehen, ansiedeln durften. Nachdem sich die Mönche von 1137 – 1140 in Kösen aufgehalten hatten, ohne daß hier jemals ein Kloster gestanden hatte, wie häufig gesagt wird, ward im J. 1140 das Cisterzienserkloster Pforte gegründet, Porta Beatae Mariae geheißen. Dadurch soll nach der gewöhnlichsten, obschon urkundlich nicht hinlänglich begründeten Meinung eine „Pforte zum Himmel“ angedeutet sein, woher das Kloster auch Porta coeli genannt wird. Das Kloster ward übrigens bald sehr reich, „fast wie eine Grafschaft“ nach den Worten eines alten Chronikenschreibers, und die Mönche genossen ihre Reichthümer in großer Behaglichkeit, bis die Reformation sie aus ihren Zellen trieb und 1541 der letzte Abt aus dem Kloster zog. In Folge dieser Kirchenveränderung bestimmte Kurfürst Moritz durch das Patent vom 21. Mai 1543, daß die ansehnlichen Klöster zu Pforta, Meißen und Merseburg sollten in Landesschulen verwandelt werden, von denen die letztere späterhin nach Grimma verlegt worden ist. Hundert Zöglinge sollten hier unentgeldlich unterrichtet und verpflegt werden, wozu noch außer den frühern Besitzungen die des Klosters Memleben angewiesen und ein Rector, Pastor, Conrector und Tertius zu ihren Lehrern bestimmt wurden. Am 1. November 1543 ward der erste Schüler oder Alumnus, Nicolaus Lutze aus Kindelbrück, aufgenommen, aber nicht vom Rector, sondern vom Schulverwalter. Dieser Tag ist bis jetzt als Stiftungsfest der Anstalt begangen worden; es ist jedoch durchaus richtiger, den 21. Mai als solchen zu betrachten, wie dies in diesem Jahre zuerst geschehen ist und ferner geschehen wird. Der erste Rector war Johann Gigas, ein auch als geistlicher Liederdichter (er ist z. B. Verfasser des schönen Liedes „ach, liebe Christen, seyd getrost“) nicht unrühmlich bekannter Mann.

Die Nachfolger des Kurfürsten Moritz, namentlich August und Christian II. im sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderte, und Friedrich August im achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderte, bewiesen der Pfortaischen Schule vielfache Huld und Unterstützung. Freilich ward diese auch von den Verwüstungen des dreißigjährigen Krieges und von pestartigen Krankheiten heimgesucht, namentlich in den Jahren 1637 – 1647, und scheint damals ihrer völligen Auflösung nahe gewesen zu sein. Auch der Einfall der Schweden in Sachsen im J. 1706 und später der siebenjährige Krieg nahmen die Pforte durch Erpressungen und Lieferungen vielfach mit. Dagegen blieb sie im Kriege von 1806, obgleich in der Nähe der größten Gefahr, und bereits vor der Schlacht von Auerstädt von französischen Schaaren ganz umringt, fast unberührt; nur Lebensmittel wurden verlangt und die Verpflegung der Verwundeten gefordert. Auch im Jahre 1813 waltete, trotz der in ihrer Nähe gelieferten Schlacht bei Freiburg und der Gefechte bei Kösen, eine besondere Gnade der Vorsehung über ihr; sie erhielt von den Generalen Thielemann und Schwarzenberg Sicherheitswachen, und der Staatskanzler Hardenberg verwendete sich dafür, daß der Pforte alle nur mögliche Erleichterung in Hinsicht der Kriegslasten zu Theil wurde.

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Ansicht von Schul-Pforta.

Seit dem Jahre 1815[WS 1], wo die Pforte mit dem Herzogthume Sachsen an die Krone Preußen übergegangen ist, hat die friedliche Ruhe im Innern und Aeußern keine Störung erfahren. Eine neue Organisation fand im Jahre 1820 Statt, wodurch fühlbare Mängel beseitigt wurden, aber die alten Sprachen fortwährend als das erste und vorzüglichste Bildungsmittel an der Spitze des gesammten [18] Unterrichts blieben. Daneben ist der Muttersprache, der Geschichte u. Mathematik die nöthige Zeit gewidmet worden, die ihnen früher in einem fast zu kärglichen Maße gegönnt war. Die Zucht und Ordnung hält sich fortwährend an die alte bewährte Disciplin, die eine vernünftige Beschränkung der Freiheit als Wohlthat für einen jungen Menschen betrachtet. Die Humanität und der Liberalismus in der modernen Erziehung mag nun gegen solche Beschränkungen eifern, so viel er will – Anstalten, wie Pforta, müssen eine strenge Disciplin haben; will man diese aus übergroßer Zärtlichkeit für die heutige Jugend aufheben, so ist es auch mit der Blüthe und mit dem Nutzen solcher Anstalten vorbei.

Welche treffliche Erfolge die Pfortaische Disciplin unter trefflichen Rectoren und Lehrern – es genüge hier aus der Zahl der Verstorbenen die Namen eines Freytag, Geißler, Barth, Heimbach, Ilgen, Lange und Schmidt zu nennen – erzeugt hat, beweist die große Anzahl gelehrter und tüchtiger Männer, welche in derselben aufgewachsen sind. Wir nennen aus den frühern Jahrhunderten die Namen des Leipziger Kanzlers v. Pfeifer, der Philologen Erasm. Schmid, Aug. Buchner, J. G. Grävius, des geistlichen Dichters Erdm. Neumeister; aus der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts die Gebrüder Joh. Ad. und Joh. Elias Schlegel, Klopstock, Fichte, I. A. Ernesti; aus der letztern Hälfte und aus dem Anfange des neunzehnten Jahrhunderts den Philosophen Krug, die Theologen Heubner, Großmann, Nitzsch, Thilo; die Veteranen unter den Philologen Mitscherlich und Eichstädt, und die jüngern Böttiger, Huschke, Thiersch, Spohn, Dissen, Ph. Wagner, Döderlein, Rich. Lepsius; den Historiker Leop. Ranke; die Staatsmänner v. Könneritz, Nostiz und Jänckendorf (sächsische Minister) und den Oberpräsidenten von Posen, v. Beurmann; die Rechtsgelehrten Zachariä und Schilling; die Mediciner v. Ammon und Hedenus; die Naturforscher Ehrenberg und Thienemann. Und wie viele Tausende sind sonst noch aus Pforta hervorgegangen, die in den verschiedensten Aemtern und Lagen das Erbtheil Pfortaischer Erziehung, die Liebe zu gründlicher Kunst und Wissenschaft, mit Eifer und Fleiß weiter zu verbreiten bemüht gewesen sind. Ueber sie alle hat König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ein ehrendes Wort gesprochen: „Habe viel Gutes von Schulpforta gehört, und sollen die Beamten, die auf derselben gebildet sind, vergleichungsweise die gründlichsten und besten sein.“ Und dazu setzte der würdige Herrscher die Worte: „mag wol mit der geistigen Speise gehen, wie mit der körperlichen, – es kommt nicht darauf an, daß man viel genießt, sondern daß man das, was man genießt, gut verdaut und in Kraft und Gesundheit verwandelt.“ Diese Worte dürfen weder von denen vergessen werden, die mit der Einrichtung oder Beaufsichtigung Pfortaischer Angelegenheiten beauftragt sind, noch von denen, die über sie reden und urtheilen.

Es wird hiernach nicht überflüssig sein, auch von den äußern Verhältnissen der Landesschule Pforta das Wichtigste aus den sichersten Quellen beizubringen. Dieselbe ist mit einer zwölf Fuß hohen steinernen Mauer umgeben und gegen Abend mit einem gewölbten doppelten Thore, gegen Morgen und Mitternacht mit Eingangsthüren versehen. Innerhalb der Ringmauer befindet sich eine eigne Kirche, an welcher zwei Prediger angestellt sind, und zu welcher die Bewohner des Dorfs und der Saline Kösen nebst den Vorwerken Fränkenau und Cuculau gehören. Ferner das in den Jahren 1803 und 1804 neuerbaute massive Schulhaus, in welchem die Wohnungen mehrer Lehrer und der Schüler sich befinden; das sogenannte Fürstenhaus, von Kurfürst August von Sachsen erbaut, in welchem die Wohnungen des Rectors, jetzt des Dr. theol. Kirchner, und zweier andrer Familien sich befinden, dann die Häuser des Schularztes und Schulchirurgus nebst den Krankenstuben für die Schüler, ansehnliche Oekonomie- und Wirthschaftsgebäude, Wohnungen für die übrigen Lehrer und Beamten, ein Brauhaus, eine eigne Mahlmühle, ein Backhaus und eine in Erbpacht gegebene Papiermühle; vor dem Thore liegt das Forsthaus mit Wirthschaftsgebäuden.

Die Zahl der in Pforta befindlichen Schüler darf nicht über 180 steigen. Von diesen Stellen, die fast alle ganze Freistellen sind, werden 100 vom königlichen Ministerium der Geistlichen-, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten und vom Provinzial-Schul-Collegium in Magdeburg vergeben, 80 von den Städten des Herzogthums Sachsen, vom Dom-Capitul zu Naumburg vom Rector und von einigen adligen Familien, jedoch nur an Inländer. Ausländer aber wie Inländer können bis 20, als Extraner, von den einzelnen, ordentlichen Lehrern in ihr Haus und in ihre Pflege genommen werden. Sie genießen ebenfalls wie die Alumnen freien Unterricht, stehen aber unter denselben Gesetzen, wie die Alumnen; die Bevorzugungen einer frühern Zeit sind seit 1820 ganz aufgehoben. Demnach können überhaupt bis 200 Schüler in Pforta sein; es ist indeß diese Anzahl nicht immer vollständig da, was für die wissenschaftlichen und pädagogischen Zwecke der Anstalt gar nicht als ein Nachtheil angesehen werden darf. Die Speisung und Verpflegung der Alumnen, welche jährlich zwischen 11 bis 12,000 Thaler kostet, führt der Pachter der Pfortaischen Oekonomie; die Kost ist seit beinahe zwölf Jahren unverändert gut, schmackhaft und reichlich gewesen, und kann jede Vergleichung mit der Kost in ähnlichen Instituten aushalten.

Zum Unterhalt der Schüler, zur Besoldung der Lehrer und Beamten und zur Bestreitung sonstiger Bedürfnisse besitzt die Landesschule Pforta einen sehr bedeutenden Umfang von Ländereien, Triften, Waldungen, Gütern, Mühlen und Vorwerken, von denen nur die Waldungen unmittelbar unter einem königl. Oberförster und vier Förstern stehen, alles Uebrige aber theils in Erbpacht, theils in Zeitpacht gegeben ist. Von den frühern Weinbergen besitzt die Pforte jetzt noch einen, die übrigen wurden im Jahre 1820 aus administrativen Gründen verkauft. Die jährlichen Einkünfte der Anstalt belaufen sich auf etwa 42,000 Thaler, und diese Summe kommt dem Ausgabe-Etat in der Regel gleich. Was von den außerordentlichen Reichthümern der Pforte und von der ausgezeichnet guten Stellung ihrer Beamten seit Jahren geredet und gefabelt wird, ist zum großen Theile übertrieben. Allerdings genießen einige Lehrer gute Besoldungen, aber die übrigen sind keineswegs so reich besoldet, als man gemeiniglich urtheilt. Dabei ist zu berücksichtigen, daß das Leben in Pforta durchaus nicht wohlfeil, und die Anschaffung der gewöhnlichen Lebensbedürfnisse theurer als an andern Orten ist.

Es gehören endlich zum Schulamte Pforta 21 Ortschaften mit 17 Kirchen, 9 Pfarr- und 13 Schullehrerstellen, worüber der Rector der Pforte nebst dem Hausinspector das Patronat, und, in Verbindung mit dem betreffenden königl. Superintendenten, auch die Kircheninspection führen. Eine bedeutende Menge der frühern Lehne, Zinsen, Dienste und Frohne aus den genannten 21 Ortschaften sind in den letztern Jahren auf dem Wege der Ablösung aufgehoben und von der preuß. Regierung fortdauernd Alles gethan worden, um diese herrliche Stiftung im Geiste ihrer Stifter und Bewohner zu erhalten und ihre Segnungen einer künftigen Zeit ungemindert zu überliefern.

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Anmerkungen (Wikisource)

  1. Jahreszahl ist unleserlich; nach Recherche in der Geschichte der Schule korrekt